zur Navigation springen

infektionen : Jeder Schnupfen trainiert die Abwehr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bis zu zwölf Erkältungen im Jahr sind bei Kindergartenkindern normal. Mit Babys und Kleinkindern, die nicht trinken wollen, sollten Eltern schnell zum Arzt gehen.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 10:33 Uhr

Die Angreifer sind unsichtbar – und immer in der Überzahl: Mehr als 200 verschiedene Erreger lösen Erkältungskrankheiten der oberen Atemwege aus, allen voran die Rhinoviren, von denen allein rund 100 Untertypen umherschwirren. Mit Beginn der kühleren Tage haben sie in geschlossenen Räumen wieder leichtes Spiel – vor allem bei Kindern. Weil deren Immunsystem noch nicht so viele Antikörper gebildet hat wie das eines Erwachsenen, infizieren sie sich häufiger – und fungieren in Kindergärten oder bei Tagesmüttern als wahre Virenschleudern: Ein Kind steckt das andere an, beim Sprechen, Spielen, Niesen. „Kinder im Alter zwischen einem und etwa viereinhalb Jahren sind ständig krank, mitunter vier bis fünf Monate im Jahr“, sagt Dr. Michael Dördelmann, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Flensburger Diakonissenanstalt. Bis zu zwölf grippale Infekte pro Jahr seien nichts Ungewöhnliches.

Weil die Ansteckungsgefahr in den ersten Tagen am größten ist, sollten Eltern ihre Kinder, bei Unwohlsein, Schmerzen und Fieber zu Hause lassen. Wenig störender Schnupfen und Husten sind dagegen nicht so schlimm. Das Positive an den nervigen Infekten: Sie sind meist harmlos – und leisten Aufbauarbeit für später. „Jede Erkältung stärkt das Immunsystem, weil der Körper Abwehrkräfte bildet.“ Unterstützt wird die Abwehr durch gesunde Ernährung, Schlaf und Bewegung an der frischen Luft.

Wie bei Erwachsenen gilt: Die Viren lassen sich nicht bekämpfen – nur die Beschwerden lindern. Zumal Kinder meist länger und intensiver unter ihnen leiden: Ihre Atemwege sind kleiner und enger als die von Erwachsenen, und darum hartnäckiger verstopft. Das Wichtigste: viel trinken, „um die Sekrete flüssig zu halten und beim Husten und Naseputzen leichter loszuwerden“. Am besten eignen sich stilles Wasser, Kräuter- oder Früchtetee.

Dampf-Inhalationen oder Nasenspülungen mit einer Wasser-Kochsalz-Lösung können das Atmen erleichtern, lassen sich mit kleinen Kindern oft aber kaum durchführen. Bei Säuglingen hilft Muttermilch gegen eine verstopfte Nase, in hartnäckigeren Fällen – wenn das Baby nicht mehr richtig trinken kann – sind abschwellende Tropfen aus der Apotheke notwendig, die aber nur einige Tage gegeben werden dürfen. „Guten schleimlösenden Effekt“ bei Schnupfen und Husten hätten rezeptfreie Kombinationspräparate mit Thymian- und Efeuextrakten, sagt Dördelmann. Pflanzliche Tees mit Salbei oder Kamille beziehungsweise Thymian und Efeu können Halsschmerzen und Husten lindern. Ein feuchtes Handtuch über Nacht ins Kinderzimmer zu hängen, bringe dagegen eher wenig. „Es ist immer sinnvoller, die Schleimhäute von innen zu befeuchten, also Flüssigkeit zu sich zu nehmen.“

Von sogenannten Hustenblockern sollten Eltern lieber die Finger lassen, rät der Kinderarzt. Schließlich sei es sinnvoll, dass der Körper den infizierten Schleim loszuwerden versucht. Erst, wenn quälender Husten die Nachtruhe „extrem“ störe, solle über deren Einsatz nachgedacht werden. „Die meisten dieser Mittel helfen aber auch nicht gut.“

Schmerz lindernde und Fieber senkende Medikamente sollten bei Erkältungen grundsätzlich nur gegeben werden, wenn das Kind sich „wirklich schlecht fühlt und Schmerzen hat“. Kinderärzte verschreiben in solchen Fällen in der Regel Säfte mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol. Sie sollten aber vor allem verabreicht werden, um das Kind von Schmerzen zu befreien, betont Dördelmann – und nicht, um das Fieber künstlich zu senken. Denn die erhöhte Körpertemperatur sei, wie auch Husten und Schnupfen, eine wichtige Abwehrreaktion des Körpers auf die Krankheitserreger und dürfe darum nicht unterdrückt werden. „Wenn ein Kind mit bis zu 40 Grad hohem Fieber einen zufriedenen Eindruck macht, spielt, isst und trinkt, sind Fieber senkende Mittel nicht notwendig.“

Anders sieht es jedoch bei einem „schlechten Allgemeinzustand“ aus: Ist das Kind schlapp und apathisch, verweigert Getränke und Nahrung, muss gehandelt werden – je jünger das Kind, desto schneller. In solchen Fällen sollten Eltern unbedingt einen Arzt aufsuchen. „Bei einem einjährigen Kind besteht die Gefahr des Austrocknens schon, wenn es einen halben Tag nicht getrunken hat. Dann ist es sinnvoll, ab einer Temperatur von 38,5 Grad einen Fiebersaft geben, um ihm die Schmerzen zu nehmen.“

Ebenfalls wichtig sind Trost, Streicheleinheiten und viel Schlaf. Manche Fiebrige Kinder mögen es, wenn man ihnen die Stirn mit einem feuchten Tuch abtupft. Auch der Klassiker Wadenwickel kann helfen: Zwar nicht gegen das Fieber, das sich durch Kälte von außen nicht beeinflussen lässt. Aber dafür, dass der kleine Patient sich wohler fühlt. Die Umschläge brauchen aber nur feucht und nicht kalt zu sein, rät Dördelmann.

Rund 80 Prozent der Erkältungen bei Kindern liegt eine Virusinfektion zugrunde. Antibiotika helfen in diesen Fällen nicht. Sie werden nur verschrieben, wenn der Verdacht auf eine Bakterienerkrankung besteht, erklärt Dördelmann: bei einer Mittelohr- oder Mandelentzündung sowie einer bakteriellen Lungenentzündung. Manchmal könnten Eltern den Unterschied auch selbst feststellen. „Bei einem Bakterieninfekt wird das Kind plötzlicher und heftiger krank, das Fieber steigt abrupter.“ Auch in diesem Fall sollte man schnell zum Arzt.

Schwerer als ein grippaler Infekt verläuft auch die Grippe (Influenza), die ebenfalls durch Viren ausgelöst wird und vom Arzt durch einen Abstrich festgestellt werden kann. Sie kann zur Entzündung der Bronchien, Nase und Lunge führen und sollte – je nach Befinden des Kindes – mit Medikamenten behandelt werden. Eine Impfung, die seit kurzem auch als Nasenspray verabreicht werden kann, wird von der Ständigen Impfkommission (Stiko) nur für chronisch kranke Kinder empfohlen.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen