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Reha-Tag : Jedes fünfte Kind ist chronisch krank

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zum Reha-Tag am 28. September appellieren Experten, chronische Erkrankungen von Kindern frühzeitig zu behandeln

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2013 | 11:03 Uhr

Seit vielen Jahren leidet Nele (15) unter ihrem Übergewicht. Nach etlichen vergeblichen Abnehmversuchen hat sie sich entschlossen, eine Reha in der Fachklinik Sylt durchzuführen. „Ich konnte es nicht mehr aushalten immer dicker zu werden, meine Klassenkameraden haben mich gehänselt und aus Frust habe ich immer mehr gegessen“, berichtet Nele. Auf den Erfolg ist sie stolz: „5,7 Kilo weniger in sechs Wochen, und es war einfacher als ich dachte.“

Wegen ihres Asthma bronchiale riet die Kinderärztin von Annika (5) und Emilia (3) der Familie dringend zu einer Reha-Maßnahme. Zusammen mit der Mutter ging es in die Fachklinik Satteldüne auf Amrum. „Durch die Reha bin ich deutlich sicherer im Umgang mit der Erkrankung und weiß, wie ich die Medikamente im Notfall anwenden muss“, berichtet die Mutter. „Zuhause werde ich mich bei unserer Kinderärztin bedanken und anderen Betroffenen zu einer Reha-Maßnahme raten.“

„Chronische Erkrankungen wie Asthma bronchiale, Neurodermitis, Adipositas und Übergewicht oder psychosomatische Erkrankungen haben bei Kindern in den letzten Jahren deutlich zugenommen“, weiß Dethlef Banthin, Sprecher des Berufsverbandes für Kinder und Jugendärzte in Schleswig-Holstein. 22 Prozent aller Kinder und Jugendlichen, bundesweit also etwa 3,2 Millionen, leiden an einer chronischen Erkrankung. Privatdozent Dr. Tobias Ankermann von der Universitätskinderklinik Kiel: „Besonders häufig treten allergische Erkrankungen wie Asthma bronchiale, allergische Rhinokonjunktivitis, also Heuschnupfen, sowie Neurodermitis auf. Auch wenn die ambulante Versorgung in den letzten Jahren wesentlich besser geworden ist, ist eine begleitende Reha-Behandlung oft sinnvoll.“

Trotzdem gibt es bei den Anträgen auf Kinder-Rehabilitation einen Rückgang, wie die Geschäftsführerin der Deutschen Rentenversicherung Nord, Dr. Ingrid Künzler, berichtet. „Als Rentenversicherung sind wir an einer guten Behandlung der Betroffenen interessiert, damit diese einen guten Schulabschluss und später eine unbeeinträchtigte Erwerbsfähigkeit erreichen.“ Sie appelliert an alle Familien mit chronisch kranken Kindern und deren Ärzte, Reha-Anträge zu stellen, wenn die ambulante Behandlung nicht ausreichend ist.

Das Thema wurde auch bei einem „Runden Tisch“ im Sozialministerium erörtert: Gesundheitsministerin Kristin Alheit verweist auf die große Bedeutung der Rehabilitation: „Gerade für chronisch kranke Kinder und Jugendliche ist es wichtig, frühzeitig die Weichen zu stellen, damit sie möglichst unbeeinträchtigt an einem normalen Leben teilhaben können“. Dabei können etliche hochspezialisierte Fachkliniken in Schleswig-Holstein helfen. Diese wollen sich künftig noch besser mit niedergelassenen Ärzten, Jugendhilfe, Kitas und Schulen vernetzen, um den Betroffenen notwendige Hilfe leichter zugänglich zu machen.

Und was passiert während einer Kinder- und Jugend-Reha? „Zunächst geht es darum, die Beschwerden der Patienten zu lindern“, erläutert Dr. Rainer Stachow, Ärztlicher Direktor der Fachklinik Sylt. Bei den Atemwegserkrankungen etwa sind es Atemnot oder chronischer Husten, bei Hauterkrankungen die entzündeten Hautstellen und der Juckreiz, bei Adipositas das Übergewicht und bei Diabetes die erhöhten Blutzuckerwerte. Dann geht es darum, die Betroffenen, gegebenenfalls mit ihren Eltern, darin zu unterstützen einen guten Umgang mit der Erkrankung zu lernen.

Dazu gibt es in allen Reha-Kliniken spezielle Gesundheitsschulungen. Die Leistungsfähigkeit wird durch Sport- und Bewegungsangebote erhöht. Psychologische oder sozialpädagogische Betreuung, Ernährungsberatung und andere Angebote runden die Rehakonzepte ab. Dazu gehört auch Schulunterricht, damit die Kinder möglichst nichts versäumen.

„Für die typischen Reha-Diagnosen sind nachhaltige Erfolge bis zu drei Jahre nach Ende der Maßnahme belegt“, berichtet Dr. Christian Falkenberg, Ärztlicher Direktor der Fachklinik Satteldüne. Die Rehabilitation sei oftmals die letzte Hoffnung und fast immer ein guter Impuls für den weiteren Lebensweg.

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