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Linkshänder nicht auf rechts trimmen

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Flensburg/itzehoe | Die "böse Hand" wird nicht mehr auf den Rücken gebunden, um sie am Schreiben zu hindern, und Schläge darauf gibt es auch nicht mehr. Der erste Löffel jedoch wird Kleinkindern meist immer noch in die rechte Hand gedrückt; auch beim Händedruck zur Begrüßung ist die linke unerwünscht. "Etwa seit den 1980er Jahren werden linkshändige Kinder nicht mehr radikal umerzogen", sagt die zertifizierte Linkshänderberaterin Sibylle Ballenberger. "Doch ein subtiler, emotionaler Druck wird immer noch oft ausgeübt." Dabei ist die Händigkeit angeboren - und eine "Umerziehung" für den Betroffenen oft mit negativen Folgen für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit verbunden.

"Die Händigkeit hängt davon ab, welche Hälfte des Gehirns dominant ist", sagt Ballenberger, die in Flensburg und Itzehoe Beratungen und Weiterbildungen unter anderem für pädagogische Berufe anbietet. Bei Linkshändern sei dies die rechte Hirnhälfte, die die Motorik der linken Körperhälfte steuere. "Werden sie umtrainiert, bedeutet das eine ständige Fehlbelastung des Gehirns." Gedächtnisstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten, Lese- und Rechtschreibstörungen, Probleme beim Sprechen und in der Feinmotorik können die Folgen sein. "Viele Kinder leiden außerdem unter Minderwertigkeitskomplexen und psychosomatischen Störungen, sie ziehen sich zurück oder kaspern herum, um ihre Unsicherheit zu überspielen."

Die Expertin vergleicht das Gehirn eines "Umgepolten" mit einem "unaufgeräumten Schreibtisch": "Sie erreichen auch im Erwachsenenalter nie das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit, die sie eigentlich hätten." Eltern sollten ihren Kindern darum nicht vorgeben, welche Hand sie benutzen. Werde immer wieder zwischen beiden Seiten gewechselt, müsse die Dominanz mit Hilfe eines Händigkeitstests geklärt werden. "Oft gucken sich Kinder von Geschwistern ab, die rechte zu benutzen, obwohl es nicht ihre starke Hand ist", sagt Ballenberger. "Dann beginnen in der Schule die Schwierigkeiten." Der Test sei im Alter von viereinhalb bis fünf Jahren, spätestens ein Jahr vor der Einschulung ratsam. Sibylle Ballenberger rät Eltern auch, mit der Schule zu klären, ob die Lehrkräfte auf linkshändige Kinder eingestellt sind. Notwendig sei etwa eine spezielle Schreibunterlage.

Dass es am passenden Arbeitsmaterial und Werkzeug hapert, erschwere auch heute noch vielen Erwachsenen den Alltag: Die linkshändige Fleischereifachverkäuferin könne an der Schneidemaschine nicht arbeiten; Zahnarztstühle für Linkshänder seien an den Unis eine Seltenheit. Auf Benachteiligungen und Belange von Linkshändern hinzuweisen, ist auch das Ziel des 1976 ins Leben gerufenen Weltlinkshändertags am kommenden Dienstag.

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erstellt am 08.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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