Frühjahrsmüdigkeit : Ein sensibles Wechselspiel

Die Körpertemperatur steigt, die Blutgefäße weiten sich und der Blutdruck sinkt - die Frühjahrsmüdigkeit macht sich bemerkbar.

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06. April 2011, 04:31 Uhr

Frühjahrsmüdigkeit kennen laut Umfragen etwa 60 bis 70 Prozent der Deutschen. Medizinisch-wissenschaftlich ist dieses Phänomen nicht belegt, Ärzte sind oft entsprechend ratlos. Doch jeder Betroffene kennt die Abgeschlagenheit, die Gereiztheit, den Schwindel und die Kreislaufprobleme.
Eigentlich geht es um die Anpassungsfähigkeit des Körpers an das Wetter, das im April häufig unbeständig ist. Dahinter steckt aber mehr als die Warm-Kalt-Umstellung. Der Körper reagiert im Winter auf Kälte und Dunkelheit mit Stoffwechsel- und Hormon-Umstellung. Dies bedeutet, dass die Körpertemperatur um einige Zehntel Grad gesenkt, der Blutdruck erhöht und vermehrt das Schlafhormon Melatonin gebildet wird. Mit der verstärkten UV-Strahlung im Frühjahr steigt dann die Körpertemperatur, die Blutgefäße weiten sich, der Blutdruck sinkt.
Ältere Menschen sind häufiger betroffen
Daraus folgt, dass der Kreislauf im April nicht auf Touren kommt, das Melatonin die Menschen weiterhin auf Dunkelheit polt. Erst wenn die Sonne kräftiger scheint, wird statt des Schlafhormons das Glückhormon Serotonin verstärkt gebildet. Menschen mit Herz-Kreislaufproblemen und Rheumapatienten reagieren besonders sensibel auf das klimatische Wechselspiel. Frauen und ältere Menschen sind häufiger betroffen.
Zur Unterstützung des Körpers bei der Umstellung helfen Kneipp-Anwendungen, Sauna und Wechselduschen, um den Kreislauf anzuregen. Außerdem sollten Betroffene viel an der frischen Luft sein, um die Serotoninausschüttung zu beschleunigen. Dabei sollte die Sonnenbrille sparsam eingesetzt werden, damit die Sonnenstrahlen direkt die Netzhaut des Auges treffen und die Hormonbildung fördern. Viel Bewegung kurbelt zusätzlich den Hormonhaushalt an. Obst und Gemüse wirken sich positiv auf den Stoffwechsel aus.
(Heidrun Plewe)

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