Blähungen und Durchfall : Lebensmittelmythos: Bekommt man von Kirschen und Wasser Bauchschmerzen?

Bei süßen Kirschen fällt Zurückhaltung schwer. Zu viele Früchte auf einmal können aber auf den Magen schlagen.
Bei süßen Kirschen fällt Zurückhaltung schwer. Zu viele Früchte auf einmal können aber auf den Magen schlagen.

Viele kennen die Warnung noch aus Kindertagen: Wer zu Kirschen Wasser trinkt, bekommt Bauchschmerzen. Doch das stimmt nur in Ausnahmefällen.

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06. Juli 2018, 05:01 Uhr

Kirschen findet man derzeit in vielen Haushalten auf dem Küchentisch. Gerade dieses Jahr gilt als kirschenreich: Das Statistische Bundesamt schätzt, dass in diesem Jahr rund 44.300 Tonnen Süß- und 16.800 Sauerkirschen geerntet werden können.

Der Mythos, dass die Frucht-Wasser-Kombination zu Problemen mit dem Magen führt, ist nicht ganz weit hergeholt. Fakt ist, dass sich auf der Schale von Kirschen und anderen Obstsorten oftmals Hefepilze finden. Diese Keime haben im Magen nichts zu suchen - und fallen aus genau diesem Grund der Magensäure zu Opfer. Eine Gefahr ist hier also nicht gegeben.

Blähungen durch Gärung

Anders ist die Lage, wenn man in kurzer Zeit eine besonders große Menge Kirschen zu sich nimmt, also beispielsweise ein halbes Kilo Kirschen auf einmal isst. Dann kann der Magen überlastet sein und die Hefepilze vergären den Fruchtzucker zu Alkohol. Das hierbei entstehende Kohlendioxid wiederum kann zu Blähungen führen. Schlimmer wird es noch, wenn man gleichzeitig eine Menge trinkt, weil dann die Magensäure zusätzlich verdünnt wird.

Es gibt noch einen zweiten Mythos, und zwar dass Wasser, das man zu Kirschen trinkt, diese besonders schnell in den Darm befördert. Dadurch würden die Hefepilze nicht durch Magensäure abgetötet werden. So könnten im Dickdarm Fermentationsprozesse ablaufen, die die Schmerzen verschlimmern - so die These.

Doch auch diese gilt als überzogen, weil der Körper bei der flüssigen und festen Nahrungsaufnahme ohnehin immer mit Mikroorganismen konfrontiert ist. „Viel wahrscheinlicher ist, dass die Warnung auf die schlechte Trinkwasserqualität in früheren Zeiten zurückzuführen ist“, sagt Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung. Keime im Wasser könnten unabhängig vom Obstverzehr Blähungen und Durchfall verursachen. „Heute ist das Trinkwasser aber von sehr guter Qualität“, stellt Harald Seitz fest.

Tipps für den Einkauf und die Zubereitung von Kirschen

  • Beim Einkauf darauf achten, dass die Kirschen reif, prall und unbeschädigt sind
  • Im besten Fall glänzt die Schale etwas
  • Der Stil sollte fest an der Kirsche sitzen
  • Vor dem Verzehr gründlich waschen
  • Und nicht vergessen: Wer keine allzugroßen Mengen auf einmal isst, der darf zu den Kirschen auch ein Glas Wasser trinken.


(Mit Material der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung)

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