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Ernährung & Gesundheit

20. August 2017 | 08:33 Uhr

Hochsensibilität: Leben ohne Filter

vom

Betroffene reagieren stärker auf ihre Umwelt, können ihre Erkrankung aber auch als Bereicherung begreifen

Barsbüttel | Ein kommunikationsintensiver Job, die Tätigkeit an lauten Maschinen oder einfach nur die Musik aus der Nachbarwohnung: Solche Stressfaktoren bedeuten für viele Menschen eine Belastung. Doch bei einigen führen solche und ähnliche Situationen schneller zu Anspannung und Unwohlsein als bei anderen: Sie sind hochsensibel.

Hochsensibilität bedeutet, dass die Betroffenen stärker auf ihre Umwelt reagieren als andere. "Hochsensible Personen sind in der Lage, die Umwelt viel sensibler wahrzunehmen und ein breiteres Spektrum an Reizen zu verarbeiten als andere Menschen", erklärt Sabine Witting, Psychologin in Barsbüttel. "Sie werden aber auch leicht durch zu viele und zu starke Reize überstimuliert."

Die hochsensible Wahrnehmung ist individuell und in Intensität und Form unterschiedlich: Sie könne sich sowohl im sensorischen, aber auch im emotionalen oder mentalen Bereich zeigen, sagt die Expertin. "Im sensorischen Bereich bedeutet dies, dass nahezu jeder Sinneseindruck sowie auch unterschwellige Reize stärker und detaillierter wahrgenommen werden." Wer hochsensibel für den emotionalen Bereich sei, könne sich hingegen gut in die Gefühlslage anderer Menschen hineinversetzen und merke häufig intuitiv, wenn jemand lüge. "Auf der intellektuellen Ebene werden hingegen Informationen tiefer verarbeitet und Situationen intensiver und gründlicher analysiert", fügt Witting hinzu.

Die vielen Reize können bei Betroffenen zu Reizüberflutung und Überlastung führen. "Der Filter im Gehirn, der unwichtige von wichtigen Informationen trennt, ist durchlässiger. Typisch für hochsensible Personen ist daher das Bedürfnis, sich zurückzuziehen, um das Erlebte erst einmal zu verarbeiten. Die Möglichkeit, Pausen und Ruhezeiten einzulegen, ist existenziell wichtig und beugt chronischen Erschöpfungszuständen vor." Hochsensible Personen seien häufig betroffen von Migräne, Herz-Rhythmus-Störungen, Depressionen und anderen Erkrankungen, die durch Dauerstress verursacht werden können.

Witting rät Hochsensiblen, ihre gesteigerte Wahrnehmung als Bereicherung für ihr Leben wahrzunehmen. Für ihre Beratungen sei es zunächst wichtig zu klären, "ob jemand seine Hochsensibilität bereits für sich akzeptiert, sie als Potenzial betrachtet und ob er sich in einem sozialen Umfeld aufhält, in dem er seine Sensibilität einbringen kann und als Hochsensibler wertgeschätzt wird". Dafür sei es aber notwendig, benennen zu können, inwiefern die eigene Wahrnehmung anders sei. Dafür gibt es verschiedene Tests. Witting empfiehlt den Test von Elaine Aron, der im Internet zu finden ist. Aron geht davon aus, dass etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung hochsensibel sind. Laut Witting sei diese Zahl jedoch zu hoch geschätzt, da der Bereich Hochsensibilität "noch nicht ausreichend erforscht" sei.

Eltern hochsensibler Kinder könnten Witting zufolge bereits früh dafür sorgen, dass ihre Kinder lernen, mit ihrer besonderen Wahrnehmung umzugehen und Strategien für den Alltag zu entwickeln. Dazu gehöre das Finden von Rückzugssorten, das Aufbauen eines gesunden Selbstwertgefühls und die Vermittlung von Sicherheit.

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erstellt am 15.Aug.2013 | 03:09 Uhr

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