Buchtipp : Lustig-leckere Lektüre

Guillaume Longs Buch 'Kann denn Kochen Sünde sein' ist im Carlsen-Verlag erschienen.
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Guillaume Longs Buch "Kann denn Kochen Sünde sein" ist im Carlsen-Verlag erschienen.

Kann denn Kochen Sünde sein? Das fragt Comiczeichner und Kochblogger Guillaume Long in seinem ganz besonderen Kochbuch. Das macht Spaß und Lust auf die französische Küche.

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22. November 2013, 20:11 Uhr

Was soll ich heute kochen? Jede Menge Antworten auf diese Frage finde ich in meinem zimmerhohen Kochbuch-Regal. Das neueste Werk dort ist so kurios, wie es sich eine Kurios-Köchin nur wünschen kann. Denn Guillaume Long schreibt nicht nur übers Essen, sondern er zeichnet Comics für seinen Kochblog auf der Onlineseite der französischen Zeitung Le Monde. Seine Buch gewordenen Blogeinträge heißen „Kann denn Kochen Sünde sein? - Ein Comic für Genießer“.

Comiczeichner ist der Franko-Schweizer von Beruf – von Natur aus ist Guillaume Long Koch-Nerd. Für einen solchen ist schon die Zubereitung eines Kaffees eine heilige Handlung. Drei Seiten - 28 Bilder - lang zeichnet er darüber. Es kann nur die Eine geben: Die italienische Kaffeemaschine, die auf der Herdplatte erhitzt wird. Der Genießer muss sie erst einkochen und darf sie dann niemals wieder abwaschen, will er das volle Aroma des Kaffees genießen. Das natürlich nicht von Zucker verunreinigt werden darf. Tja schade, ich hätte gern mal mit Long einen Kaffee getrunken, so von Koch-Nerd zu Koch-Nerd. Doch als Zucker-in-Kaffee-Trinkerin droht mir ein Schlag mit der Fliegenklatsche.

Buch-Details

Guillaume Long, "Kann denn Kochen Sünde sein - Ein Comic für Genießer". 144 Seiten. 24,90 Euro. Verlag: Carlsen. ISBN: 978-3-551-78580-0

 

Egal, den LeMonde-Blogger lerne ich auch ohne einen gemeinsamen Kaffeeklatsch kennen – beim Lesen seines Buches in vier Jahreszeiten-Kapiteln. Schnell weiß ich: Küchengeräte machen Long glücklich. Auch wenn er anfangs sparsam guckt, als er eine Knoblauchpresse geschenkt bekommt. Doch als er entdeckt, dass er damit auch Schokolade, Parmesan, Rettich, Ingwer und mehr mahlen kann, erklärt er der Mühle ewige Freundschaft.

Guillaume Long erntet im Frühjahr Löwenzahn und Bärlauch und teilt seine Rezepte mit mir sehr anschaulich und ohne lästige Mengenangaben. Er erklärt, wie ich meinen Fischhändler beeindrucke – durch ausführliche Kenntnis der Fische auch in Filetform, die ich dank seiner Zeichnungen memorieren kann.

 Im Urlaub interessiert den Kochblogger nur das eine. Was? Genau! Ich begleite Guillaume – oh, jetzt sind wir schon per du – nach Budapest zu Gulasch und Pörkölt, mit kulinarischen Höhenflügen und abgrundtiefen Zander-Desastern. Im Herbst geht’s nach Venedig zu perfekter Pasta, Pizza und dem besten Kaffee der Welt – natürlich wieder ohne Zucker...

Im Sommer bleibt Guillaume anscheinend zu Hause. Und wenn es ihm zu heiß wird, die Zeichentinte eindickt und die Blätter am Unterarm kleben bleiben, zieht er die Badehose an und macht den besten Salat der Welt – einen schlichten Tomatensalat. Einfach, aber perfekt – ebenso wie sein Zucchinisalat, sein Kartoffel-Artischockenherz-Salat und der Wassermelonen-Feta-Salat.

Im Herbst verfolge ich Guillaumes Weg zu seinem Schokoladenkuchen-Rezept. So mancher Freund habe versucht, es ihm zu stibitzen, behauptet der komische Koch – und zeichnet Szenen einer Burg-Verteidigung. Dabei teilt er das Rezept doch gern – und verrät ausnahmsweise sogar Mengenangaben.

Neben den Rezepten teilt Long aber auch Leben und Leid eines Koch-Nerds mit den Lesern. Zum Beispiel die neue Freundschaft mit einem leider wortkargen Profikoch, der sich so gar nicht mit Laien austauschen mag. Dabei ist Guillaume doch immer auf der Suche, holt sich sogar Tipps fürs Pfannkuchenbacken beim Bretonen, der ja der Fachmann in Sachen Crepes sein soll. Das ist deutschen Lesern nicht unbedingt so geläufig wie französischen. Und auch an anderen Stellen fremdelt der deutsche Leser hier und da. Die Form des Comics macht die Übersetzung offenbar an einigen Stellen schwierig bis unmöglich - vor allem bei den kleinen Küchengeräte-Vorstellungen durch Pépé Roni, die auf dem Teekesselchen-Prinzip beruht. Wenn Pépé zum Beispiel erklärt, man solle einen Chinesen nicht mit einem Chinesen verwechselt, dann komme ich nicht sofort darauf, dass Chinois sowohl ein Mensch aus dem bevölkerungsreichsten Land der Erde als auch ein Spitzsieb ist. Aber da sind ja auch noch die Bilder, die mich schlauer machen.

So kann der kulturelle Unterschied auch als Stärke des Comics gesehen werden: Denn damit entdecke ich die kulinarische Weltmacht Frankreich neu. Vive la France culinaire!

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