Lidschatten und Lippenstift : Ein Schmink-Kurs für Krebs-Patientinnen

'Sich wohler fühlen durch gutes Aussehen': Gemeinsam schminken sich die Kursteilnehmerinnen. Foto: tlu
"Sich wohler fühlen durch gutes Aussehen": Gemeinsam schminken sich die Kursteilnehmerinnen. Foto: tlu

Die Haut ist irritiert, Haare und Brauen fallen aus. Zehn Krebs-Patientinnen aus Nordfriesland wollen sich trotzdem nicht verstecken. Schmink-Tipps für mehr Selbstbewusstsein.

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26. April 2012, 10:28 Uhr

St. Peter-Ording | Diagnose Krebs: Die zehn Teilnehmerinnen des Kosmetik-Seminars für Krebspatientinnen haben gelitten und gekämpft. Die Spuren der Chemotherapie sind immer noch zu sehen - Rötungen auf der Haut, ausgefallene Haare, Wimpern und Augenbrauen. Nun wollen die Frauen den Weg zurück ins Leben finden und neuen Mut fassen. Kursleiterin Sigrid Brandt hilft ihnen dabei, mit Make-up und Lidschatten ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Unter dem Motto "Sich wohler fühlen durch gutes Aussehen" sollen die Teilnehmerinnen dazu ermutigt werden, sich nicht zu verstecken, sondern mit den Folgen der Behandlung offen umzugehen und ein neues Selbstwertgefühl zu bekommen. Wichtig ist dabei auch die Gemeinschaft, um die Krankheit mal eine Zeit lang zu vergessen.
Die Klinik Nordfriesland in St. Peter-Ording bietet krebskranken Frauen seit zehn Jahren einmal monatlich die Möglichkeit, sich zusammen unter Anleitung einer Expertin zu schminken. Schwester Gudrun Wresch erzählt: "In Bad Soden hat alles angefangen. Eine Mitarbeiterin von uns ist damals vor Ort gewesen und hat die Idee mit an die Nordsee gebracht." Mit Erfolg: Die Frauen sind begeistert und die Nachfrage ist groß.
"Ich möchte keine grünen Flecken auf meiner Haut"
Auch Inge Gißler, Hanne Umlandt und Kirsten Kruse wollen ihr Selbstwertgefühl stärken. Inge Gißler wollte nach der Behandlung ihr Aussehen verändern. "Nach der Chemotherapie fehlte mir etwas in meinem Gesicht", sagt sie. Kirsten Kruse hatte schon von den Seminaren erfahren, bevor sie in St. Peter-Ording ankam. "Die Kurse sind bekannt und sie wurden mir schon zu Hause empfohlen", erzählt sie. Der Hinweis "Unbedingt mitmachen" auf dem Ankündigungszettel ermutigte Hanne Umlandt dazu, sich mit professioneller Hilfe zu schminken.
Kosmetikerin Sigrid Brandt verteilt gelbe Taschen mit unterschiedlichen Produkten - darunter Mascara, Feuchtigkeitscreme und Kajal - und beginnt mit ihrem "Unterricht". Zuerst erklärt sie, wie die Haut gereinigt und eingecremt wird. Eine Lotion bildet die Grundlage für Make-up und Abdeckstift. Die Patientinnen sind über die Farbe des Produkts entsetzt, das ihre Hautirritationen kaschieren soll: "Ich möchte keine grünen Flecken auf meiner Haut", raunt es durch den Raum. Aber Sigrid Brandt beruhigt: "Davon sieht man später nichts mehr."
Das kann sich sehen lassen
Anschließend malen sich die Patientinnen mit einem Kajal-Stift Wimpern und Augenbrauen ins Gesicht. Einigen von ihnen sind diese zwar nach der Chemotherapie schon wieder nachgewachsen, so lang wie vorher sind sie jedoch noch nicht. Monika Rempe, die Haare, Wimpern und Augenbrauen verloren hat, ist nach der Anwendung noch etwas skeptisch. "Das ist doch viel zu auffällig", sagt sie. Aber ihre Sitznachbarinnen ermutigen sie: "Du siehst super aus."
Nach dem Auftragen von Lidschatten und Lippenstift betrachten sich die Frauen im Spiegel. Alle sind sich einig: Das Ergebnis kann sich sehen lassen. "Ich fühle mich toll", sagt Inge Gißler erfreut. Auch die anderen Kursteilnehmerinnen sind nach den eineinhalb Stunden froh, den Lehrgang besucht zu haben. Die Kosmetiktasche dürfen die Frauen übrigens am Ende des Seminars mitnehmen - "aber nur, wenn sie sich zu Hause auch schminken", sagt Brandt lachend.

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