Anzeige: Klinikum Nordfriesland : Die Bauchspeicheldrüse: Aufgaben – Erkrankungen - Behandlungsmöglichkeiten

Dr. Saß (oben) und Dr. Niemann gemeinsam bei der Vorbereitung einer Bauchspeicheldrüsen-OP im Schaltraum des Computertomographen der Klinik Husum.

Dr. Saß (oben) und Dr. Niemann gemeinsam bei der Vorbereitung einer Bauchspeicheldrüsen-OP im Schaltraum des Computertomographen der Klinik Husum.

Dr. Niemann und Dr. Saß von der Klinik Husum sprechen im Interview über das kleine, aber lebenswichtige Organ.

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24. Juli 2021, 00:01 Uhr

Husum | Die Bauchspeicheldrüse ist ein 14 bis 18 cm langes Organ, das sich hinter dem Magen befindet. Sowohl in der Hormonproduktion als auch in der Produktion von Verdauungsenzymen spielt sie eine wichtige Rolle. Die große Bedeutung dieses Organs wird dem Betroffenen erst dann bewusst, wenn eine Funktionsstörung auftritt.

Das Organ, seine Aufgaben, seine Erkrankungen und passenden Behandlungsmöglichkeiten werden im Folgenden in einem Interview mit Dr. Nils-Lennart Saß, Chefarzt der Inneren Medizin der Klinik Husum, und Dr. Ulf Niemann, Chefarzt für Allgemein-, Schilddrüsen- und Viszeralchirurgie der Klinik Husum, erläutert. Beide Ärzte und ihre Teams arbeiten bei der Versorgung von Erkrankungen im Bauchraum sehr eng zusammen.

Eine OP geht in aller Regel eine spezielle Spiegelung des Zwölffingerdarms voraus: Auf dem Endoskop sitzt ein kleiner Ultraschallkopf der aus unmittelbarer Nähe die Gewebestrukturen der Bauchspeicheldrüse sichtbar macht.
Klaus Kasparek

Eine OP geht in aller Regel eine spezielle Spiegelung des Zwölffingerdarms voraus: Auf dem Endoskop sitzt ein kleiner Ultraschallkopf der aus unmittelbarer Nähe die Gewebestrukturen der Bauchspeicheldrüse sichtbar macht.

 

Im Mittelpunkt des heutigen Interviews, Herr Dr. Niemann und Herr Dr. Saß, soll ein kleines Organ stehen, das vielfältige Aufgaben im Organismus des Menschen übernimmt: die Bauchspeicheldrüse. Was macht aus Ihrer Sicht die Bauchspeicheldrüse zu einem so besonderen und beachtenswerten Organ?

Dr. Saß: Die Drüse hat insbesondere zwei lebensnotwendige Aufgaben: Zum einen werden von ihr gebildete Verdauungssekrete in den Zwölffingerdarm abgegeben, ohne die eine Spaltung der Nahrung in Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette nicht möglich wäre. Zum anderen werden Hormone gebildet, allen voran das Insulin, das den Kohlenhydratstoffwechsel und den Blutzuckerspiegel reguliert.

Welche Arten von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen gibt es eigentlich?

Dr. Niemann: Bei den Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wird zwischen den gutartigen und bösartigen Erkrankungen, also Krebserkrankungen, unterschieden. Des Weiteren kann die Bauchspeicheldrüse bei Unfällen, zum Beispiel einem stumpfen Bauchtrauma, verletzt werden.

Lassen sie uns vielleicht zunächst über die gutartigen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse sprechen. Was versteht man darunter genau? Wer kann von dieser Erkrankung betroffen sein?

Dr. Niemann: Zu den gutartigen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse gehören zum Beispiel die Entzündungen des Organs. Diese können akut, aber auch chronisch auftreten und zu erheblichen Problemen bei den betroffenen Patienten führen. Des Weiteren gibt es gutartige Tumore in der Bauchspeicheldrüse.

Woran merkt der Patient, dass eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse vorliegt?

Dr. Niemann: Entzündungen des Organs machen sich fast immer durch Schmerzen im Oberbauch bemerkbar. Auslösende Ursache kann zum Beispiel ein übermäßiger Alkoholgenuss sein. Bei langjährigem, übermäßigem Alkoholkonsum ist die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung eine häufige Erkrankung.

Die gutartigen Tumoren der Bauchspeicheldrüse fallen zumeist als Zufallsbefund im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung oder einer Computertomographie auf.

Entzündungen der Bauchspeicheldrüse können zum Beispiel auch durch Gallensteine verursacht werden. Der Gallengang und das Gangsystem der Bauchspeicheldrüse besitzen eine gemeinsame Mündungsregion im Zwölffingerdarm. Ein Gallenstein kann in diesem Bereich den Gang der Bauchspeicheldrüse gewissermaßen „verstopfen“. Es kommt dann zu einer Abflussstörung des Bauchspeicheldrüsensekretes mit nachfolgender Entzündung.

Dr. Niemann beim obligatorischen Säubern und Desinfizieren der Hände und Unterarme, bevor es in den OP geht: dann mit Atemschutzmaske und sterilen Handschuhen.
Klaus Kasparek

Dr. Niemann beim obligatorischen Säubern und Desinfizieren der Hände und Unterarme, bevor es in den OP geht: dann mit Atemschutzmaske und sterilen Handschuhen.

 

Wie wird eine derartige Erkrankung behandelt?

Dr. Saß: Die Entzündung klingt glücklicherweise zumeist von selbst wieder ab. Die zugrundeliegende Ursache, also der oder die Gallensteine werden durch Ultraschall- und / oder Kernspinuntersuchungen festgestellt. Aus dem Gallengang werden die Gallensteine endoskopisch (über einen der Magenspiegelung ähnlichen Zugangsweg) entfernt.

Dr. Niemann: Chirurgischerseits muss die Gallenblase dann zeitversetzt insgesamt entfernt werden, damit das Problem nicht erneut auftreten kann.

Im Gegensatz zu den gutartigen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse stehen die sogenannten bösartigen Erkrankungen des Organs – besser bekannt als Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Dr. Saß: Ja, leider ist dieser Tumor nicht ganz selten. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen vorangegangene Entzündungen des Organs, übermäßiger Alkoholkonsum und Tabakrauchen. Viele der Tumoren wachsen aggressiv und bilden früh Tochtergeschwülste.

Welche Symptome hat ein Patient mit einer Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse?

Dr. Saß: Frühe Zeichen sind leider meist uncharakteristisch: Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust können auch ganz andere Ursachen haben. Alarmzeichen sind nachts an Stärke zunehmende Schmerzen, die in den Rücken ausstrahlen, und eine zunehmende Gelbsucht, die oft auch zunächst ohne Schmerzen auftreten kann.

Welche apparativen Untersuchungen müssen durchgeführt werden, Herr Dr. Saß, um die Diagnose stellen zu können?

Dr. Saß: Die vielen Patienten geläufige konventionelle Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane wird ergänzt durch eine spezielle Untersuchung, bei der - wie bei einer Magenspiegelung - ein Endoskop in den Zwölffingerdarm eingeführt wird. An der Spitze des Endoskops sitzt ein miniaturisierter Schallkopf, der dann aus der unmittelbaren Nähe zur Bauchspeicheldrüse Ultraschallbilder übermittelt. So ist eine noch bessere Feinbeurteilung der Organstrukturen möglich. Zusätzlich kommen Computer- und Kernspinuntersuchungen zum Einsatz, insbesondere auch zur Festlegung der Tumorausdehnung und zum Nachweis von Tochtergeschwülsten.  

Die Gewebestrukturen der Pankreas sind so fein, dass eine spezielle Lupenbrille bei der Operation erforderlich ist.
Klaus Kasparek

Die Gewebestrukturen der Pankreas sind so fein, dass eine spezielle Lupenbrille bei der Operation erforderlich ist.

 

Können diese Untersuchungen an der Klinik Husum durchgeführt werden?

Dr. Saß: Ja, uns stehen alle notwendigen apparativen Einrichtungen und Geräte neuester Generation zur Verfügung. Zudem verfügen alle beteiligten Ärzte und auch die Kollegen im Funktions- und Pflegedienst über eine ausgesprochene Expertise in der Diagnostik und in der Behandlung dieser Erkrankungen.

Nachdem die Diagnose des Bauchspeicheldrüsenkrebses gestellt ist - wie geht es für den Patienten dann weiter?

Dr. Saß: Sobald die notwendigen Untersuchungen abgeschlossen sind, werden die Befunde in einer fachabteilungsübergreifenden Tumorkonferenz diskutiert. An dieser Konferenz nehmen regelmäßig Internisten, Chirurgen, Radiologen, Pathologen, Onkologen und Strahlenmediziner teil. Dabei wird dann der für den Patienten bestmögliche Behandlungsvorschlag erarbeitet und festgelegt, ob eine operative oder medikamentöse oder auch eine kombinierte Therapie den besten Heilungserfolg verspricht.

Dr. Niemann: Ja, das ist richtig. Ganz entscheidend für den Behandlungserfolg dieser Tumorerkrankung ist eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen den Fachgebieten, die wir in der Klinik Husum sehr gut entwickelt haben. Weiterer Partner ist das radiologische Zentrum unserer Klinik.

Die Operation an der Bauchspeicheldrüse selbst, Herr Dr. Niemann, ist also ein größerer operativer Eingriff?

Dr. Niemann: Tumoroperationen an der Bauchspeicheldrüse sind große operative Eingriffe, die viel Erfahrung und klinische Routine erfordern. Die Bauchspeicheldrüse liegt tief im Inneren des menschlichen Körpers und ist von etlichen anatomischen Strukturen umgeben, die bei der Operation teilweise mit entfernt, teilweise aber auch geschont werden müssen. Entscheidend für den Operationserfolg ist, dass der Tumor ganz entfernt werden kann und dass kein Tumorgewebe im Körper des Patienten zurück bleibt.

Wie lange dauert eine Bauchspeicheldrüsenoperation? Werden diesen Operationen im Klinikum Husum durchgeführt?

Dr. Niemann: Die Operationsdauer hängt vom Ausmaß der Erkrankung und von weiteren Faktoren ab. Im Allgemeinen nehmen diese Operationen ca. 2-4 Stunden in Anspruch. Nach der Operation schließt sich dann ein Aufenthalt auf der Intensivstation an, der durchaus mehrere Tage dauern  kann. In der Klinik Husum führen wir diese Operationen mit hoher Expertise durch.

Dr. Saß: Wir sind froh, am Klinikum Nordfriesland personell, organisatorisch und apparativ sehr gut aufgestellt zu sein, um auch die verschiedenen Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, die sich häufig nur mit uncharakteristischen und vieldeutigen Symptomen bemerkbar machen, zügig und bestmöglich zu diagnostizieren und zu behandeln. Die gute interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Fachbereiche und eine Organisationsstruktur der kurzen Wege sind hier besonders hervorzuheben.

Herr Dr. Niemann, Herr Dr. Saß, vielen Dank für das Gespräch.

Eine Kontaktaufnahme mit beiden Ärzten ist unter Tel. 04841 660-1256 (Dr. Saß) und Tel. 04841 660-1270 (Dr. Niemann) möglich. Weitere Informationen sind unter www.klinikum-nf.de erhältlich.

Mehr Informationen zum Klinikum Nordfriesland finden Sie unter shz.de/klinikum-nf.

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