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Ernährung & Gesundheit

23. September 2017 | 18:24 Uhr

Zähneknirschen : Heute schon geknirscht?

vom

Bruxismus: der nächtliche Zahnkiller. Ein Problem entsteht, wenn wir diese Kraft gegen uns selbst wenden: das Zähneknirschen.

shz.de von
erstellt am 04.Jan.2010 | 05:25 Uhr

Zähneknirschen, in der medizinischen Fachsprache Bruxismus genannt, ist eine Bewegungsstörung, die sowohl tagsüber, häufig aber unbewusst nachts auftritt, und einen nicht unerheblichen gesundheitlichen Schaden anrichten kann. Entwicklungsgeschichtlich macht es durchaus Sinn, dass unser Kiefer so kräftig ausgestattet wurde: Ist die Nahrung erst einmal im Mund, kommt sie uns so leicht nicht wieder aus. Außerdem steuern wir über die Kaumuskeln wichtige Abläufe des muskulären Spannungsaufbaus.
Mit aggressiv zusammengebissenen Zähnen stellen wir gleichzeitig Nacken und Schultergürtel fest, was unseren Vorfahren kampftechnisch Vorteile verschaffte. Da wir heutzutage eher selten gegen Raubtiere oder mit Keulen bewaffnete Nachbarn um unsere Nahrung kämpfen müssen, spielt die Kraft unserer Kiefermuskeln für das Überleben keine so entscheidende Rolle mehr. Zähneknirschen dagegen kann Ursache sein für eine ganze Palette von Symptomen, die bestimmt keiner haben will: Zahn- und Kiefergelenksschmerzen, Kopf- und Nackenschmerzen, Erschöpfung, bis hin zum Tinnitus, also permanentem Ohrengeräusch.
Böse Folge: totale Kiefersperre
Der anhaltende und immens hohe Druck im Kieferbereich, gepaart mit den stereotypen Scherbewegungen, greift längerfristig die Struktur von Zähnen und Kiefergelenk an. Mit kleinen Rissen im Schmelz, so genannten Schlifffacetten, fängt es an, was in extremen Fällen zum Verlust der gesamten harten Zahnsubstanz führen kann. Das Knacken im schmerzenden Kiefergelenk kann sich unter den ungünstigsten Umständen bis zur totalen Kiefersperre fortsetzen.
Stress - Auslöser allen Übels
Emotionaler und psychischer Stress ist seit Langem als Auslöser für das Zähneknirschen bekannt. In Lebensphasen großer Anspannung, so zeigen Studien, reiben Betroffene die Zähne besonders intensiv aneinander. Ungeklärte Konflikte und Belastungen bahnen sich vor allem im Schlaf ihren Weg und werden von uns noch einmal "durchgekaut". Ob beruflicher oder privater Druck, wichtige Prüfungen, finanzielle Probleme - es gibt viele Situationen, in denen wir die "Zähne zusammenbeißen" oder das Gefühl haben, uns "durchbeißen" zu müssen. Aber auch schlecht sitzende und überstehende Füllungen, Inlays, Brücken, Kronen oder Prothesen können die Bewegungsstörung auslösen oder verstärken. "Es muss in jedem Fall gründlich nach den Ursachen für das Knirschen gesucht werden, oft ist es auch eine Kombination verschiedener Auslöser, die angegangen werden muss", so PD Dr. Dankmar Ihlow, Landesvorsitzender der Schleswig-Holsteinischen Kieferorthopäden.

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