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Advertorial : Herztransplantation: Jette, das Wunder der Station

vom

Ende Juni 2017 bekam Jette Dittmar (18) im Kieler UKSH ein neues Herz implantiert. Neun Monate zwischen Leben und Tod.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2017 | 04:12 Uhr

Kiel | „Irgendwie war ich fast schon froh, dass ich tatsächlich krank war und mir nicht alles eingebildet habe.“ Wenn Jette Dittmar ihre Geschichte erzählt, dann hat sie keine Enttäuschung, viel mehr Optimismus in der Stimme. Die heute 18-Jährige lebt mit ihren Eltern Imke und André  in einem 100-Seelen-Dorf, gut eine halbe Stunde von Flensburg entfernt. Ihr Bruder Thorben ist bereits ausgezogen. Sie ist ein ganz normales, kluges Mädchen. Mit blauen strahlenden Augen und behüteter Kindheit, draußen auf dem Land. Sie besucht ein Gymnasium, hat viele Freundinnen und eine Menge Träume.

Alles fing an mit Übelkeit und Kopfschmerz

Es ist ein kalter Tag Anfang November 2016, als Jette von der Schule abgeschlagen nach Hause kommt – Kopfschmerzen, Übelkeit und Magenprobleme. Wahrscheinlich hat sie sich irgendeinen Virus eingefangen. Doch der 17-Jährigen geht es von Tag zu Tag schlechter. Immer wieder fährt sie zum Hausarzt der Familie. Der Mediziner findet nichts, ein kleines Blutbild und ein Ultraschall des Magens bleiben ohne besonderen Befund. Wahrscheinlich die Psyche. Mädchen in der Pubertät können leicht einmal Stimmungsschwankungen haben. Die sonst so fröhliche Schülerin zieht sich immer mehr zurück und fragt sich immer wieder: „Bilde ich mir das alles nur ein?“

Doch am 11. November fahren Imke und André Dittmar ihre Tochter in die Diako nach Flensburg. Zu schlecht ist ihr Zustand geworden. Ein EKG wird gemacht, ihre Herzfrequenz liegt bei 170. Viel zu hoch für einen gesunden jungen Menschen. Das Ultraschall-Bild zeigt, dass Jettes Herz doppelt so groß wie ein normales ist. Ihre Organe werden nicht mit genug Sauerstoff versorgt. Im großen Blutbild stehen nun auch schlechte Leberwerte. Die Situation ist lebensbedrohlich. „Ich wurde noch in der selben Nacht auf die Intensivstation verlegt“, erzählt sie, während ihre beiden Hände eine Tasse festhalten auf der steht „Today is gonna be a good day.“ Doch gute Tage werden für Jette rar.  Am Freitag, 15. November 2016, wird sie in das UKSH, Campus Kiel, verlegt, ein Tag darauf eine Biopsie gemacht. Im Dämmerschlaf wird ihr ein winziges Stück ihres Herzens entnommen und untersucht. Das Ergebnis: Jette Dittmar ist schwer herzkrank und die Situation lebensbedrohlich. „Innerhalb von drei Wochen hatte ich eine chronische Krankheit“, stellt sie heute fast schon sachlich fest.

Ein Kunstherz wird implantiert

„Für uns blieb die Welt erst einmal stehen“, so ihre Mutter. Zwei Tage später bekommt die 17-Jährige ein Kunstherz implantiert. „Ich dachte, danach geht es mir wieder gut“, erinnert sich Jette. Doch während der Operation gibt es Komplikationen. Ihr Zustand ist kritisch. Die Ärzte versetzen Jette in ein künstliches Koma, nur eine  Herz-Lungen-Maschine hält sie noch am Leben. Daumendicke Schläuche, eine Batterie an piependen Monitoren, eine regungslose Tochter – ein Anblick, der für die Eltern schwer zu ertragen ist. Erinnerungen an das Koma hat Jette keine.

Nach zehn Tagen wird die Maschine demontiert. Mehrmals wird das Mädchen reanimiert. Einmal muss ihre zusammengefallene Lunge wieder „aufgepumpt“ werden. Die behandelnden Ärzte versuchen alles, starten verschiedenste Therapieversuche. „Die Klaviatur der Medizin“, wird später der Chefarzt sagen. Nach drei Wochen muss das Mädchen aus dem Koma geholt werden, bis sie richtig wach ist, vergehen zehn Tage. „Es war, als ob ich von einem Traum zum nächsten springe“, erinnert sie sich. Vor allem aber sind es schlimme Albträume und Halluzinationen. Gegenstände fangen an, mit ihr zu sprechen. Die Monitore hält sie für Mikrowellen. Es regnet in ihrem Zimmer, und sie sieht Menschen, wo keine sind. „Das war schrecklich und irgendwie auch urig.“ Jette hat schlimme Nebenwirkungen. Fieber, Zittern und Schweißausbrüche sind die Folgen des Medikamenten-Entzugs. Auch ist sie nahezu bewegungsunfähig. „Wenn man so lange nur liegt, hat man keinen Muskel mehr im Körper“, erklärt sie.

Jette lernt alles von vorn

Alles zurück auf Null, heißt es jetzt für sie. Sie kann nicht sprechen, nicht schlucken, selbst lächeln geht nicht mehr.  Atmen macht nur der Luftröhrenschnitt möglich. Mit einem Sprechaufsatz für den Tubus kann sie erste Laute und Silben von sich geben. Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird die 17-Jährige ihre ersten Worte sprechen: „Hallo“ und „Mama“. Imke und André Dittmar sind jeden Tag bei ihrer Tochter. Oft übernachten sie in der Nähe der Klinik. Die Tage im Krankenhaus sind bestimmt von Therapien. Nur langsam kommt Jettes Gleichgewichtsgefühl zurück. Zur Motivation schreibt sie kleine Erfolgszettelchen.

Zehn Wochen nach der Operation kann sie das erste Mal mit einem Rollstuhl das Zimmer verlassen und darf an die frische Luft.  Der Familie ist klar: Ab jetzt wird Jette mit einem Kunstherzen leben müssen. „Ich hatte schon überlegt, wo ich in der Klasse sitzen muss, damit ich eine Steckdose zum Aufladen in Reichweite habe.“

<p>Tapfere junge Frau: Jette mit ihren Eltern Imke und André Dittmer.</p>

Tapfere junge Frau: Jette mit ihren Eltern Imke und André Dittmer.

 

Der erlösende Anruf

Der 30. Juni 2017 ist ein ganz normaler Tag für die Herzpatientin. Eine Kunsttherapeutin hat ihr eben noch eine riesige Rosenranke über den Oberkörper gemalt. „Es sollte meinen dornigen Weg darstellen“, erzählt Jette. Gerade erst war ihr Vater da gewesen. Keine 500 Meter war er gefahren, da kam der Anruf aus der Klinik: Für Jette ist ein Spenderherz gefunden worden. Das perfekte Herz. „Ich war überraschenderweise völlig tiefenentspannt. Die Ärzte im UKSH haben mein vollstes Vertrauen“, sagt André Dittmar später.

Noch in derselben Nacht bekommt Jette ihr neues Herz. „Es war so ein unglaublich schönes Gefühl, wieder einen Herzschlag und kein Surren im Ohr zu haben.“ 22 Stunden nach der Operation ist das Mädchen wach. „Das war völlig anders als beim ersten Mal. Ich fühlte mich richtig gut.“ Jette wird zum „Wunder der Station“. Ärzte und Pflegepersonal atmen auf. Einen Monat wird Jette Dittmar zur Reha gehen, und ein Jahr Auszeit muss sich die Schülerin nun nehmen.

Jettes Weg zurück in den Alltag

Vieles hat sich für die Familie seither verändert. Jette ist erwachsen geworden. „Meine Eltern haben ein Mädchen ins Krankenhaus gebracht und eine Frau wieder abgeholt“, sagt sie. Gemeinsam mit Mama Imke hat Jette eine Bastel-Leidenschaft im Krankenhaus entwickelt. Jetzt richten ihr ihre Eltern einen Laden für Deko und Workshops in Steinbergkirche ein. „Herzenssache“ wird dann geöffnet sein, wenn es Jette gut geht. „Bis sie wieder zur Schule geht, braucht sie eine Aufgabe, die sie glücklich macht“, finden ihre Eltern. Vor dem Eingang steht eine Leinwand, auf der sie ihre Geschichte aufgeschrieben hat, und darum bittet, bei einer Erkältung ein anderes Mal wiederzukommen.  Zwischen den Dingen, die sie von Hand gemacht hat, liegen Flyer für den Organspendeausweis. „Es ist wichtig, dass wir uns mit diesem Thema beschäftigen. Es gibt so viele Leben, die durch eine Organspende gerettet werden können.“ Leben, wie das der 18-jährigen Schleswig-Holsteinerin.

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