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Prostata : Krebs mit Fusionsbiopsie aufspüren

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Bei der Suche nach dem Krebs in der Prostata ist es nicht einfach, den Tumor sofort zu lokalisieren. Dann kommt die Fusionsbiopsie zum Einsatz.

Itzehoe | Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Irgendwo in der Prostata sitzt der Krebs, aber obwohl die Vorsteherdrüse nur so groß wie eine Kastanie ist, ist es manchmal schwer, den Tumor zu lokalisieren. Bis zur Diagnose Prostatakrebs haben einige Männer einen Biopsie-Marathon hinter sich. "Es gibt Patienten, die über Jahre gestanzt wurden - ohne Befund. Bis der Krebs plötzlich überhand nahm", erklärt Oberarzt der Urologie in Itzehoe Dr. Dittmar Freiherr Grote. Zwar lassen die Blutwerte auf ein Karzinom schließen, aber Biopsien bringen kein Ergebnis.
"Das muss man sich wie eine Mandarine vorstellen, in die man blind sticht und dabei versucht, einen bestimmten Punkt zu treffen", erklärt Dr. med. Wolfgang Höppner, Chefarzt der Klinik für Urologie in Itzehoe. In solchen Problemfällen kommt nun an der Berliner Charité sowie am Klinikum Itzehoe die MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie zum Einsatz. Dr. Höppner: "Eine sehr spezielle Maßnahme, die aber durch die Häufigkeit des Prostatakrebses oft angewendet werden kann." Das Prostatakarzinom macht 26 Prozent aller beim Mann festgestellten Krebserkrankungen aus.

MRT-Datensatz wird auf Ultraschallgerät übertragen

Einer der Wegbereiter der Fusionsbiopsie ist Univ.-Prof. Dr. med. Thomas Fischer vom Institut der Radiologie der Berliner Charité. Er und Dr. Grote arbeiten an einer Studie mit jeweils 100 Patienten, bei denen versucht wird, den Krebs punktgenau zu lokalisieren - mit der Fusionsbiopsie. Dabei werden die Ergebnisse von Kernspinuntersuchungen mit Live-Ultraschall kombiniert. So kann die Biopsienadel gezielt auf die im MRT auffälligen Herde ausgerichtet werden. "Im Ultraschall ist der Krebs oft nicht sichtbar, im MRT häufiger. Aber in der Röhre lässt sich der Krebs schwer punktieren. Deshalb legt man Bilder aus Ultraschall und MRT übereinander."
Der MRT-Datensatz wird auf das Ultraschallgerät übertragen. Das könne man sich wie ein Navigationsgerät vorstellen, das den Arzt während des Ultraschalls zu dem möglichen Krebsherd lotst, so Prof. Fischer. "Der Clou ist, dass hier Radiologie und Urologie zusammenarbeiten. Beide Disziplinen bündeln ihre Erfahrungen." Neben dem Ziel, den Krebs zu lokalisieren, erhoffen sich die Mediziner als nächsten Schritt, dass damit auch eine lokale Therapie möglich wird. Bisher wird radikal operiert, d.h. die Prostata entfernt. Höppner: "Wir dürfen erst therapieren, wenn der Krebs nachgewiesen ist, finden ihn aber nicht immer. Die Fusionsbiopsie stellt für solche Fälle ein Zusatzwerkzeug dar." Für eine Früherkennung sei ein PSA-Test (Prostata-spezifisches Antigen) notwendig, der aber von gesetzlichen Krankenkassen als Vorsorgeuntersuchung nicht bezahlt wird, so Höppner. "Ohne PSA-Test müssen wir warten bis der Krebs schon weiter fortgeschritten ist."

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erstellt am 13.Jun.2013 | 02:10 Uhr

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