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Ernährung & Gesundheit

22. Oktober 2017 | 23:17 Uhr

Zeckenbiss : Ein Blick auf die Wunde

vom

Ein Grund zur Panik besteht nicht. Auch Zecken in Schleswig-Holstein können Borreliose übertragen - die Wahrscheinlichkeit der Infektion ist jedoch gering.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2012 | 08:01 Uhr

Bis irgendjemand irgendetwas unternahm, durchlebten Ingrid und Klaus Teuner (Name von der Redaktion geändert) eine telefonische Odyssee von Amt zu Amt zu Kasse. Schließlich nahm ihr Hausarzt die Blutwerte der Frau nach einem Zeckenangriff unter Beobachtung. "Da wird in den Medien landauf, landab vor den Zecken gewarnt; es wird auf die möglichen Gefahren von Borreliose bis FSME hingewiesen", und im Ernstfall wisse keineswegs ein jeder, was zu tun sei, beklagt sich das Paar. Auch Klaus Teuner war kurz zuvor von einer Zecke gebissen worden. Während er das Tier tötete, hob er den zweiten Übeltäter auf, um es von einem Labor auf Borrelien, die Überträger der Borreliose, untersuchen zu lassen.
Dr. Martin Oldenburg, Leiter der Gesundheitsdienste in Flensburg, rät aber davon ab. Als Arzt könne er "die Behandlungsentscheidung nicht vom Befund bei der Zecke abhängig machen". Auch Judith Petschelt vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin kann eine Untersuchung der Zecke im Labor nicht empfehlen. Abseits von Untersuchungen zu Forschungszwecken stelle "der bloße Fund der Bakterien in der Zecke bei gleichzeitigem Fehlen von Symptomen keine Indikation für eine Antibiotika-Therapie dar".
Den Körper im Blick behalten
Zecken in Schleswig-Holstein können Borrelien tragen und so Borreliose auf den Menschen übertragen. Jedoch hält Martin Oldenburg eine Infektion für "sehr unwahrscheinlich" wie Statistiken belegen. Er empfiehlt, "die Einstichstelle im Auge zu behalten". Nach einem bis anderthalb Monaten nach dem Zeckenbiss könne es "zu einer blassen Rötung mit einem kräftigen Rand kommen, wenn die Zecke Borrelien übertragen hätte". Dies kennzeichnet Oldenburg als "Zeitpunkt, eine Therapie mit Antibiotika zu beginnen". Zu den Symptomen, die mit einer Infektion einhergehen, zählen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Abgeschlagenheit. In Schleswig-Holstein gebe es keine Meldepflicht für Borreliose, weiß Judith Petschelt. Ein kleiner Trost: Im nördlichsten Bundesland gibt es kein FSME-Risikogebiet.
Ingrid und Klaus Teuner waren beim Hausarzt an der richtigen Adresse. Dieser hat ihnen zur Kontrolle zweimal im Abstand von wenigen Wochen Blut abgenommen.


Zur Erklärung: FSME und Borreliose
Zecken können beim Blutsaugen die Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), einer speziellen Form der Hirnhautentzündung, und die Erreger der Lyme-Borreliose übertragen. Eine Impfung ist nur gegen FSME möglich, nicht aber gegen Borreliose. Sie kann mit Antibiotika behandelt werden. Das Krankheitsbild der Lyme-Borreliose ist vielgestaltig, und die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit kann Wochen betragen. Wird die Zecke rasch entfernt, ist das Übertragungsrisiko der Borreliose-Erreger sehr gering. Zecken mit FSME-Virus kommen insbesondere in Süddeutschland vor. Zecken sollten schnell mit einer Zeckenpinzette entfernt und die Wunde desinfiziert, nicht jedoch bedeckt werden.

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