zur Navigation springen

Der eigene Geruch : Körperhygiene im Alter

vom

Senioren riechen anders. Oft sind Krankheiten oder Medikamente schuld. Unangenehm auffallen müssen sie deshalb aber noch lange nicht.

Er riecht alt. Wann immer die 41-jährige Frau ihren Vater zur Begrüßung umarmt, ist das ihr erster Gedanke. Sie hat recht, und ihr Vater ist keine Ausnahme: Der Körpergeruch verändert sich im Laufe des Lebens, alte Menschen riechen anders als junge. "Früher hat man das nur vermutet, nach einer Studie weiß man es nun", sagt Prof. Jessica Freiherr, Geruchsforscherin am Universitätsklinikum Aachen.

Bei dieser Studie in Philadelphia, die vergangenes Jahr veröffentlicht wurde, erkannten junge Probanden den Geruch von alten Menschen eindeutig. Und es gab eine Überraschung: Der "alte" Geruch wurde im Vergleich zu den Ausdünstungen von jungen und mittelalten Menschen als am angenehmsten und wenigsten intensiv beschrieben. Dass die Probanden in der amerikanischen Studie die Gerüche von alten Menschen als angenehm empfunden haben, liegt nach Meinung der Geruchsforscherin Freiherr an ihrer neutralen Einstellung: Sie wussten nicht, was sie riechen. "Wäre ihnen gesagt worden, das ist der Schweiß von alten Menschen, wäre die Bewertung sicherlich anders ausgefallen."

Ältere Menschen empfinden ihren Geruch anders

Der Körpergeruch entsteht durch die Arbeit der Bakterien, wenn sie die Bestandteile des Schweißes zersetzen. Dieser besteht zu 99 Prozent aus Wasser, das verdunstet. Der Rest setzt sich zum Beispiel aus Harnstoffen, Harnsäure, Zucker und Ammoniak zusammen. Die Bakterien fühlen sich vor allem da wohl, wo es warm und feucht ist - also etwa in den Achselhöhlen und an Fußsohlen, die in Schuhen luftdicht verpackt sind. Sie finden dort so viel Nahrung, dass sie sich rasant vermehren - bis es irgendwann stinkt. Manche ältere Menschen riechen weniger intensiv als in jungen Jahren. Denn die Hormone werden weniger, die Haut hat weniger Fett und Schutzstoffe, die Sekrete der Drüsen verändern sich.

Für intensiven Körpergeruch gibt es - nicht nur im Alter - mehrere Gründe. Mangelnde Hygiene, Alkohol, Nikotin, bestimmte Lebensmittel und Übergewicht wirken sich immer negativ auf den Geruch aus. "Ein weiterer Grund sind Krankheiten, die im Alter eben häufiger auftreten", erklärt der Hautarzt Heiko Grimme aus Stuttgart. Weiterhin nehmen ältere Menschen häufiger Medikamente ein, die den Geruch verändern. Hinzu kommen die Hautfalten. Auch in diesen feucht-warmen Stellen fühlen sich die Bakterien wohl. Hinzu kommt noch der Geruchssinn, der etwa ab einem Alter von 55 Jahren langsam schlechter wird: Ältere Menschen können also schwerer als jüngere ihren eigenen Körpergeruch wahrnehmen.

Ein offenes Wort kann helfen

Der Hautarzt rät Senioren, bei diesem Thema auf jeden Fall sensibel zu sein und auf gute Körperhygiene zu achten. "Man darf sich nicht vernachlässigen." Die Geruchsforscherin Freiherr empfiehlt bei einem intensiven Körpergeruch, weite Kleidung aus Baumwolle oder anderen Naturfasern zu tragen. Benutzte Kleidung sollte nicht in den Schrank gelegt, sondern täglich gewaschen werden. Doch was können Personen im Umfeld tun, wenn ihnen Körpergeruch unangenehm auffällt? "Man sollte die älteren Herrschaften immer darauf ansprechen. Es droht sonst Isolierung und soziale Vereinsamung", sagt Christa Roth-Sackenheim, Psychotherapeutin in Andernach.

zur Startseite

von
erstellt am 14.Mär.2013 | 07:29 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen