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Ernährung & Gesundheit

21. Oktober 2017 | 18:18 Uhr

Gesellschaft : Kontaktbörse Pétanque

vom

Ein Abend in Paris. Am Bassin de la Villette, im 19. Bezirk, herrscht reges Treiben. Kinder, Jugendliche und Erwachsene stehen in kleinen Gruppen zusammen.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2013 | 08:07 Uhr

Unter die leger gekleidete Menge mischen sich Männer in Anzügen und Frauen in schicken Kleidern und High Heels. Viele hier halten glänzende Metallkugeln in der Hand, etwas kleiner als Tennisbälle - es wird Pétanque gespielt.

Pierre-Yves Corre ist einer der Spieler. Mit seinem Fuß zieht er einen kleinen Kreis auf dem sandigen Boden, stellt sich hinein, und wirft eine Kugel durch die Luft. «Ziel ist, so nah wie möglich an den Cochonnet zu kommen.» Er deutet auf eine deutlich kleinere Kugel, die etwa sieben Meter entfernt auf der Erde liegt. Dort müssen beide Teams ihre Kugeln so nahe wie möglich heranbringen.

In Frankreich hat das Spiel Tradition. In Deutschland wird es oft mit Boule - dem Oberbegriff für Kugelsportarten - verwechselt, während Pétanque lediglich eine Version ist. Auch hierzulande sind solche Kugelsportarten bekannt, spätestens seit der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer in den Wochenschauen beim Boccia-Spielen im Italienurlaub zu sehen war.

Der Vorgänger «Jeu Provençal» stammt aus der Antike. Die heutige Pétanque-Version wurde 1907 erfunden. «Ein leidenschaftlicher Spieler konnte wegen seines Alters nicht mehr den nötigen Anlauf nehmen. Seine Freunde erfanden ein Spiel ohne Anlauf und auf kürzere Entfernung», erklärt Jean-Paul Izar, der den Sport an der Elite-Uni Sciences Po unterrichtet. «Anders als beim Jeu Provençal werfen die Spieler hier nicht mit einem Fuß in der Luft, sondern mit beiden Beinen am Boden.»

Vom mundartlichen südfranzösischen «Pè tanca» (Füße am Boden) stammt der Name. «Pétanque ist gerade etwas trendy», erzählt Miriam Tirler. Die 36-Jährige arbeitet in der Szene-Bar de l'Ourcq, die Kugeln kostenlos verleiht. «Wir haben andauernd neue Kunden, vor allem junge Leute. Manche kommen direkt nach der Arbeit für eine Runde Pétanque vorbei, andere organisieren Turniere und feiern so ihren Geburtstag.»

Auch in Deutschland ist Pétanque beliebt. Der deutsche Pétanque Verband schätzt die Zahl der Freizeitspieler auf etwa eine Million. In Frankreich wachsen viele mit dem Spiel auf. Auch Pierre-Yves Corre hat zum ersten Mal als kleiner Junge mit seinen Großeltern gespielt. Seit vier Jahren kommt er nun regelmäßig ans Bassin de la Villette.

Hier mischen sich beim Spielen jung und alt, Frauen und Männer. «Das ist das Großartige an Pétanque, jeder kann mitspielen», sagt der 26-Jährige Christophe Dufour. «Eine tolle Aktivität unter Freunden. Anstatt nur was zu trinken oder zusammenzusitzen trifft man sich auf eine Partie», sagt Anais Aliric.

Oft wird das Spiel so zur Kontaktbörse. «Man kommt leicht mit anderen ins Gespräch, spielt gemeinsam und trifft sich auch danach immer wieder», sagt der 30 Jahre alte Informatiker Diego Valentirra.

«Der Sport ist nicht besonders aufwendig. Man kann jederzeit eine kleine Runde spielen», sagt Pétanque-Lehrer Izar. Die Zahl der Pétanque-Vereinsspieler geht allerdings zurück. «Ernsthaft betreiben den Sport nur wenige Junge», bedauert Izar. Clubmitglieder seien im Schnitt zwischen 50 und 60 Jahre alt. Für die meisten bleibt das Spiel ein nettes Hobby.

Deutscher Pétanque Verband

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