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Ernährung & Gesundheit

19. August 2017 | 11:37 Uhr

Hilfe auf dem Weg zurück ins Leben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beatmungsentwöhnung: Auf der Weaning-Station der Klinik Oldenburg lernen schwerkranke Patienten, wieder selbstständig zu atmen

40 Jahre lang hatte Dieter Frank* geraucht. Stark geraucht. Mit 60 ließ er die Finger von den Zigaretten, endgültig. Doch sein Körper war geschädigt – so schwer, dass eine Lungenentzündung den Eutiner in Lebensgefahr brachte. Er kam ins Krankenhaus, musste künstlich beatmet werden: Seine kaputte Lunge konnte ihre Aufgabe nicht mehr übernehmen. Zwei Wochen lag Frank im künstlichen Koma, hing sein Leben an der Maschine. Der Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben führte ihn über das Beatmungszentrum der Sana Klinik Oldenburg in Holstein. Auf der „Weaning“-Station lernte er, was für die meisten Menschen selbstverständlich ist: wieder selbst zu atmen.

„Weaning bedeutet die Entwöhnung von der künstlichen Beatmung“, erklärt Dr. Iris Koper, Chefärztin des Zentrums für Innere Medizin an der Oldenburger Klinik. Sie und ihr Team kümmern sich um Patienten, deren Atemzüge über Wochen und Monate von einem Respirator übernommen werden mussten: nach einer schweren Operation etwa, oder, wie beim überwiegenden Teil der Patienten, nach einer Lungenentzündung, die eine durch chronische Bronchitis stark geschädigte Lunge besonders schwer erwischt hat.

Eingerichtet wurde das Zentrum 1999 als eines der ersten im Land, die Weaning-Station in den vergangenen Jahren vergrößert. Immer mehr Kliniken erweiterten ihre Häuser um solche spezialisierten Bereiche, sagt Iris Koper. Ein Prozess, der auch der demographischen Entwicklung geschuldet sei. Das Gros ihrer Weaning-Patienten ist zwischen 50 und 70 Jahre alt.

17 000 Mal atmet ein Mensch am Tag ein und aus – ein Automatismus, der bei einem Gesunden keiner Anstrengung bedarf. Einem Langzeitbeatmeten mit einer geschädigten Lunge, einer geschwächten Atemmuskulatur diese Fähigkeit wieder anzutrainieren, sei aufwändig und langwierig, sagt Iris Koper. Während der „kontrollierten Atmung“ übernehme der Respirator noch jeden einzelnen Zug – zuerst über einen Schlauch, der durch den Mund in die Luftröhre gelegt wird. In langwierigeren Fällen über einen Luftröhrenschnitt unterhalb der Schilddrüse. Der Patient liegt während dieser Zeit im Koma. „Wäre er bei Bewusstsein, würde er sich gegen den Schlauch wehren.“

Zu Beginn des Entwöhnungsprozesses greife die Maschine nicht mehr permanent, sondern nur noch dann ein, wenn der Patient zu schwach atme. „Parallel wird er langsam aus dem Koma geholt.“ Den Beatmungsschlauch ersetzt später eine Maske über Mund und Nase, ihre Tragedauer wird während des Tages langsam reduziert. Schritt für Schritt wird die Spontanatmung so trainiert; Sprechen, Essen und Trinken sind wieder möglich. „Unser Ziel ist, dass die Patienten wieder nach Hause kommen und ein möglichst normales Leben führen“, sagt die Lungenfachärztin. „Normal“ – für die meist Schwerkranken Weaning-Patienten bedeutet das, dass sie auch zu Hause weiterhin ein Beatmungsgerät benötigen – zumindest zum Schlafen. „Die Nächte sind gefährlich, weil die Atemregulation eingeschränkt ist.“ Zu groß sei das Risiko, dass die Spontanatmung nicht ausreiche. Vor dem Heimweg steht für die Entlassenen ein Reha-Aufenthalt an – „damit sie wieder in die Senkrechte kommen“.

Das schaffen jedoch nicht alle. Manche Patienten blieben über Jahre im Beatmungszentrum; eine alte Dame sei kürzlich nach drei Jahren dort verstorben. Schicksale, die dem Team – auch im Umgang mit den Angehörigen – viel abverlangten. „Bei den Betroffenen und ihren Familien ist natürlich immer viel Unsicherheit und Angst im Spiel“, sagt die Ärztin. Angst vor langem Leiden, oder davor, mit der Pflege des Kranken überfordert zu sein. Iris Koper: „Wir können nicht sagen, wie lange eine Behandlung dauert und wie erfolgreich sie sein wird. Das Wichtigste ist, dass wir immer wieder erklären, was wir tun und was das bedeutet.“

Dieter Frank ist es gelungen, in sein altes Leben zurückzukehren – wenn auch mit technischer Unterstützung: Nachts trägt er stets seine Atemmaske.

*Name geändert



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erstellt am 05.Sep.2013 | 00:33 Uhr

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