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Ernährung & Gesundheit

25. September 2017 | 21:02 Uhr

Übergewicht : Dünn durch Operation?

vom

Sie ist 41 Jahre alt und wog 149 kg bei einer Größe von 171 cm. Ute Koenen erzählt, wie sie gegen die "Massen" ankämpft und gegen das Kampfgewicht angeht.

shz.de von
erstellt am 04.Jan.2010 | 05:31 Uhr

Waren Sie immer schon so stark übergewichtig?
Nein, bis zu meinem 20. Lebensjahr war ich schlank. Ab dem 21.: jährlich steigend bis zum massiven Übergewicht, also Adipositas.
Wie genau legt man so stark zu?
Ich habe den ganzen Tag und ständig gegessen. Erst Frühstück mit zwei Brötchen, kurz später ein drittes, noch ein paar Happen - gerne Käsewürfel - zwischendurch. Bis zum Mittag hatte ich bereits doppelt so viel wie ein "normaler" Mensch gegessen. Dann kam natürlich das Mittagessen. Da habe ich die Teller der Kinder leer gemacht, wenn noch etwas übrig war. Nachmittags gab es Obst und meist ein Leberwurstbrot. Das Abendessen bestand aus drei Scheiben Brot plus Beilage und beim Fernsehen gab es zusätzlich ein paar Käseröllchen - und nachts auch noch.
Weshalb sind Sie überhaupt so übergewichtig geworden?
Der Ehemann: Ich habe Ute mit 72 Kilogramm kennengelernt. Das Übergewicht hat sie von mir!
Ute Koenen: Die Frauen für andere Männer uninteressant machen: Das ist der Gedanke, der dahinter steckt. Männer stehen darauf, ihre Frauen fett zu machen: "Feeder, Feedee, Fetisch"!
Was meinen Sie damit?
Feeder ist eine Person, die eine andere ("feedee") "anfüttert" - bis hin zu einem massiven Übergewicht - und sie dann erst attraktiv findet.
Sie sind ja seit 21 Jahren verheiratet. Wie ist das bei Ihrem Mann?
Mein Mann ist kein Feeder und ich auch keine Feedee. Denn ein Feeder ist ein Fettliebhaber und die Feedee möchte gefüttert werden. Bei uns war es so, dass mein Mann unter Verlustängsten litt und mich deshalb gefüttert hat.
Was belastet Sie am meisten an Ihrem massiven Übergewicht?
Einerseits die körperliche Belastung: Ich habe Arthrose, massive Knie- und Hüftgelenkschäden. Ich konnte zum Teil keine 500 Meter mehr gehen. Ich musste meinen Job als Krankenschwester aufgeben, weil ich die Leistung nicht mehr erbracht habe. Viel belastender hingegen sind die Blicke in der Öffentlichkeit und das, was Menschen von Dicken denken: "gefräßig, charakterschwach und undiszipliniert". Als Dicker hat man einen Stempel weg. Man traut sich nicht mehr nach draußen.
Nach 20 Jahren hat es nun aber anscheinend bei Ihnen "Klick" gemacht. Sie haben in den letzten zehn Wochen 23 Kilogramm Gewicht verloren. Was ist passiert?
Ich habe mich im Klinikum Nordfriesland, das mit seinem Adipositas Zentrum Nord auf solche Operationen spezialisiert ist, einer Magenbypass unterzogen.

Diese OP hat was genau bewirkt?
Mein Mageninhalt passt jetzt in die Größe eines Tischtennisballes. Früher waren mir die Mengen wichtig: Hauptsache viel. Heute esse ich nur das, worauf ich auch wirklich Appetit habe - mit Genuss!
Und sie werden nicht schwach und fallen in alte Schemata zurück?
Sobald ich zuviel oder einfache Zucker (wie beispielsweise Weißbrot) esse, bekomme ich Kreislaufstörungen, Schweißausbrüche, Herzrasen, heftigste Durchfälle und kolikartige Schmerzen. Alles was zuviel ist, schwappt einfach über. Sowohl auf die Essmenge als auch auf die Nahrungsmittelaufnahme aus dem Darm wird positiv beeinflusst, also führe ich insgesamt weniger Kalorien zu mir.
OP - und alles ist gut .... Oder gehört zum Abnehmen noch mehr dazu als nur eine Operation?
Dahinter steckt ein ganzheitliches Konzept, also nicht nur eine Operation sondern auch die Betreuung davor und vor allem danach. Die OP ist eine Krücke, laufen müssen wir selber. Sprich: Wir müssen versuchen, neu zu lernen und alte Verhaltensmuster zu unterbrechen. Oft gelingt das nur mit Hilfe von Therapeuten.
Was machen Sie also aktuell im Kampf gegen das Übergewicht?
Neben der guten Betreuung durch meinen Operateur Herrn Dr. Steffen Krause vom Adipositas Zentrum Nord habe ich die erste Adipositas-Selbsthilfegruppe in Flensburg gegründet. Dort möchte ich Betroffenen alles Wissenswerte zum Thema morbide Adipositas näher bringen. Vor allem soll sie aber Anlaufstelle für Sorgen, Nöte und Ängste im Zusammenhang mit dem massiven Übergewicht sein. Das Motto lautet: "Gemeinsam durch dick und dünn!"

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