Defekt oder Verkalkung : Knopfloch für eine neue Herzklappe

Defekte oder verkalkte Herzklappen gehören neben verengten Herzkranzgefäßen zu den häufigsten Ursachen für eine Operation am "offenen" Herzen.

shz.de von
06. April 2011, 04:35 Uhr

Mehr als 25.000 Patienten werden in Deutschland jährlich mit einer neuen Herzklappe versorgt. "Wir haben vier bis fünf Klappeneingriffe in der Woche", berichtet Professor Dr. Georg Lutter von der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie und Leiter des Lehrstuhls für Experimentelle Herzchirurgie und Herzklappenersatz am Universitätsklinikum in Kiel.
Was für den Herzchirurgen Routine ist, ist für den Patienten ein belastender Eingriff. Der Brustkorb wird geöffnet, das Herz ruhig gestellt, der Blutkreislauf über eine Herz-Lungen-Maschine aufrecht erhalten. Vor allem für Risikopatienten - sehr alte und geschwächte, neben- oder vorerkrankte Patienten - kann ein solcher Eingriff ein erhöhtes Risiko darstellen.
Kleiner Schnitt an der Leiste
Eine Alternative zu der großen Herzklappen-OP am offenen Herzen ist eine minimal-invasive Methode, die "Knopflochchirurgie", bei der durch einen kleinen Schnitt in der Leiste oder am Brustkorb ein Katheter durch die Arterie zum Herzen geführt wird. Am Herzen kann der Operateur dann röntgen- und ultraschallkontrolliert die verkalkte Herzklappe durch eine neue ersetzen.
Die kathetergesteuerte Herzoperation hat jedoch auch Nachteile: Während der Katheter durch die Arterie zum Herzen geführt wird, können sich minimale Kalkpartikel von der Gefäßwand lösen, die vom Blutkreislauf bis in das Gehirn transportiert werden. Bei über 80 Prozent der Patienten lassen sich in der Kernspintomografie dort Veränderungen nach der Operation nachweisen, gibt Professor Dr. Haverich, Herzchirurg an der Medizinischen Hochschule in Hannover, zu bedenken. Außerdem seien die Langzeitergebnisse - vor allem was die Dichtigkeit der mit dem Katheter platzierten Ersatzklappen anbelangt - bei der herkömmlichen Herzoperation deutlich besser. Den aktuellen Studien zufolge ist jede dritte dieser Klappen undicht. Doch für schwerkranke oder sehr alte Patienten ist das kathetergestützte Verfahren ein Meilenstein in der Behandlung von Herzerkrankungen. Das renommierte Forschungsteam um Prof. Lutter hat daran keinen geringen Anteil. Es arbeitet an weiteren Verfahren zu schonenden Operationsformen und erhielt dafür vor kurzem den Europäischen Wissenschaftspreis.

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