Wut über AOK : Immer wieder Ärger mit dem Impfstoff

Allgemeinarzt Dr. Jost. Foto: Jahr
Allgemeinarzt Dr. Jost. Foto: Jahr

Handwitter Ärzte sind bezüglich einer Schadensersatzforderung der AOK in Aufruhr, denn diese gehe zulasten ihrer Patienten.

shz.de von
24. Oktober 2012, 09:02 Uhr

Handewitt | Stefan Jost ist empört: "Wenn man möchte, dass es bald keine Hausärzte mehr gibt, dann ist das genau der richtige Weg", schimpft der Allgemeinarzt aus Handewitt (Kreis Schleswig-Flensburg). Seit 25 Jahren ist er nun schon tätig - meistens mit viel Spaß, wie er sagt. Die Freude vergeht ihm allerdings angesichts der bürokratischen Hürden und Kontrollen, die sich mit den Jahren eingeschlichen haben. Und der Ärger mit dem Grippe-Impfstoff schlägt dem Fass nun den Boden aus.
1.734,19 Euro Schadensersatz mussten Dr. Stefan Jost und sein Praxiskollege Dr. Wilken Boie an die AOK zahlen. Begründung: Die beiden Ärzte hätten 2008 viel mehr Grippeimpfstoff bestellt, als sie schließlich verimpft und abgerechnet hätten. Die Differenz zwischen dem von der Krankenkasse zunächst bezahlten und dem tatsächlich verbrauchten Impfstoff sollen sie ersetzen. Dass die Mediziner als Grund ihrer Bestellung auch das Argument vorbrachten, der Vorrat an Seren sei angelegt worden, weil es in der Vergangenheit Lieferschwierigkeiten gegeben hätte, wies der Beschwerdeausschuss der Vertragsärzte und Krankenkassen zurück. Er hatte den Streit zwischen AOK und den Hausärzten zu entscheiden und befand, dass es den Ärzten zuzumuten sei, zunächst "nur eine Teilmenge" Impfserum zu bestellen, um dann bei Bedarf kleine Impfdosen nachzufordern. Immerhin: Statt der mehr als 3.000 Euro, die die AOK eigentlich hätte haben wollen, müssen die Ärzte der AOK nun "nur" noch 1.734,19 Euro ersetzen.
Geld steht im Vordergrund
Einverstanden sind sie damit nicht. "Von diesem Geld hätten wir 50 Patienten drei Monate lang kostenlos behandeln können", sagt Jost. Und: "Es ist unsere Pflicht, uns vorausschauend mit Impfstoff zu bevorraten, um unsere Patienten versorgen zu können". Gerade zeige es sich wieder: Landesweit konnte im September nicht geimpft werden, weil der federführend von der AOK Nordwest für alle Kassen exklusiv verpflichtete Hersteller nicht lieferte. So hatten Schleswig-Holsteins Ärzte kein anerkanntes Serum.
Dieselbe Kasse, die Schadensersatz wegen auf Vorrat bestellter Impfstoffe bekommen habe, sorge jetzt dafür, dass es keine gebe, ärgert sich Jost. So habe sie im September auch noch Honorare und Kosten gespart, denn der Umsatz für Impfleistungen fehle gänzlich. Für ihn bedeute dies einen doppelt so hohen wirtschaftlichen Schaden wie die Ersatzzahlung selbst, sagt der Arzt und stellt fest: "Es geht nur noch um Geld und nicht mehr um die Versorgung der Patienten."

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