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Entspannung über die Nase : Düfte steigern das Wohlbefinden

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Oft sind Erinnerungen mit Düften verknüpft: Plätzchenaromen lassen uns an die Kindheit denken, Jasmin an den letzten Urlaub. Solche Sinneseindrücke nutzt die Aromatherapie.

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erstellt am 29.Feb.2012 | 11:19 Uhr

Es stürmt, es regnet, es ist eisig kalt. Kein Mensch geht bei dieser Witterung gern vor die Tür. Wie schön ist bei solch einem Wetter dann ein zarter Duft von Zimt im Wohnzimmer, ein Vollbad mit dem Zusatz von Lavendel, eine Massage mit Zitrusöl oder der Besuch einer Sauna mit Kräuteraufguss. Diese vier Beispiele haben eine Gemeinsamkeit: Sie zählen zur Aromatherapie.
Das bedeutet, dass mit Düften Gefühle, Stimmungen und auch der Körper beeinflusst werden. Körperöle, aromatisierte Duschbäder, Körpercremes, Aufgüsse und Massagen mit duftenden Ölen bieten zahlreiche Möglichkeiten. Auch im Rahmen der Physiotherapie werden solche Massagen angeboten. "Sie kann zur Befindlichkeitsverbesserung oder Entspannung beitragen", erklärt Angelika Heck-Darabi vom Deutschen Verband für Physiotherapie in Köln.
Moderne Aromatherapie beruht auf einem Unfall
Neu ist das alles nicht. Bereits vor mehreren tausend Jahren wurden Düfte gezielt eingesetzt, etwa bei rituellen Handlungen, als Heilmittel und natürlich bei der Körperpflege. "Die Ägypterinnen wussten zum Beispiel auch um die lustfördernde Wirkung duftender Pflanzenöle", sagt die Apothekerin Margit Schlenk aus Nürnberg. Unter anderem Jasmin, Moschus, Zimt, Sandelholz und Vanille sollen erotisierend wirken.
Die moderne Aromatherapie beruht allerdings auf einem Unfall in einem französischen Chemielabor. Der Chemiker René-Maurice Gattefossé verletzte sich dabei die Hände und hielt sie ohne nachzudenken in Lavendelöl. Dabei entdeckte er die Heilkraft des Öls. Es folgten allerlei Forschungen, die als die Grundlagen der heutigen Aromatherapie gelten.
Von Geruchsregistern und frisch geschlagenem Holz
Doch wie beeinflussen Düfte unsere Stimmungen, Gefühle und damit auch unseren Körper? Die Wahrnehmung eines Geruches beginnt auf der Schleimhaut in der Nase. Von dort aus wird ein Impuls direkt an das limbische System - dem Hort der Gefühle und des Triebverhaltens - geleitet. "Ein Geruch hinterlässt genau dann einen bleibenden Eindruck, wenn er das erste Mal bewusst wahrgenommen wird", berichtet Jenny Pohl von Primavera, einem Hersteller ätherischer Öle in Sulzberg (Bayern), unter Berufung auf eine israelische Studie.
Das gilt zum Beispiel für den Geruch von frisch geschlagenem Holz beim Spaziergang durch den Wald, dem Duft der Rosen im Garten oder den Plätzchenduft in Omas Küche. Im menschlichen Erinnerungsvermögen werden Gerüche sofort in eine Art Register gespeichert. Riechen wir diesen Duft erneut, verbinden wir mit ihm Erinnerungen und Gefühle. Dazu kann ein Hauch Zimt- oder Rosenöl genügen. Wer mit diesem Duft schöne Erinnerungen verbindet, riecht ihn gerne - das funktioniert allerdings auch umgekehrt bei schlechten Erinnerungen. "Bei einer Massage entfalten die ätherischen Öle aber auch durch ihre Aufnahme in die Haut und gegebenenfalls in die Atemwege ihre Wirkung", sagt die Physiotherapeutin Heck-Darabi.
1,2 Prozent aller Menschen haben kein Geruchsempfinden
Am besten riechen kann in der Regel der erwachsene Mensch, im Alter nimmt diese Fähigkeit stetig ab. "Frauen sind viel geruchsempfindlicher als Männer", sagt Schlenk. Raucher können in der Regel nicht so gut riechen wie Nichtraucher. Insgesamt besitzen etwa 1,2 Prozent aller Menschen kein Geruchsempfinden.
Gewonnen werden die Essenzen unter anderem aus den Blättern, Blüten, Zweigen und Wurzeln der Pflanzen. Die am häufigsten angewandte Methode ist die Destillation. Dabei wird Wasserdampf eingesetzt, der die Ölanteile der Pflanze mit sich zieht. Dann wird der Dampf durch ein Kühlrohr geleitet, dabei kondensiert er, und das Öl setzt sich ab.
Milch, Sahne und Honig als natürliche Emulgatoren
Pohl rät, bei den verwendeten Ölen darauf zu achten, dass sie absolut naturbelassen sind, nur das Öl ihrer Stammpflanze enthalten, keine synthetischen Zusätze haben und nicht mit anderen Ölen gestreckt wurden. Da sie hochkonzentriert sind, gilt bei ihrem Einsatz die Devise: Weniger ist mehr. «Bereits wenige Tropfen genügen», erklärt Pohl. Um etwa einen 20 Quadratmeter großen Raum zu beduften, reichen fünf bis zehn Tropfen Öl.
Zur Hautpflege dürfen die Öle nie pur verwendet werden, sondern immer nur in Verbindung mit einer anderen Substanz. So würde etwa ein pur als Badezusatz eingesetztes Öl sich gar nicht mit dem Wasser vermischen, sondern auf der Oberfläche schwimmen. Als natürliche Emulgatoren eignen sich beispielsweise Milch, Sahne oder Honig. Sie dienen zugleich als pflegender Badezusatz.
Welches Öl wofür?
Im Herbst und Winter kommen häufig Eukalyptus, Thymian und Pfefferminze zum Einsatz. Ihre Öle helfen bei Erkältungskrankheiten. Lavendel ist bei einer Grippe empfehlenswert. Dieser Duft hilft auch bei Schlafstörungen, ebenso wie Kamille, Melisse und Sandelholz. Grundsätzlich gilt der Duft von Kamille, Lavendel, Melisse, Rose und Geranie als beruhigend.
In eine ganz andere Richtung gehen Limette, Minze, Grapefruit, Bergamotte und auch Eukalyptus: Sie wirken erfrischend.
Zur Förderung der Konzentration wird unter anderem Teebaum, Zirbelkiefer, Zitrone und Pfefferminze empfohlen. Als verdauungsfördernde Düfte gelten Anis, Fenchel, Basilikum, Estragon, Koriander, Petersilie und Minze.

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