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Ernährung & Gesundheit

23. Oktober 2017 | 19:18 Uhr

Hochsensibilität: Leben ohne Filter

vom

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Barsbüttel | Ein kommunikationsintensiver Job, die Tätigkeit an lauten Maschinen oder die Musik aus der Nachbarwohnung: Solche Stressfaktoren bedeuten für viele Menschen eine Belastung. Doch bei einigen führen diese Situationen schneller zu Anspannung und Unwohlsein als bei anderen: Sie sind hochsensibel. Hochsensibilität bedeutet, dass die Betroffenen stärker auf ihre Umwelt reagieren. "Hochsensible Personen sind in der Lage, die Umwelt sensibler wahrzunehmen und ein breiteres Spektrum an Reizen zu verarbeiten als andere Menschen", erklärt Sabine Witting, Psychologin in Barsbüttel. "Sie werden aber auch leicht durch zu viele und zu starke Reize überstimuliert."

Die hochsensible Wahrnehmung ist individuell und in Intensität und Form unterschiedlich: Sie könne sich im sensorischen, aber auch im emotionalen oder mentalen Bereich zeigen, sagt die Expertin.

Die vielen Reize können bei Betroffenen zu Reizüberflutung und Überlastung führen. "Der Filter im Gehirn, der unwichtige von wichtigen Informationen trennt, ist durchlässiger. Typisch für hochsensible Personen ist daher das Bedürfnis, sich zurückzuziehen, um das Erlebte erst einmal zu verarbeiten. Die Möglichkeit, Pausen und Ruhezeiten einzulegen, ist existenziell wichtig und beugt chronischen Erschöpfungszuständen vor." Hochsensible Personen seien häufig betroffen von Migräne, Herz-Rhythmus-Störungen, Depressionen und anderen Erkrankungen, die durch Dauerstress verursacht werden können.

Witting rät Hochsensiblen, ihre gesteigerte Wahrnehmung als Bereicherung für ihr Leben wahrzunehmen. Für ihre Beratungen sei es zunächst wichtig zu klären, "ob jemand seine Hochsensibilität bereits für sich akzeptiert, sie als Potenzial betrachtet und ob er sich in einem Umfeld aufhält, in dem er seine Sensibilität einbringen kann und als Hochsensibler wertgeschätzt wird". Dafür sei es aber notwendig, benennen zu können, inwiefern die eigene Wahrnehmung anders sei. Dafür gibt es verschiedene Tests. Witting empfiehlt den Test von Elaine Aron, der im Internet zu finden ist. Aron geht davon aus, dass etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung hochsensibel sind. Laut Witting sei diese Zahl jedoch zu hoch geschätzt, da die Hochsensibilität "noch nicht ausreichend erforscht" sei.

Eltern hochsensibler Kinder könnten bereits früh dafür sorgen, dass ihre Kinder lernen, mit ihrer besonderen Wahrnehmung umzugehen und Strategien für den Alltag zu entwickeln. Dazu gehöre das Finden von Rückzugorten, das Aufbauen eines gesunden Selbstwertgefühls und die Vermittlung von Sicherheit.

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