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Ernährung : Ein «Fenster» für mehr Durchblick bei Regionalprodukten

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In Lebensmitteln aus der Region haben viele Kunden besonders großes Vertrauen. Einheitliche Werberegeln gibt es aber nicht. Nun soll ein neues Logo mehr Klarheit bringen - Kritikern ist es zu unverbindlich.

Auf den Packungen locken Wappen und Medaillen mit dem Reiz des Regionalen: Immer mehr Kunden interessieren sich beim Einkaufen dafür, dass Lebensmittel aus ihrer Heimat kommen. Was die Werbung als «regional» anpreist, ist aber oft unklar - kommen etwa alle Zutaten aus der näheren Umgebung oder dem angegebenen Gebiet? Verbraucherschützer kritisieren Tricksereien bei manchen Etiketten. Nun soll ein einheitliches Regio-Kennzeichen mehr Klarheit bringen. Zum Start Anfang 2014 wollen mehrere Handelsketten mitmachen.

Welche Informationen zeigt das neue Logo?

Die Initiatoren haben das neue Logo «Regionalfenster» getauft. In einem blauen Info-Feld können Kunden auf der Packung lesen, woher die wichtigsten Zutaten stammen und wo sie verarbeitet wurden. Die Region muss kleiner als Deutschland sein - etwa ein Bundesland oder ein Landkreis. Möglich sind aber auch Umschreibungen wie «Eifel» oder «100 Kilometer um Fulda». Die erste Hauptzutat muss zu 100 Prozent aus der Region stammen. Auf dem Etikett einer Leberwurst könnte also stehen: «Schweine/Kälber zu 100 Prozent aus Baden-Württemberg» und «zerlegt/verarbeitet in 73252 Schopfloch». Weitere Aussagen wie «ökologisch» oder «ohne Gentechnik» dürfen nicht aufgeführt werden.

Gibt es nicht schon zu viele Siegel?

Etliche Produkte tragen schon jetzt Etiketten, die besondere Regionalität verbürgen sollen. Handelskonzerne haben teils eigene Marken, die eher allgemein «Von hier» oder «Unsere Heimat» heißen. Bundesländer vergeben Siegel, die aber je nach Land bedeuten können, dass 100 Prozent oder auch nur mehr als 50 Prozent der Hauptzutat aus dem Gebiet garantiert sind. Das neue Logo soll nun einen bundesweit einheitlichen Standard setzen. «Wer als Kunde bereit ist, mehr zu zahlen, muss sich darauf verlassen können, auch mehr zu bekommen», argumentiert Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Ob sie das neue Info-Logo verwenden, können die Anbieter selbst entscheiden.

Was sagen Verbraucherschützer?

Diese Freiwilligkeit reicht Verbraucherschützern nicht. «Wer irreführenderweise mit Herkunft wirbt, kann weitermachen wie bisher», moniert Anne Markwardt von der Organisation Foodwatch. So dürfe Fleisch für Schwarzwälder Schinken auch aus Neuseeland stammen. «Nur eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung kann den Regionalschwindel beenden.» Auch die Verbraucherzentralen fordern eine gesetzliche Definition, wann Regionalkennzeichnung erlaubt ist. Aigner verspricht sich von dem freiwilligem Logo «wichtige Impulse» für verpflichtende Kennzeichnungen, die nur auf EU-Ebene eingeführt werden könnten.

Was sagt der Handel?

Nach einer Testphase mit 150 Produkten in ausgewählten Läden soll das neue Logo bald auf breiter Front in die Supermarktregale kommen. Geplanter Auftakt: zur weltgrößten Agrar- und Ernährungsmesse Grüne Woche Mitte Januar 2014 in Berlin. Erste Handelsketten sind laut Ministerium schon an Bord. Das einheitliche Informationsfeld schaffe zusätzliche Klarheit für die Kunden, hieß es etwa bei Edeka. Rewe will rund 30 Obst- und Gemüsesorten, die seit einiger Zeit als «Rewe regional» firmieren, mit dem Logo versehen. Der Discounter Netto prüft, welche Warengruppen und Artikel dafür geeignet sind.

Mitteilung Edeka

Mitteilung Netto

Ministerium zu «Regionalfenster»

Kriterien «Regionalfenster»

Umfrage zu Testphase des «Regionalfensters» (pdf)

Gutachten zu Regionalsiegel-Entwicklung (pdf)

Foodwatch zu Regionalsiegel

Verbraucherzentralen zu Kennzeichnungen (pdf)

Umfrage für vzbv (pdf)

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erstellt am 12.Sep.2013 | 14:16 Uhr

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