Porträt : "Es kann jeden treffen"

Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen: Dr. Ulrich Hase
Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen: Dr. Ulrich Hase

Seit fast 20 Jahren setzt sich Dr. Ulrich Hase für Menschen mit Behinderungen in Schleswig-Holstein ein. Seine Forderung: Rücksicht, Achtung und Respekt!

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18. Juli 2012, 10:22 Uhr

Kiel | Für Tausende Menschen ist er Hoffnungsträger und Ansprechpartner zugleich. Der Kieler Jurist und Erziehungswissenschaftler Dr. Ulrich Hase arbeitet seit 1995 als Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen.
Seit frühester Kindheit selbst nahezu taub, trat er seinen Posten an, um zu erreichen, was für jeden selbstverständlich ist, der ohne körperliche oder seelische Einschränkungen lebt: "Wir müssen dahin kommen, dass Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt und gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilhaben und einen barrierefreien Zugang zu allen Bereichen bekommen." Hase betont: "Die Herstellung von Barrierefreiheit ist keine kostspielige Maßnahme für eine kleine Randgruppe von Kindheit an behinderter Menschen." Über 75 Prozent der Betroffenen, erklärt Hase, erleiden die Einschränkungen erst nach dem 50sten Lebensjahr. "Eine Gruppe, die in unserer immer älter werdenden Gesellschaft stetig wächst."
"Das Leben geht weiter, aber die Bedürfnisse verändern sich"
Tatsächlich haben viele Menschen täglich mit Hindernissen zu kämpfen. Kopfsteinpflaster, Treppen oder schwergängige Türen sind für Gehbehinderte kaum zu überwinden. Öffentliche Verkehrsmittel sind selten barrierefrei, besonders Gehörlose haben Probleme, wenn die Namen von Haltestellen nur angesagt, aber nicht angezeigt werden. Blinde, die auf akustische Hilfen angewiesen sind, bleiben angesichts fehlender Einrichtungen nicht selten zu Hause, Lernbehinderte schließlich haben mit unnötig komplizierten Texten im "Behördendeutsch" zu kämpfen - nicht selten mit fatalen Folgen für die Betroffenen.
Angesichts solcher Missstände sei es höchste Zeit für einen anderen Umgang miteinander, mahnt der Behindertenbeauftragte. "Eine Gesellschaft, die sich ausschließlich an Leistung und dem Perfekten orientiert, wird auf lange Sicht untergehen." Rücksicht, Achtung und Respekt vor den Mitmenschen seien wichtig. Jeder müsse wissen, dass er zu jeder Zeit selbst durch Unfall oder Krankheit Behinderungen erleiden könne. "Das Leben geht dann trotzdem weiter, aber die Bedürfnisse verändern sich."

Kontakt zu Ulrich Hase:

Besuchsadresse: Karolinenweg 124105 Kiel
Postadresse: Postfach 712124171 Kiel
Tel.: 0431 988 1620
Fax: 0431 988 1621

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