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Formulierungshilfe : Klare Wünsche für den Krankheitsfall

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Was bei der Formulierung einer Patientenverfügung wichtig ist.

shz.de von
erstellt am 04.Jan.2010 | 05:44 Uhr

Die letzten Lebensmonate an Apparate angeschlossen im Wachkoma zu verbringen, ist für viele Menschen eine schlimme Vorstellung. Damit Ärzte in einem solchen Fall genauso handeln können, wie der Patient es wünscht, gibt es Patientenverfügungen. Seit dem 1. September 2009 ist deren Verbindlichkeit in Deutschland erstmals gesetzlich geregelt. Die Berliner Rechtsanwältin Andrea Thum erklärt, was dabei zu beachten ist.
Für wen ist eine Patientenverfügung sinnvoll?
Jeder - ob jung oder alt - kann durch Unfall oder Krankheit plötzlich nicht mehr in der Lage sein, seinen Willen zu äußern. Das Patientenverfügungs gesetz gibt Volljährigen die Möglichkeit, im Voraus verbindlich zu bestimmen, welche Behandlungen geleistet oder unterlassen werden sollen, wenn sie ihre Wünsche nicht mehr äußern können.
Was hat sich mit dem neuen Gesetz geändert?
Nach langjähriger kontroverser Diskussion hat der Gesetzgeber nun eine schriftliche Festlegung für verbindlich erklärt, in der für eine bestimmte Lebens- und Behandlungssituation bestimmte medizinische Maßnahmen gefordert oder untersagt werden. Es ist nicht - wie früher oft verlangt - erforderlich, dass im Vorfeld eine ärztliche Aufklärung erfolgt oder die Verfügung in bestimmten Zeitabständen bestätigt wird. Das Gesetz stellt auch klar, dass die Patientenverfügung unabhängig von Art und Stadium einer Krankheit getroffen werden kann. Zum Beispiel kann verbindlich verfügt werden, dass im Fall eines Wachkomas oder einer Demenz eine künstliche Ernährung unterbleiben soll.
Worauf muss ich bei der Formulierung meiner Wünsche achten?
Es muss unmissverständlich erkennbar sein, in welcher konkreten Situation Sie welche Behandlungen wünschen oder nicht wünschen. Formulierungen wie "Ich möchte nicht an Apparate angeschlossen werden" sind hier zu ungenau. Bei Verwendung der vielfach in Umlauf befindlichen Formulare ist Vorsicht geboten, da leicht Unklarheiten entstehen können. Es empfiehlt sich deshalb, eine medizinische und juristische Beratung einzuholen. Die Patientenverfügung sollte regelmäßig auf Ihre Aktualität hin überprüft werden.
Welche Formalitäten sind wichtig?
Die Verfügung muss schriftlich verfasst sein. Der Betreffende muss persönlich unterzeichnen oder sein Handzeichen notariell beglaubigt werden.
Was ist, wenn der Arzt anderer Meinung ist als die Angehörigen?
Zunächst ist zu betonen, dass auch nahe Angehörige hier nicht ohne Weiteres befugt sind, Entscheidungen zu treffen. Dies darf nur der durch eine Vorsorgevollmacht legitimierte Vertreter oder der gerichtlich bestellte Betreuer. Sind sich Arzt und Vertreter/Betreuer uneinig, entscheidet das Betreuungsgericht.

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