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Typisierungsaktion auf Sylt : Lässig übers Ziel hinaus gepiekst

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Begeisterung bei den Veranstaltern: Zu der Typisierungsaktion für den leukämiekranken Berat kamen weit mehr Menschen als erwartet.

Westerland | Sylt hat es geschafft: Mit rund 1200 Menschen, die sich am Sonntag in die Räume der Lebenshilfe per Blutabnahme in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) aufgenommen wurden, haben die Veranstalter der Aktion "Berat will leben" ihr gestecktes Ziel von 1000 Typisierungen lässig überschritten. "Unglaublich!", freute sich Dr. Katrin Klint, die die Aktion mit organisiert hatte. Und ihrem Orga-Mitstreiter, Björn Nielsen, schossen die Tränen in die Augen, als er am frühen Nachmittag die tausendste Typisierung bekannt geben konnte.
Auslöser für die Aktion war die Leukämieerkrankung eines Sylter Kleinkindes: Für den einjährigen Berat Caliskan konnte bisher kein Stammzellspender gefunden werden. Mit Typisierungen wie gestern sollen die Chancen für ihn und anderen an Blutkrebs erkrankten Menschen gesteigert werden, einen genetischen Zwilling zu finden.

"So oft hintereinander habe ich noch nie Blut abgenommen"

Schon um halb zehn, eine halbe Stunde, bevor die gut 70 Helfer in der Lebenshilfe ans Werk gingen, standen Sylter und Gäste vor dem Gebäude Schlange. Vater Erkan Caliskan war von dem Andrang vor der Lebenshilfe überwältigt: "Das ist toll! Ich hatte ein bisschen Angst, dass vielleicht nur 50 kommen." Eine unbegründete Sorge: Innerhalb kürzester Zeit waren den ersten 30 Besuchern Blut abgenommen. Um diesen Andrang zu schaffen, pieksten 20 Ärztinnen, Arzthelferinnen und Krankenschwestern unter anderem aus der Sylt Klinik, der Asklepios Nordseeklinik und der frauenärztlichen Praxis im Akkord. "So oft hintereinander habe ich noch nie Blut abgenommen", lachte Dr. Sabrina Lambertz, die extra aus Neumünster für die Hilfsaktion auf die Insel gekommen war.
Eva Gwizdz, die von Lambertz gerade versorgt wurde, nahm den Pieks gelassen hin: "Ich habe von meiner Schwester von der Aktion gehört und wollte einfach helfen", erklärte die 28-Jährige. "Ich bin vor 20 Jahren nach Sylt gezogen, weil ich wusste, dass man sich auf dieser Insel gegenseitig hilft", sagte Jochen Kremer, selbst Vater zweier Kinder. Auch wenn die allermeisten beim Anblick der Nadel so ruhig blieben wie er – im Falle eines Falles war das Sylter DRK mit zwei Wagen zur Stelle. Wer mit dem Blutabnehmen fertig war, konnte sich vor der Lebenshilfe gegen Spende mit Kuchen, Hot Dogs oder asiatischem Essen stärken – wie so vieles bei dieser Aktion wurde das Essen von Syltern oder Sylter Unternehmen gespendet. Spätestens als dort am Nachmittag die Wunschlistenband spielte, kam Volkfsfeststimmung auf.
Zwei Mitarbeiter der DKMS, die die Aktion begleiteten, sorgen nun dafür, dass die 1200 Blutproben zur Analyse ins DKMS-Labor nach Leipzig kommen. Auch von ihnen gab es Lob für die engagierten Helfer und Blut-Spender: "Super Aktion, hier haben alle toll gearbeitet. Die Zahlen, die Stimmung hier drin bei den Helfern und die Stimmung draußen – das spricht doch alles für sich", so Christopher Krügelstein von der DKMS. In ein bis zwei Monaten stehen die neuen potenziellen Stammzellenspender dann in der Datei und könnten Berat oder anderen das Leben retten.

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erstellt am 16.Jun.2013 | 10:36 Uhr

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