Schutz vor Durchfallerkrankungen : Hygiene und Zwei-Löffel-Methode

Dr. Alexandra Barth (47)
Dr. Alexandra Barth (47)

Vorsicht bei rohen Eiern und Geflügelfleisch - aber auch in Kindertagesstätten lauert die Gefahr: Wer "Montezumas Rache" fürchtet, sollte folgende Tipps beherzigen.

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26. April 2012, 11:08 Uhr

Neumünster | Händeschütteln vermeiden, bei der Zubereitung von Speisen bestimmte Regeln beachten und eine gute Hygiene: Diese Maßnahmen können weitestgehend vor Durchfall schützen, sagt Dr. Alexandra Barth, Leitende Amtsärztin des Gesundheitsamtes der Stadt Neumünster. Die 47-Jährige, die seit 13 Jahren beim Fachdienst arbeitet, kennt aus ihrer jahrelangen Praxis viele hilfreiche Tipps, um sich vor den Bakterien und Viren zu schützen, die Durchfall auslösen.
Klassiker Lebensmittel: Dort, wo rohe Eier verarbeitet werden, droht Gefahr. Wenn also Tiramisu oder Schmandtorte auf einer Gartenparty serviert werden, sollten diese gut gekühlt sein. Anderenfalls kann die Party böse Folgen haben. Professionelle Gastronomen kühlen ihre Ware; auf Freizeitpartys kann das schon mal aus den Augen geraten. Alexandra Barth hat das schon selbst erlebt: "Nach dem Tiramisu hatten alle Gäste und auch ich die Rennerei."
Kochen, schälen - oder Finger weg!
Wenn in der Küche daheim Eier roh verarbeitet oder Geflügelsalat zubereitet werden, sollten Schneidebrett und das Messer nicht mit anderen Zutaten in Berührung kommen: "Am besten ist es, beides zu wechseln." Auch beim Abschmecken droht Keim-Gefahr: "Wer mit dem Löffel abschmeckt und ihn dann wieder in die Speise eintaucht, die auch andere essen sollen, impft sie quasi mit seinen eigenen Bakterien. Profis arbeiten mit der Zwei-Löffel-Methode: Mit einem Löffel die Soße löffeln und sie dann auf einen zweiten Löffel träufeln, von dem man probiert", beschreibt die Amtsärztin einen einfachen Trick.
Wer im Ausland unterwegs ist, vor allem in Entwicklungsländern und Südosteuropa, sollte zwei goldene Regeln beachten, sagt Alexandra Barth. Denn während in Deutschland keine Gefahr vom Trinkwasser ausgeht, sollte man auf Reisen das Wasser erhitzen und Gemüse oder Obst nur mit Mineralwasser aus verschlossenen Flaschen waschen und damit auch die Zähne putzen. Auch von Eiswürfeln in Drinks und offen servierten Getränken ist abzuraten. Bei Lebensmitteln gelte: "Cook it, peel it or leave it" ("koche es, schäle es oder lass es"). "Die Einheimischen bekommen als Kind eine Leberentzündung (Hepatitis A) und sind deshalb immun gegen die gefährlichen Viren", sagt Alexandra Barth.
"Montezumas Rache" nie ins Büro einschleppen
Ein zweiter Weg zur Ansteckung führt über Viren wie beispielsweise die Noro- oder Rota-Viren, die vor allem in Kindertagesstätten vorkommen. "Von denen reichen schon geringe Mengen, um andere anzustecken", sagt Dr. Alexandra Barth. Wenn beispielsweise in einem Altenheim der Noro-Virus auftritt, sei das nicht automatisch Schuld des Altenheims. "Das Heim meldet uns solche Fälle, dann geht es um Schadensbegrenzung durch einen Maßnahmenplan mit Quarantäne, Schutzkleidung, dem Einsatz von Desinfektionsmitteln und dem Stopp von Neuaufnahmen. In Neumünster klappt das in der Regel hervorragend. Auch die Kooperation mit dem Friedrich-Ebert-Krankenhaus ist sehr gut", lobt die Amtsärztin.
Wenn man sich allerdings bereits "Montezumas Rache" eingefangen hat, hilft nur der Gang zum Arzt. "Dann sollte man sich nicht zur Arbeit schleppen", rät die Expertin. Bei Verdacht auf ansteckenden Durchfall sollte man nur seine eigene Toilette benutzen und mit speziellen Mitteln die Hände, Türklinken und Klobrille desinfizieren. Wer mit Lebensmitteln und Menschen beruflich zu tun hat, darf erst nach dem Gang zum Hausarzt oder sogar zum Gesundheitsamt seine Arbeit weitermachen.
In leichten Fällen hilft das klassische Hausmittel, bestätigt Alexandra Barth: Cola und Salzstangen. Das ist schnell erklärt: Cola führt die verlorene Flüssigkeit und Zucker wieder zu, und Salzstangen bringen nötige Kalorien zurück.

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