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"Es betrifft Dich" : Leser-Fragen zum Thema Brustkrebs

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OP, Chemotherapie und Heilungschancen: Der Chefarzt einer Flensburger Klinik für Gynäkologie, Horst Ostertag, beantwortet Leserfragen zum Thema Brustkrebs.

Ist eine Chemotherapie immer notwendig, mit allen Folgen wie zum Beispiel dem Verlust der Haare während der Behandlung?
Die Behandlung ist abhängig vom persönlichen Risikoprofil der Betroffenen – hierzu zählen die Tumorgröße, Bösartigkeit, Lymphknotenbefall und spezielle Tests, die eine Aussage über das Risiko der Erkrankung wie auch das Ansprechen einer bestimmten Behandlung zulassen. In die Abfolge der Therapiemaßnahmen ist heute Bewegung gekommen. Zunehmend wird sogar mit der Chemotherapie begonnen, zum Beispiel um einen großen Tumor so zu verkleinern, sodass er noch brusterhaltend operiert werden kann. Beim Erhalt der Brust, wie heute meist möglich, folgt in der Regel die Strahlentherapie, oft ergänzt von einer medikamentösen Therapie, entweder kurzzeitig als Chemotherapie oder, beziehungsweise zusätzlich als Langzeittherapie mit Antihormonen. Es hat sich gezeigt, dass gerade eine derartige Kombination die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs wiederkommt, drastisch senken kann. Die Haare gehen in der Regel aus, kommen aber nach Ende der Chemotherapie sofort wieder.
Wie gut sind die Heilungschancen nach der Diagnose Brustkrebs?
Brustkrebs ist grundsätzlich heilbar. Jedoch nur, solange der Krebs auf die Brust oder bestimmte Lymphknoten beschränkt ist. Daher rate ich Frauen dringend dazu, regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen. Die Früherkennung ist der wichtigste Faktor, die Heilungschancen zu erhöhen. Es gilt der Grundsatz: Je früher desto besser. So wird in ganz Schleswig-Holstein seit 2009 flächendeckend das Mammographie-Screening für Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr angeboten. Ferner gibt es, und zwar nur in Schleswig-Holstein, das so genannte QuaMaDi (Qualitätsgesicherte MammaDiagnostik) für Frauen mit spezifischen Symptomen. Zusätzliche Möglichkeiten sind die Selbstuntersuchung der Brust, eine ärztliche Tast-Untersuchung, Mammographie, Ultraschall und Kernspintomographie. Jeder verdächtige Befund sollte vor der Behandlung mit einer Feingewebeprobe abgeklärt werden.
Muss die Brust immer abgenommen werden oder gibt es andere Operationsmethoden?
Vor 30 Jahren hätte ich geantwortet: Nach der Diagnose Krebs muss die Brust immer abgenommen werden. Man hat in den letzten Jahrzehnten aber die Erfahrung gemacht, dass brusterhaltende Operationen genauso sicher sind, wenn der Krebs rechtzeitig erkannt wird. Auch dank der Vorsorgemaßnahmen können mittlerweile 60 bis 70 Prozent der Patientinnen brusterhaltend operiert werden. Auch andere schwere Einschränkungen, wie das Lymphödem, das zum Teil starke Anschwellen des Armes, kommt durch die Einführung der Entfernung des Wächter-Lymphknotens so gut wie gar nicht mehr vor.

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erstellt am 11.Mär.2012 | 07:56 Uhr

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