Region Schlei-Ostsee : Gesundheitsregion ist auf dem Weg

36 Prozent der Deutschen empfinden es als besonders wichtig, im Urlaub auch etwas für die Gesundheit zu tun. Grund genug für die Schleiregion, diesen Markt verstärkt zu bedienen. Foto: dpa
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36 Prozent der Deutschen empfinden es als besonders wichtig, im Urlaub auch etwas für die Gesundheit zu tun. Grund genug für die Schleiregion, diesen Markt verstärkt zu bedienen. Foto: dpa

Die Schleiregion soll laut der Agenda einer Initiativgruppe ihr Profil als Gesundheitsregion deutlich schärfen. Die TFH Westküste erstellt derzeit eine Fallstudie.

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19. Juni 2013, 11:43 Uhr

schleswig | Still ruht der See - so könnte man meinen, wenn die Rede auf das wichtige Thema "Gesundheitsregion Schlei/Schleswig" kommt. Schon Ende 2012 hatte der Flensburger Fachhochschul-Professor Roland Trill sein "Konzept zum Ausbau des Gesundheitsstandortes Schleswig und der Region Schlei-Ostsee" bei der Stadt abgeliefert. Darin fand sich auch die Forderung: "Es sind kurzfristig grundlegende Entscheidungen zu treffen." Und, so Trill, es müsse ein Treiber her, der das Thema als "vordringliche Aufgabe" annehme.
Das letztere ist jetzt geschehen. Am 14. Juni hat eine "Initiativgruppe Gesundheitsregion Schlei/Ostsee" bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr getagt; in dem zweistündigen Gespräch ist man offenbar über einen unverbindlichen Gedankenaustausch deutlich hinausgekommen: Hauptaspekte für den auszubauenden Gesundheitstourismus wurden definiert, Produktelemente zusammengetragen und strategische Überlegungen angestellt. Die lange Zeit überwiegend und beharrlich von der Bürgerinitiative "Zukunftswerkstatt Schleswig" vorgetragene Agenda scheint voran zu kommen. Prof. Dr. Rainer Winkler von der Initiative ist froh: "Ein Optimum des derzeit Möglichen ist erreicht."

Gesundheitstourismus kommt ohne Akutmedizin nicht aus

Das dürfte auch an den Mitgliedern der Initiativgruppe liegen, von denen keiner Zeit zu verschenken hat. Etwa: Florian Friedel als Helios-Geschäftsführer oder Dr. Carsten Petersen für die Kassenärztliche Vereinigung. Ebenso wie Andrea Simons von der Ostseefjord Schlei GmbH (OFS), Burkhard Otzen von der Wirtschaftsförderung Wireg und Dr. Julia Pfannkuch, die Leiterin des Fachbereichs Bürgerservice der Stadt Schleswig. Unermüdlicher Koordinator ist der örtliche IHK-Repräsentant Stefan Wesemann.
Sie alle sind sich einig, dass Gesundheitstourismus nur entwickelt werden kann, wenn, wie Wesemann betont, "auch der erste Gesundheitsmarkt - also die klassische Akutmedizin - eingebunden wird". Insofern dürfte das Mitwirken des Helios-Geschäftsführers an dem Projekt von entscheidender Bedeutung sein. Mit dem bevorstehenden Neubau des Klinikums wird die stationäre Versorgung in der Region noch einmal verbessert. Aber Friedel betont in Hinsicht auf den zweiten Gesundheitsmarkt auch: "Wir haben uns stets gesprächsbereit gezeigt."

Präsentation der genauen Ziele im Herbst

Medizin, Natur, Kultur, Aktivität & Sport sowie Essen & Trinken heißen die wesentliche Aspekte, nach denen die konkreten gesundheitstouristischen Angebote sortiert werden sollen. Hier fällt besonders die Verquickung mit dem Thema "Kultur" auf; in der Tat können kulturelle Erlebnisse, eine Binsenweisheit, ja wesentlich zur mentalen Erquickung beitragen. An die 60 Produktelemente wurden auf der zweiten Sitzung der Initiativgruppe bereits sozusagen freihändig identifiziert; sie reichen vom Nordic Walking bis hin zum Psycho-Check durch Fachmediziner oder dem Urlaub-plus-Pflege-Angebot der Klappschau-Gesellschaft.
Diese Angebote sollen über den Sommer hin durch die Touristiker der OFS ergänzt, systematisiert und dort, wo es sich anbietet, zu Paketen geschnürt werden. Eine öffentliche Präsentation des strategischen Ansatzes und der erarbeiteten gesundheitstouristischen Produkte ist für den frühen Herbst geplant.

Gesundheitstourismus derzeit sehr gefragt

Etwas länger wird es dauern, bis die Fachhochschule Westküste in Heide im Studiengang "Health Tourism" ihre von der Initiativgruppe in Auftrag gegebene Arbeit abliefert. Dort soll von bereits gestandenen Studenten eines 5. Semesters die OFS-Liste ergänzt werden; auch sind weitere Produktideen erwünscht. Vor allem aber sollen sich die jungen Leute bis Anfang 2014 über Vermarktungsstrategien Gedanken machen.
Diese Alters-Koppelung ist auch deswegen von Vorteil, weil in der Trill-Studie als Zielgruppe nicht nur die üblichen "Silver-Ager" angesprochen werden, sondern gerade auch die Jüngeren, die sich wieder "fit für den Job" machen oder , so Trill, "aktiv und vital ihre Freizeit verbringen" wollen. Ob das, was jetzt angegangen wird, bereits das von dem Flensburger Fachhochschul-Experten geforderte Etikett "deutliche Signale" verdient, bleibt abzuwarten. Doch dass es sich lohnt, die Gesundheitsregion aus- und aufzubauen, scheint keine Frage (mehr) zu sein. Schließlich empfinden, so eine Studie, 36 Prozent der Deutschen es als besonders wichtig, im Urlaub auch etwas für die Gesundheit zu tun.

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