Rendsburg : „Ich lutsche nicht an Salatblättern rum“

Gerhard Rodigastist zugereister Rendsburger, Kampfsport-Freak und Drillmaster beim Abnehm-Wettbewerb.
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Gerhard Rodigastist zugereister Rendsburger, Kampfsport-Freak und Drillmaster beim Abnehm-Wettbewerb.

Hausbesuch beim Trainer der Rendsburger Mannschaft, die beim Städte-Wettbewerb des sh:z am meisten abnehmen möchte.

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13. Januar 2015, 09:42 Uhr

Dass Gerhard Rodigast beim Städte-Wettbewerb des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z) ausgerechnet das Rendsburger Team unterstützt, ist reiner Zufall. Genau so gut hätte der 55-Jährige in diesem Moment fern vom Abnehm-Wettstreit in Ulm leben können. Vor einigen Jahren sollte der mittlerweile pensionierte Soldat nämlich versetzt werden. Zur Auswahl standen Rendsburg und Ulm. Rodigast wählte nicht eine der beiden Städte aus, sondern warf eine Münze, und die hat sich – das weiß er heute – „genau richtig entschieden“.

Seit 1986 wohnt er mit seiner Frau in Rendsburg und lebt hier – besonders seit der Pensionierung 2012 – seine Kampfsport-Leidenschaft voll aus. Denn die ist sogar seinem Wohnzimmer auf den ersten Blick anzusehen: An jeder Wand hängen Schwerter – mal mit kurzen, mal mit langen Klingen, manche kunstvoll verziert. Einige davon sind reine Deko-Schwerter, aber die Hälfte ist scharf. „Mit dem da“, sagt er und zeigt auf das zweite Schwert über dem Aquarium, „könnte man Körperteile abschneiden“. Hier spricht der Kampfsportbegeisterte aber nicht aus Erfahrung. Wenn er mal etwas mit den Waffen zerschneidet, dann Stroh. „Im Sommer – wenn keiner guckt – mache ich schon mal einen Schnitttest. Bei Strohrollen sieht man am Schnitt, ob die Technik sauber ist.“

Dazu kommt der Pensionär aber nur selten, schließlich hat er gleich mehrere sportliche Verpflichtungen auf dem Zettel: Rodigast ist beim Kreissportverband Beauftragter für Sportangelegenheiten, beim Rendsburger TSV Abteilungsleiter für Ju Jitsu und Judo, als solcher auch Leiter des Projektes „Sport gegen Gewalt“, und nicht zuletzt möchte er in den nächsten drei Monaten zehn Rendsburger zum Schwitzen und Abnehmen – und damit zum Erfolg bringen. Beim Städte-Wettbewerb geht es darum, mehr Pfunde zu verlieren als die Teams von sieben anderen Städte. Rodigast ist Trainer der Rendsburger Mannschaft und schon gespannt auf die gemeinsame Zeit. „Wir werden beim ersten Training am Freitag gucken, wo die Reise hingeht. Ich möchte ein ausgewogenes Programm für alle hinkriegen, sodass niemand über- oder unterfordert wird.“ Bei einer so heterogenen Gruppe sei das schwierig, sagt der Coach. „Ich habe ja absolut keine Ahnung, wo die stehen. Schafft der eine überhaupt eine Kniebeuge? Hat der andere Bauchmuskeln?“ Fragen wie diesen wird er nun auf den Grund gehen und sich mit den Mannschaftsmitgliedern langsam herantasten. Rodigast will sie dazu animieren, neben den wöchentlichen Trainingseinheiten in großer Runde, auch in Kleingruppen Sport zu treiben.

Damit diese Aktion auch einen nachhaltigen Wert für die Teilnehmer hat, hofft er auf eine Initialzündung. „Das muss im Kopf ,Klick’ machen. Ich habe vor zehn Jahren mit dem Rauchen aufgehört, das war genau so: Wenn’s nicht klickt, verfällt man in alte Muster.“ Besonders entscheidend seien dabei Bewegung und eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Mit letzterer will Rodigast es aber nicht übertreiben: „Ich lutsche nicht an Salatblättern rum oder trinke nur Wasser. Ich bin kein Fitness-Freak.“

Aber ein Kampfsport-Freak scheint er zweifelsfrei zu sein. Viermal die Woche steht der Rendsburger auf der Matte: Gleichermaßen mit Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern. Ab zehn Jahren kann man beim Ju-Jitsu-Training einsteigen, beim Judo schon ab sechs. Das sei nicht so gefährlich, erklärt der Trainer. Beim Judo-Wettkampf gebe es keine Schläge und Tritte, nur Wurf-, Hebel- und Würgetechniken. „Das hört sich brutal an, gehört aber dazu. Klar tut das mal weh. Wenn man damit ein Problem hat, muss man zum Schach oder Reiten.“ Beim Ju Jitsu hingehen, der Kunst der Selbstverteidigung, gebe es keine Wettkämpfe. „Manche Verbände machen das, aber dann geht es denen ums Geldverdienen“, so Rodigast. „Wettkämpfe im Ju Jitsu wären viel zu gefährlich, es sollen ja alle wieder von der Matte runterkommen. Bei der Selbstverteidigung will ich meine Haut retten, da bin ich hinterhältig und gemein. “ Wie er als Trainer ist, wird sich dann Ende der Woche herausstellen.

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