Grippe-Impfung : "Jeder sollte sich gegen Grippe impfen"

Herbstzeit ist Impfzeit - doch in Schleswig-Holstein steht zurzeit kein Impfstoff zur Verfügung. Foto: ddp
Herbstzeit ist Impfzeit - doch in Schleswig-Holstein steht zurzeit kein Impfstoff zur Verfügung. Foto: ddp

Dr. Anne Marcic, Referentin für Infektionsschutz, empfiehlt die Impfung auch Nicht-Risiko-Gruppen. Nur etwa 20 Prozent des klinischen Personals nutzen das Angebot bisher.

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28. September 2012, 11:24 Uhr

Kiel | Die Grippesaison steht vor der Tür. Mal ist der Verlauf unproblematisch, mal aber auch lebensbedrohlich. Daher spricht sich Dr. Anne Marcic, Referentin für Infektionsschutz im schleswig-holsteinischen Gesundheitsministerium, für eine flächendeckende Impfung aus.
Frau Dr. Marcic, wann ist der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung?
Der optimale Zeitpunkt ist im Herbst. Die Grippesaison beginnt in der Regel im Dezember bei uns. Damit der Impfstoff rechtzeitig vollständig aufgebaut ist, ist es am besten, sich im Oktober oder November impfen zu lassen.
Wer sollte hauptsächlich die Impfung nutzen?
Nach der Empfehlung der Stiko (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut, Anm. d. Red.) sollten sich alle Personen, die eine chronische Grunderkrankung haben, wie eine Erkrankung der Atmungsorgane, Herzkreislauferkrankungen oder Nierenerkrankungen, Diabetes, chronische neurologische Erkrankungen oder Immundefekte, gegen Grippe impfen lassen. Dabei hat die Stiko im Blick, dass die schweren Krankheitsverläufe, die diese Risikogruppen häufig haben, verhindert werden sollen. Außerdem empfiehlt die Stiko eine Impfung für Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, für Personen mit erhöhter Gefährdung wie medizinisches Personal und Personen in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr.
Was ist mit den Nicht-Risikogruppen?
Die Schwere einer Influenza lässt sich nicht vorhersagen. Es ist auch möglich, dass Nicht-Risikopatienten eine schwere Erkrankung bekommen. Deswegen ist die Grippeimpfung grundsätzlich für alle Menschen sinnvoll, vor allem auch für Personen, die viel Kontakt in der Öffentlichkeit haben. Wichtig ist aber ein anderer Punkt.
Und zwar?
Es sollten sich möglichst viele impfen lassen, um eine Ausbreitung der Influenza gar nicht zuzulassen. Natürlich sollen diejenigen, die einen Risikofaktor haben, geschützt werden, um keinen schweren Erkrankungsverlauf zu bekommen. Wichtig ist aber auch, dass Gruppen geschützt sind, die nicht geimpft werden können, wie zum Beispiel Säuglinge.
Auch für Kinder und Jugendliche?
Da empfiehlt die Stiko nur eine Impfung, wenn es chronisch erkrankte Kinder und Jugendliche sind. Aber man sieht auch in jeder Saison eine relativ starke Betroffenheit bei Kindern und Jugendlichen. Die Influenza verläuft bei denen zwar nicht unbedingt immer schwer, aber oftmals sind junge Menschen stark betroffen, weil sich die Erkrankung in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten leicht ausbreitet. Von dieser Seite her ist es auch sinnvoll, Kinder und Jugendliche impfen zu lassen.
Gibt es bei Kindern andere Nebenwirkungen oder Risiken als bei Erwachsenen?
Nein, die sind vergleichbar.
Und wie verhält es sich mit Schwangeren?
Gut, dass Sie das erwähnen. Die Stiko empfiehlt die Impfung explizit auch für Schwangere - da diese ebenfalls ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben.
Wie länge hält eine Impfung vor?
Die Influenzaimpfung hält mindestens die Saison lang vor. Sie wird jedes Jahr an die aktuell zirkulierenden Virusstämme angepasst. Das geschieht immer im Frühjahr. Die Weltgesundheitsorganisation WHO beobachtet auf der Südhalbkugel, welche Viren zirkulieren und spricht dann ihre Impfempfehlungen für die Nordhalbkugel aus. Das kommt auch in der Regel hin. Jetzt stellt sich natürlich folgende Frage: Wenn die gleichen Virusstämme zirkulieren wie im Vorjahr, ist dann der Impfstoff vom letzten Jahr noch wirksam oder nicht? Da gibt es eben Studien, die sagen, dass der Impfschutz nachlässt im Laufe der Zeit und dass es sinnvoll ist, den zu jeder neuen Saison aufzufrischen.
Was sind mögliche Nebenwirkungen einer Influenzaimpfung?
Das sind diejenigen, die bei allen inaktivierten Impfstoffen auftreten können. Als Nebenwirkungen sind Lokalreaktionen zu nennen, also Schmerzen an der Einstichstelle, Rötung, es kann auch zu einer Temperaturerhöhung kommen.
Wie sieht es in Schleswig-Holstein aus? Werden Impfungen stark genutzt oder sind die Norddeutschen Impfmuffel?
Dazu haben wir keine konkreten Zahlen. Es gibt immer mal Erhebungen, wie klinisches Personal die Grippeimpfung in Anspruch nimmt. Da muss man sagen, dass die Zahlen noch nicht zufriedenstellend sind. Immer noch zu wenig medizinisches Personal nutzt das Angebot, da bestehen auf jeden Fall noch Verbesserungsmöglichkeiten. Bundesweit war es in den letzten Jahren in etwa 20 Prozent.
Und wie steht es um die Kosten?
Die Kostenübernahme ist auf jeden Fall für alle von der Stiko empfohlenen Gruppen gesichert. Die Kassen haben in den letzten Jahren zusätzlich immer die Kosten auch für andere übernommen. Aber das ist etwas, was jedes Jahr aufs Neue bewertet wird. Die Kostenübernahme muss mit der Krankenkasse geklärt sein.

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