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Clownin Knolle : Guter Geist für kleine Patienten

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Multitalent Carola Schimke unterhält als Clownin kranke Kinder in der Diako, zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht und lässt sie ihre Krankheit kurz vergessen.

Schleswig-Flensburg | Die blaue Latzhose sitzt, die bunt geringelten Kniestrümpfe über der grünen Strumpfhose stechen grell hervor, Handpuppe Kroko schaut neugierig aus der Brusttasche heraus, sechs hölzerne Essstäbchen schmücken die Hochsteckfrisur, und die rote Nase macht das Outfit komplett. Nach 20 Minuten Umziehen, Dekorieren und Schminken ist Carola Schimke die Clownin Knolle. Aber nicht nur äußerlich, sondern auch in ihrem Wesen scheint sich die 28-jährige Wahl-Unewatterin verändert zu haben: Ausgelassen, lockerer und auch ein wenig verrückter ist sie geworden.

Wenn sie in ihre ausgelatschten kunterbunten Clown-Schuhe schlüpft, geht es los: Als Klinik-Clown ist Knolle zwei Mal im Monat mit Clownkollegin "Upps" in der Diako unterwegs. "Das ist jedes Mal ein Highlight für mich." Sie klopft an die Tür eines kleinen Patienten oder späht schon einmal durch das Fenster in der Tür hinein und fragt, ob sie reinkommen darf. Kind und Clownin tasten sich zunächst ab, Knolle versucht Vertrauen zu wecken. Mit Hilfe von Seifenblasen, Handpuppe Kroko oder den Kuscheltieren der Kinder geht das meist recht schnell. "Manchmal kommt sofort etwas ins Rollen und das Kind erzählt, manchmal muss ich das auch ein bisschen herauskitzeln", sagt sie. Gemeinsam mit den Kindern geht Knolle auf Phantasiereise, spielt kein festes Stück oder eine eingeübte Szene, sondern improvisiert munter vor sich hin.

Ein wirkliches Allround-Talent

Wie auch sonst, denn auf die Frage, was Carola Schimke beruflich macht, wäre die Antwort wohl am ehesten: alles und nichts. Wenn die rote Knollennase in ihrer Schachtel bleibt, ist die quirlige Frau hin und wieder für "Lebendiges Land" aktiv, einen Lieferservice für ökologische Produkte aus der Region. Dort macht sie, "was gerade so anfällt": Organisation, auf dem Markt verkaufen, Gemüsekisten packen oder an die Haushalte ausliefern.

Und wenn sie auch das nicht tut, ist sie wahrscheinlich gerade mit jeder Menge Trommeln im Gepäck unterwegs. Für eine Musikschule in Schleswig gibt sie Tanz- und Trommelkurse und geht dabei einer großen Leidenschaft nach: afrikanische Musik. "Ich trommle schon seit ich denken kann", sagt sie und zählt ihren Trommel-Fundus durch: zwölf Stück. Dazu kommen noch Körbe voll mit Percussion-Instrumenten.

Das Ziel: Menschen etwas Gutes tun

Musikalisch geht es bei Carola Schimke auch heute Abend zu: Veranstaltet von der Musikschule Flensburg, findet eine Benefizveranstaltung für das Straßenkinder-Projekt "Let me be a child" statt. Initiatorin dieses Projektes ist Etagegne Girma-Bierig, die aus der Wahl zum "Mensch des Jahres" unseres Verlages als Zweitplatzierte hervorging. Ihr Engagement unterstützt Schimke gerne. Beim "Tanz in den Frühling" bietet sie afrikanischen Tanz an, zwei weitere Tanzleiter geben eine Einführung in meditativen und internationalen Tanz.

Diese Abwechslung in ihrem Alltag reizt Schimke besonders. Jeden Tag das Gleiche machen, das ist nichts für sie. Welche ihrer Beschäftigungen ihr am meisten Spaß macht, vermag sie nicht zu sagen. Ganz besonders begeistert wirkt sie aber dann, wenn sie von der Clownerie und den Kindern im Krankenhaus erzählt.

Ein Kinderlächeln bezaubert die Clownin

Trotzdem hat sie manchmal auch Tage, an denen sie lieber Carola als Knolle sein würde: "Da denke ich mir: Oh Gott, heute soll ich noch lustig sein?" In solchen Situationen helfen ihr die 20 Minuten Schminkzeit, um aus dem Alltag herauszukommen. "Dann ist egal, was gestern war. Sobald ich die Nase aufhabe, bin ich Knolle."

Und Knolle kommt bei den Kindern hervorragend an, sie nimmt sie mit in eine andere Welt. "Zusammen tauchen wir ab", erzählt Schimke. Eine besonders schlappe kleine Patientin ist der Clownin eindringlich in Erinnerung geblieben. Nach kurzer Zeit habe es sich plötzlich angefühlt, als sei ein Schalter umgelegt worden. Das Mädchen wurde fröhlich, die Augen glänzten. "Auf einmal war sie da!"

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erstellt am 16.Mär.2013 | 08:28 Uhr

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