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Operationstechnik : Fußchirurgie im Wandel

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Bei Hallux valgus und Hammerzehen sind die Operationsverfahren heute so fortschrittlich, dass sie knochenschonend und gelenkerhaltend wirken.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 02:30 Uhr

Hallux valgus ist ein Problem, das über 25 Prozent der Frauen in Deutschland betrifft. Der Grund ist meist erblich bedingt. Im Anfangsstadium treten zunächst nur bei Belastung oder Tragen enger fester Schuhe Rötungen und Schmerzen in Höhe des Ballens auf. Später kommt es zu Beschwerden des gesamten Vorfußes, verursacht durch die Überlastung der übrigen Zehengelenke. Hammerzehen (Zehdeformationen) können zusätzlich auftreten. Die Patienten leiden oft viele Jahre, weil sie Angst vor einer Fußoperation haben. Diese Angst ist aber heute unbegründet. In der Fußchirurgie hat sich ein Wandel vollzogen.
Entwicklung der Operationstechniken
Am Anfang der Fußchirurgie wurden bei einer Operation meistens radikale Operationsmethoden mit amputativem Charakter und somit der Zerstörung eines funktionstüchtigen Gelenkes - wie die Methode nach Keller-Brandes - angewendet. Bei dieser, heute nicht mehr angewandten, Operationstechnik wurde ein Drittel bis die Hälfte des Großzehengrundgliedes mit Gelenkfläche entfernt. Das Ergebnis waren eine kosmetisch störende Großzehenverkürzung und Überlänge der zweiten Zehe. Aber auch die Funktionsfähigkeit des Großzehs wurde dadurch eingeschränkt. Die Ursache war eine deutliche Kraftminderung im Abrollvorgang mit Hochstand der Zehe.
Für die Hammerzehen-Operation war die Fixation durch einen Draht die Methode der Wahl. Dieser Draht blieb vier bis fünf Wochen im Zeh und schaute aus der Spitze des Zehs heraus. Der Draht wurde später operativ entfernt. In der Klinik Fleetinsel Hamburg hat Dr. Jürgen Walpert, Facharzt für Orthopädie, als Ersatz für diesen Draht einen Bio-Stift entwickelt, der im Zeh bleibt und sich nach einer Weile auflöst. Eine Nach-OP entfällt somit.
Einsetzen von Platten-Implantaten
Der Erhalt der Gelenke steht heute im Vordergrund. Durch die Entwicklung spezieller Platten aus Titan ist heute ein besserer Korrekturwinkel des Implantats möglich. Beispiel ist das winkelstabile Implantat, das mit großem Erfolg zur Korrektur des Hallux valgus eingesetzt wird. Es wurde von Dr. Diedrich Haesen, Klinik Fleetinsel Hamburg, zusammen mit einem Hersteller aus Berlin entwickelt. Durch die Verwendung dieses Implantates wird der in der Achse korrigierte Mittelfußknochen stabilisiert. Dadurch kann der Fuß unmittelbar nach der Operation mit dem gesamten Körpergewicht in einem flachen breiten Schuh mit eingearbeiteter Metallsohle belastet werden. Früher war eine achtwöchige Entlastung des Fußes durch Gips oder einen Hackenschuh notwendig. Eine neue Lösung für die Operation des Hammerzehs bietet eine im Knochen verlagerte Verankerung mit einem Implantat, das sich von selbst auflöst. Dadurch wird ein weiterer Eingriff vermieden und das Infektionsrisiko sinkt.
Füße sind eine perfekte Konstruktion
Unsere Füße bestehen aus 26 Knochen, 33 Gelenken, 60 Muskeln, mehr als 100 Bändern und über 200 Sehnen. Der Fuß wie auch die Hand sind ein komplexes anatomisches Wunder, so die Hand- und Fußchirurgin Dr. med. Sabine Bleuel (Foto), Klinik Fleetinsel Hamburg. Daher sollte jedermann Händen und Füßen die gleiche Beachtung und Pflege zukommen lassen. Dazu gehören gutes Schuhwerk und die rechtzeitige Behandlung von Schädigungen, Fehlbelastung und Bänderschwäche. Ist der Fuß erstmal geschädigt, kann dies zu Folgeerkrankungen führen, wie Rückenschmerzen, Knie-, Hüftgelenksbeschwerden, Reizung der Achillessehne und eingeschränkte Mobilität.
Ein Viertel der Knochen des Körpers und mehr Sinneszellen als in unserem Gesicht befinden sich in beiden Füßen. Der Körper erhält hierdurch Rückmeldungen über die Stellung im Raum, die sogenannte Propriozeption. Der Mensch legt pro Jahr etwa fünf Miollionen Schritte und im Laufe eines Lebens ungefähr 170.000 Kilometer zu Fuß zurück - das sind rund vier Erdumrundungen. Je nachdem welche Gangart erfolgt, lastet unterschiedliches Gewicht auf den Füßen. Das macht sie empfindlich für Druck und Außenreize. Die Füße tragen mehrere Tonnen. Normales Gehen beansprucht die Füße bis zum Vierfachen des Körpergewichtes, Joggen bis zum Sechsfachen.

Tipps für gesunde Füße


  • Für den täglichen Gebrauch gutes, weites Schuhwerk wählen. Ab einer Absatzhöhe von mehr als 5,6 cm wird der Vorderfuß stark belastet. Deshalb hochhackige Schuhe im Wechsel mit flachen Schuhen tragen.

  • Regelmäßige Pflege der Füße und Nägel ist sinnvoll. Dabei auf Blasen, Hühneraugen, rissige Haut oder Fußpilz achten.

  • Übergewicht sollte vermieden werden. Die Beine und Füße eines jeden Menschen sind von Natur aus für bestimmte Proportionen ausgelegt. Überflüssige Pfunde belasten deshalb Sehnen und Gelenke und fördern Fußprobleme.

  • Eine Wohltat für die Füße ist barfußlaufen. Ob in der Wohnung, im Garten oder am Strand. Das trainiert die Fußmuskulatur und hält die Füße beweglich.

  • Flip Flops nur kurzfristig, nicht den ganzen Tag tragen. Durch sie werden die Zehen gezwungen, mehr Bodenhaltung zu suchen und krallen sich stärker beim Abrollen des Fußes. Das fördert die Bildung von Hammer- und Krallenzehen.
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