Blut-Spende : Hoffnung aus der Nabelschnur

Nabelschnurblut enthält begehrte Stammzellen - und weckt den Geschäftssinn von Firmen. Foto: Fotolia
Nabelschnurblut enthält begehrte Stammzellen - und weckt den Geschäftssinn von Firmen. Foto: Fotolia

Private Firmen umwerben Eltern, das Nabelschnurblut ihres Kindes für den Krankheitsfall einzulagern. Dabei ist das Vorgehen wissenschaftlich höchst umstritten.

shz.de von
31. März 2013, 07:02 Uhr

Die Botschaft ist unmissverständlich: Eine "Entscheidung für Schutz, Sicherheit und Fürsorge" treffen Eltern, ein "Notfallpaket fürs Leben" schnüren sie. Wenn sie nur das Nabelschnurblut ihre Kindes einfrieren lassen. Offensiv werben private Banken für Nabelschnurblut im Internet um Kunden. Prominente wie die Fernsehmoderatorin Sonya Kraus oder Ex-Eiskunstläuferin Tanja Szewczenko sollen Eltern das Geschäft schmackhaft machen; es gibt Finanzierungsangebote, Treueboni, Sonderkonditionen und unterschiedliche Tarife mit Namen wie "Klassik" oder "Max mit Kompakt 25" - je nachdem, ob man etwa ein Vorsorge-Screening, eine längere Lagerungszeit oder eine Preisgarantie wünscht.

Die Kosten für eine Aufbewahrung bewegen sich zwischen 1.000 und 3.000 Euro - dafür wird nicht weniger versprochen als die Heilung des eigenen Kindes. Nicht nur bei Krebs, sondern auch bei Diabetes, Herzkrankheiten, einem Hirnschlag oder Gelenkschäden könne das Blut dem Nachwuchs irgendwann einmal helfen - so die Versprechen der Anbieter. Aber was kann Nabelschnurblut wirklich? Fakt ist: Es ist wertvoll. Das Blut, das nach der Abnabelung des Kindes noch in der Nabelschnur und der Plazenta ist, enthält Stammzellen, die sich unbegrenzt vermehren und differenzieren und dadurch vor allem Leukämiekranken helfen können.

Diskussion um falsche Versprechen

Allein: Das Konzept, das Blut des Sprösslings für dessen eigene Gesundheitsvorsorge einzulagern, "funktioniert derzeit nicht", sagt Prof. Dr. Alexander Strauss, stellvertretender Direktor der Frauenklinik am Universitätsklinikum in Kiel (UKSH). Weltweit gebe es nur Einzelfälle, bei denen die eigenen Stammzellen einem Kind geholfen hätten. Das räumen selbst die Firmen ein - und werben vorsorglich damit, dass der technische Fortschritt in Zukunft vieles möglich machen werde. Eltern sollten daher die einmalige Chance mit der Geburt ihres Kindes nicht vergeben. Alexander Strauss ist anderer Meinung. "Das Konzept ist medizinisch nicht empfehlenswert. Und es ist nicht absehbar, dass sich daran in nächster Zeit etwas ändert."

Der Deutsche Hebammenverband sieht es genauso - und kritisiert Firmen, die anderes behaupten. "Den Eltern wird von den privaten Anbietern eine Sicherheit suggeriert, die wir gar nicht haben. Da wird eine Riesenerwartungshaltung geschürt, was mit den Zellen medizinisch einmal möglich sein würde, wenn das eigene Kind erkrankt", sagt die Pressesprecherin Edith Wolber. Es werde ein "Geschäft mit der Angst der Eltern gemacht". Allerdings bedeute dies nicht, dass die Lagerung von Nabelschnurblut generell keinen Sinn macht. Denn neben der gerichteten Spende - bei der das Blut für die eigene familiäre Vorsorge gelagert wird - gibt es seit einigen Jahren auch die Möglichkeit einer ungerichteten Spende.

Eine Spende, die Leben retten kann

Wie bei normalen Blutspenden geben Eltern das Blut ihres Babys kostenlos an eine öffentliche oder private Blutbank, wo es Lymph- und Blutkrebserkrankten helfen kann. "Die ungerichtete Spende macht Sinn", sagt Alexander Strauss. "Es gibt einen Mangel an Stammzellen, und es werden händeringend Spender gesucht." Auch er und seine Kollegen am Universitätsklinikum (UKSH) raten ihren Patientinnen zu einer Spende. Etwa die Hälfte von ihnen entscheide sich mittlerweile dafür. Die Zahl jener, die das Blut lieber für private Zwecke aufbewahren lässt, sei dagegen zumindest am UKSH "fast verschwunden", wie Strauss angibt. Lediglich etwa ein Prozent seiner Patientinnen möchten doch lieber ein "Notfallpaket fürs Leben" schnüren.

Nabelschnurblut spenden - So funktionierts

Werdende Eltern, die das Nabelschnurblut ihres Neugeborenen spenden möchten, sollten sich an ihren Frauenarzt oder ihr Krankenhaus wenden. Dort bekommen sie Informationsmaterial und erfahren, ob sie für eine Spende in Frage kommen (z. B. muss die Mutter gesund sein). Die Spende ist kostenlos. Nach der Abnabelung des Kindes wird Blut aus der Nabelschnur entnommen; Mutter und Kind merken davon nichts. Das Blut wird dann in einer Blutbank aufgearbeitet, getestet und für etwaige Empfänger tiefgefroren.

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