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Geburtshilfe : Immer mehr Kliniken schließen ihren Kreißsaal

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Eckernförde findet keine Belegärzte mehr - das bedeutet das Aus für die Geburtshilfe. Jetzt müssen Schwangere für Geburten nach Kiel oder Rendsburg ausweichen.

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2012 | 09:05 Uhr

Eckernförde | "Geburtsort Eckernförde", das wird nur noch selten für neue Erdenbürger gelten - es sei denn, sie kommen als Hausgeburt zur Welt oder im Taxi. Genauso wie zuvor schon in Elmshorn schließt auch in Eckernförde die geburtshilfliche Abteilung der Imland-Klinik. Vergeblich hat sich der Betreiber bemüht, Ersatz für ausscheidende Belegärzte zu finden. Selbst Headhunter und Personalberater hätten sich die Zähne ausgebissen, heißt es in der Klinik, in der bislang jährlich 600 Kinder zur Welt kamen.
"Das Problem liegt ähnlich wie bei den Hebammen. Auch bei den Belegärzten explodieren die Haftpflichtprämien", erklärte am Mittwoch der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Bernd Krämer, in Kiel. Seit Beginn des Jahrtausends haben deshalb schon sieben Kliniken ihre Geburtsabteilungen schließen müssen.
Lange Anfahrt für die Geburt
Und ein Ende ist nicht in Sicht. Jeder zweite gynäkologische Belegarzt gibt auf, weil sich allein zwischen 2008 bis 2010 die Prämien vervierfacht haben. Aktuell zahlt ein Belegarzt, wenn er auf einer geburtshilflichen Station tätig wird, pro Jahr 36.383 Euro, zuzüglich 19 Prozent Versicherungssteuer. Hilft er 100 Kindern auf die Welt, muss er pro Geburt 350 Euro zahlen, bekommt von der Kasse für eine reguläre Entbindung jedoch nur etwa 160 Euro, rechnet der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, vor. Diese "unerfreuliche Entwicklung" werde erhebliche Unannehmlichkeiten für schwangere Frauen mit sich bringen, die nicht in Ballungszentren wohnen. Sie müssen zur Geburt lange Anfahrtswege in Kauf nehmen, "die unter Umständen mit gesundheitlichen Risiken für die Schwangeren verbunden sind", mahnt Albring. Auch für die Kinder sieht er Gefahren: "Es ist zu erwarten, dass vermehrt Babys in Autos, Taxis oder Krankenwagen zur Welt kommen und bei Komplikationen nicht rechtzeitig eingegriffen werden kann". Dadurch seien häufiger Schäden - etwa durch Sauerstoffmangel - bei den Neugeborenen zu erwarten, "mit dramatischen Folgen für Kinder und Eltern sowie einer kostenintensiven Pflege".
Auch die Kassenärztliche Vereinigung in Bad Segeberg befürchtet ein baldiges Aus für die wohnortnahe, belegärztliche Geburtshilfe in Schleswig-Holstein. Etliche der derzeit noch 22 Beleg-Frauenärzte wollen ihre Tätigkeit als Geburtshelfer einstellen, erklärte Sprecher Marco Detlefsen gestern. Der Berufsverband fordert deshalb Kassen, Kliniken und Kommunen auf, die Versicherungsprämien zu übernehmen. Schließlich sei der Ärztemangel "auch eine politische Angelegenheit. Wo Geburtshilfe fehlt, werden ganze Landstriche entvölkert", warnt Präsident Christian Albring.

Geschlossene Abteilungen seit 2000
Fördeklinik Flensburg
Westküstenklinik Brunsbüttel
Regio-Klinik Elmshorn
Asklepios-Klinik Bad Oldesloe
DRK-Krankenhaus Mölln
Paracelsus-Klinik Kaltenkirchen


Kliniken mit Geburtshilfe
Diako Flensburg
SKK Kiel
UKSH Kiel, Lübeck
Marienkrankenhaus Lübeck
FEK Neumünster
WKK Heide
DRK-KH Ratzeburg
Johanniter Geesthacht
Klinikum NF Husum, Niebüll, Wyk
Nordseeklinik Westerland
Sana-Klinik Eutin
Sana-Klinik Oldenburg
Regio-Klinik Pinneberg
Klinik Preetz
imland-Klinik Rendsburg
imland-Klinik Eckernförde
Helios-Klinikum Schleswig
Segeberger Kliniken
Paracelsus-Klinik Henstedt-Ulzburg
Klinikum Itzehoe
Krankenhaus Reinbek

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