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Probleme bei Motorik und Sprache : Jedes vierte Kind patzt beim Einschulungstest

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Ärzte sind besorgt: Viele Kinder zeigen starke Auffälligkeiten bei Sprache, Motorik, Verhalten und Gewicht. Flensburg attestiert mehr als 40 Prozent der Jungen Förderbedarf.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2013 | 09:36 Uhr

Kiel | In Schleswig-Holstein zeigen fast 25 Prozent aller Vorschulkinder bereits in den ersten sechs Lebensjahren Auffälligkeiten beim Körpergewicht, der Motorik, Sprache oder beim Verhalten. Sie sind deshalb in Behandlung beim Logopäden, Physio- oder Ergotherapeuten oder erhalten eine Förderung im Bereich der Heilpädagogik. Dennoch stellten die Ärzte bei den Schuleingangsuntersuchungen für das laufende Schuljahr bei 21 Prozent aller ABC-Schützen noch Verhaltensauffälligkeiten fest, bei 13,8 Prozent Sprachauffälligkeiten, 14 Prozent hatten motorische Probleme und jedes zehnte Kind war zu dick.
Alarmierende Ergebnisse. Dennoch bleibt die Lübecker Uni-Professorin für Kinder- und Jugendmedizin, Ute Thyen, die seit Jahren die Statistik bei den Schuleingangstests im Norden analysiert, zuversichtlich. "Die Lage hat sich gegenüber der letzten Untersuchung nicht verschlechtert", sagte sie am Montag dem sh:z. Es gebe sogar "einen hauchdünnen Hinweis, dass die Präventionsprogramme greifen". So seien bei der Untersuchungen weniger übergewichtige Kinder aufgefallen als zuvor. Und die Zahl der Schulanfänger mit motorischen Auffälligkeiten sei von 16,7 Prozent im Schuljahr 2010/2011 auf jetzt 14 Prozent zurückgegangen.

Viele Jungen mit Förderbedarf in Flensburg


Der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen ist dabei gravierend. Beim Hüpfen und bei Balanciertest fielen 20 Prozent der Jungen, aber nur 7,6 Prozent der Mädchen durch. Bei jedem dritten im letzten Jahr eingeschulten Kind waren die motorischen Probleme so gravierend, dass niedergelassene Kinderärzte eine Therapie beim Ergo- oder Physiotherapeuten rezeptiert hatten.
Zudem gibt es auch starke regionale Unterschiede. In Flensburg liegt der Anteil der Jungen, die mit Förderbedarf eingeschult werden, bei 43,6 Prozent. In Lübeck sind es nur 8,8 Prozent. Zwar werden laut Thyen die Eingangstests unterschiedlich durchgeführt. Doch das allein erkläre die Unterschiede nicht. "Wir haben es mit einer extrem unterschiedlichen Handhabung des Schulgesetzes zu tun", so Thyens Diagnose. So gehe man in Lübeck offenbar davon aus, dass die Schule so gut ausgestattet ist, dass auffälligen Kindern mit Bordmitteln geholfen werden kann.
In Flensburg hingegen arbeite man hoch engagiert und habe eine andere Problemlösungskultur. Dort werde jede Auffälligkeit sorgfältig dokumentiert und nicht auf die Kosten geschaut. Wichtig sei es, durch "noch präziseres Hinsehen in Kita und Schule" dafür sorgen, dass Präventionsmaßnahmen gezielt den Kindern zugute kommen, die es nötig haben. Und das sind vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien und solchen mit Migrationshintergrund.
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