Städtewettbewerb : Kampf um jedes Kilo

„Wir werden gewinnen“: Das Team Flensburg um Trainer Stephan Kordts (vorn, Mitte) will in drei Monaten Gewicht verlieren – und gegen acht andere Mannschaften gewinnen.
1 von 2
„Wir werden gewinnen“: Das Team Flensburg um Trainer Stephan Kordts (vorn, Mitte) will in drei Monaten Gewicht verlieren – und gegen acht andere Mannschaften gewinnen.

Wer nimmt am meisten ab? 20 Bewerber beim Casting für den Städtewettbewerb – doch nur zehn Kandidaten kamen durch

Avatar_shz von
22. Dezember 2014, 15:30 Uhr

Der Geist von Winston Churchill weht durch den 13. Stock. Sein berühmtes Foto mit der Victory-Geste, das Stadtsprecherin Kathrin Ove herausfordernd in die Höhe hält, soll zweierlei bewirken. Einen Motivationsschub, ganz klar, aber es ist auch als Abschreckung gedacht. Bekanntlich war der Ex-Premier („no sports!“) kein Kostverächter und der Fleisch gewordene Gegenentwurf zum grassierenden Schlankheitswahn. Immerhin wurde er 90 Jahre alt.

20 Kandidaten aller Gewichtsklassen haben sich hoch oben im Rathaus versammelt. Mit dem Fahrstuhl, versteht sich. Etwas scheu noch und unkommunikativ. Verständlich angesichts der Tatsache, dass sie allesamt von einem Ziel getrieben sind, das nicht jeder gern öffentlich macht: Sie wollen abnehmen. Sich fit halten, bewusster leben, gesünder essen, das auch. Primär aber geht es um den ersehnten Gewichtsverlust. „Das ist die Chance meines Lebens“, ruft plötzlich ein Bewerber. Das bricht das Eis.

Bei dem landesweiten, vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) initiierten Städtewettbewerb geht es darum, welcher Ort nach drei Monaten die meisten Pfunde hat purzeln lassen. Neben Flensburg, für das Bürgermeister Henning Brüggemann die Schirmherrschaft übernommen hat, treten an: Husum, Schleswig, Rendsburg, Neumünster, Pinneberg, Itzehoe und Glücksstadt. Start ist am 5. Januar mit einem Herz-Kreislauf-Training und Dehnübungen; dem Team, erläutert Kirsa Schnegas, wird ein wissenschaftlich fundiertes Online-Fitnessprogramm an die Hand gegeben. Es gehe darum, durchzuhalten, gibt die Projektkoordinatorin den Kandidaten auf den Weg. „Es werden Ihre härtesten drei Monate.“ Ausreden werden nicht geduldet. „Und wehe, jemand bricht ab“, droht Kirsa Schnegas. Um sanfter hinzuzufügen: „Es geht hier um eine kleine Veränderung für ein neues Leben.“ Und Trainer Stephan Kordts fügt hinzu: „Ich werde alles dafür tun, dass Flensburg als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgeht.“ Keine Frage, das wird er auch von seinen Schützlingen verlangen. Als kleinen Vorgeschmack demonstriert er schon mal die perfekte Kniebeuge – und alle machen mit.

Dann wird es spannend. Das Casting beginnt. Im kurzen Check werden die Abnehmwilligen befragt – nach sportlichen Aktivitäten, Naschtechniken, Ess- und Trinkgewohnheiten. Sabine Geis tritt an, 90 Kilogramm schwer. Seit ihrer Kindheit schon, beichtet die 20-jährige, versucht sie, die Pfunde purzeln zu lassen. Oder der gleichaltrige Peer Lucas Sommer, der schon von 120 auf 85 Kilo abgespeckt hat, „aber noch nicht genug“. Nun will der Schüler den Kindern einer von ihm trainierten Segelgruppe beweisen, „dass ich schaffe, was ich mir vorgenommen habe“. Doch dazu kommt es nicht. Ebenso wie Sabine Geis bleibt ihm der Sprung ins Team Flensburg verwehrt. Im Gegensatz zu Doris Bonna-Buder, Sekretärin von OB Simon Faber. Nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag fehle es ihr an Energie zur körperlichen Ertüchtigung, sagt die 55-Jährige, die früher gern ruderte. „Nun will ich neuen Schwung holen, ich will es nochmal wissen!“

Nicht zu vergessen: Auch Henning Brüggemann, 2,05 Meter groß, rank und schlank, muss auf die Waage und in den Wettbewerb. Ob er viele Pfunde für Flensburg holen wird, darf bezweifelt werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen


Nachrichtenticker