Kälthemythen : Eiskalte Irrtümer auf dem Prüfstand

Sport ist auch im Winter gesund: Das Immunsystem wird gestärkt. Foto: dpa
Sport ist auch im Winter gesund: Das Immunsystem wird gestärkt. Foto: dpa

Im Winter Sport machen? Gibt es mit nassen Haaren einen Schnupfen? Es gibt viele Mythen zur kalten Jahreszeit. Eine Expertin erklärt, welche stimmen.

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21. Januar 2013, 10:56 Uhr

Hamburg | Der Winter bietet viel Raum für gesundheitliche Spekulationen und Halbwahrheiten. Niedrige Temperaturen befördern immer wieder Kälte-Mythen hervor. Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer-GEK, hat einige davon unter die Lupe genommen:
Mit nassen Haaren holt man sich einen Schnupfen
Ein Irrtum. Denn Auslöser für eine Erkältung sind Viren, und die interessieren sich nicht für den Feuchtigkeitsgrad der Haare, sondern für den der Schleimhäute. Sind diese zu trocken, bilden sie einen idealen Nistplatz für die Viren. Trotzdem sollte man bei Minusgraden mit trockenen Haaren und am besten mit Mütze vor die Tür gehen, um einer Auskühlung vorzubeugen.
Piercing und Ohrring frieren in der Haut fest
Richtig. Metall leitet Kälte. Um Erfrierungen vorzubeugen, sollten Ohrringe und Gesichtspiercings beim Wintersport und bei Spaziergängen in der Kälte herausgenommen werden. Alternativ können die entsprechenden Stellen auch mit Schal oder Mütze geschützt werden.
Eiskaltes Metall lässt Zunge festkleben
Das stimmt und sollte deshalb auch nicht aus Spaß ausprobiert werden. Das Problem dabei: Die Zunge lässt sich nicht so einfach wieder lösen. "Das Ganze ist eine äußerst schmerzhafte Angelegenheit und kann sogar zu Gewebeschäden führen", warnt die Medizinerin. Warmes Wasser würde es übrigens nur schlimmer machen, weil es je nach Außentemperatur zu Eis gefrieren würde. Falls möglich die Zunge mit einem warmen Föhn lösen.
Sport im Winter ist ungesund
Stimmt nicht, im Gegenteil: Sport stärkt das Immunsystem auch bei Minusgraden. Nicht jede winterliche Joggingrunde führt automatisch zu einer Lungenentzündung. Der Körper ist durchaus in der Lage, die eingeatmete kalte Luft soweit zu erwärmen, dass sie den Bronchien nicht schadet. "Die kritische Marke liegt bei 15 Grad minus. Dann kann die eiskalte Luft die Lungenbläschen reizen", sagt Marschall. Bei solchen Temperaturen sollte man kurze Spaziergänge unternehmen.
Vitamin C schützt vor Erkältung
Stimmt nur zum Teil. "Grundsätzlich braucht unser Immunsystem zwar ausreichend Vitamine. Dass Vitamin C aber wirklich vorbeugend wirkt, konnte bislang nicht nachgewiesen werden", so Marschall.

Heißes Bad hilft gegen Auskühlung?
Leider falsch! Wer aus der Kälte kommt und ein heißes Bad nimmt, kann sogar Kreislaufprobleme bekommen. Auch die Haut kann unter dem Badespaß leiden. Deshalb sollte man auf Temperatur und Dauer achten: 20 Minuten bei 38 Grad gelten als Maximum.

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