Hören : Hörsturz: Wenn das Innenohr streikt

<p>Nahezu alle Altersgruppen können von einem Hörsturz betroffen sein - nur bei Kindern tritt er eher selten auf. </p>

Nahezu alle Altersgruppen können von einem Hörsturz betroffen sein - nur bei Kindern tritt er eher selten auf.

Ein Hörsturz macht plötzlich schwerhörig. Von einer Sekunde auf die andere verweigert das Gehör den gewohnten Dienst. Warum das gerade geschieht, ist zunächst unklar. Wichtig ist: erstmal Ruhe bewahren.

shz.de von
27. März 2017, 11:33 Uhr

Plötzlich macht ein Ohr dicht, als hätte jemand am Lautstärkeknopf gedreht: häufig ist die meist einseitig auftretende Hörminderung typisch für einen Hörsturz. Die Schwerhörigkeit kommt ohne Vorwarnung. Warum das so ist und was genau im Ohr passiert, hat die Wissenschaft bisher nicht herausfinden können. Ob Stress eine Rolle spielt, ist auch nach wie vor unklar.

Ein Hörsturz galt früher als Notfall, mit dem man so schnell wie möglich zum Arzt sollte. Solche Hektik ist laut den aktuellen Empfehlungen nicht notwendig und eher kontraproduktiv – es sei denn, das Ohr ist komplett taub. In der Regel können die Betroffenen insbesondere bei eher gering ausgeprägten Hörverlusten zunächst 24 bis 48 Stunden abwarten. Bei rund der Hälfte der Betroffenen stellt sich in dieser Zeit das normale Hörvermögen wieder ein. In der Wartezeit sollten es die Patienten vor allem ruhiger angehen lassen.

Bleibt das taube Gefühl im Ohr bestehen, ist ein Termin beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt der nächste Schritt. Möglicherweise ist ein Pfropf aus Ohrenschmalz schuld an den Hörproblemen. Auch ein Infekt kann die Ursache sein. Der Arzt fragt außerdem ab, ob der Patient lauten Geräuschen ausgesetzt war, Böllerschüssen zum Beispiel oder einer Explosion. Sollte sich hierbei herausstellen, dass keiner dieser Faktoren gegeben ist, liegt wahrscheinlich ein Hörsturz vor. 40 bis 100 von 100 000 Menschen sind pro Jahr betroffen.

Schauplatz ist das Innenohr. Dort liegen die Haarzellen, die Schallwellen in elektrische Impulse umwandeln. Sie werden von den Nerven ins Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet - erst dann hören wir. Bei einem Hörsturz arbeiten Haarzellen in bestimmten Frequenzbereich nicht mehr so, wie sie sollen. Die Hör-Einschränkungen können sehr unterschiedlich ausfallen: Manche Patienten haben zusätzlich ein Ohrgeräusch, Tinnitus genannt, bei anderen fühlt sich die Ohrmuschel pelzig an. Schmerzen verursacht ein Hörsturz in der Regel nicht.

Nicht immer gelingt es dem behandelnden Arzt, das Hörvermögen vollständig wiederherzustellen: Bei 10 bis 20 Prozent bleiben trotz einer kompetenten Behandlung Hörminderungen. Dies macht sich sogar schon bei einer Dämpfung von nur 25 bis 30 Dezibel im Alltag störend bemerkbar. Mit einem schwächeren Ohr sind vor allem Gespräche in großer Runde schwierig. Auch die Richtung, aus der ein Geräusch kommt, lässt sich nicht mehr so gut ausmachen.

Ein Hörgerät kann das betroffene Ohr dann häufig sehr gut unterstützen. Die Systeme lassen sich so programmieren, dass sie genau die Frequenzen, die fehlen, ans Trommelfell bringen. Außerdem können sie helfen, einen störenden Tinnitus zu mildern - und erleichtern damit die Konzentration auf das Wesentliche im Gespräch.

<p>Lautes Musikhören schadet zwar auf lange Sicht dem Ohr - es ist jedoch selten die Ursache für einen Hörsturz.</p>
Fotolia

Lautes Musikhören schadet zwar auf lange Sicht dem Ohr - es ist jedoch selten die Ursache für einen Hörsturz.

 
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen