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Verkaufsveranstaltungen : Dubiose Geschäfte in der Apotheke

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Eine Firma vertreibt Massageliegen und führt sie in Apotheken vor. Dazu lädt sie per Post ein. Die Verbraucherzentrale moniert "Kaffeefahrtcharakter".

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 11:45 Uhr

Kiel | Die Verbraucherzentrale in Schleswig-Holstein schlägt Alarm. Grund ist ein beobachteter Trend zu Verkaufsveranstaltungen in Apotheken, so Sprecher Thomas Hagen. Aktuelles Beispiel: Per Werbeschreiben werden Kunden zu den "Aktionstagen gegen Rückenschmerzen" eingeladen, wo ihnen dann Produktberater Massageliegen vorführen - und verkaufen.
In einem konkreten Fall erwarb ein Mann für 3794 Euro solch eine Liege zur so genannten Andullationstherapie, die über Resonanzschwingungen gegen Rückenleiden helfen soll. "Als er es sich zu Hause anders überlegte und den Vertrag innerhalb der Widerrufsfrist rückgängig machen wollte, lehnte das Unternehmen dies kategorisch ab", so Hagen. Ein Widerrufsrecht stehe dem Kunden im vorliegenden Fall nicht zu, heißt es in einem Schreiben der Firma. Erst als der Mann sich an die Verbraucherzentrale wandte und in deren Namen auf seinem Widerrufsrecht bestand, löste das Unternehmen den Vertrag auf.

"Wenn ein Verkäufer berät, ist der Kunde überrumpelt"


"Wenn Leute zu einem Beratungstermin in die Apotheke eingeladen werden, dann ist das okay", so Hagen. "Wenn dort allerdings nicht der Apotheker berät, sondern ein professionell geschulter Verkäufer ein Produkt an den Mann bringen will, dann gerät der Kunde völlig unvermittelt in eine Situation, auf die er überhaupt nicht vorbereitet war, er wird überrumpelt." Das Ganze bekomme schnell den Charakter von Kaffeefahrten. Deshalb sei dies nicht als normales Verkaufsgeschäft zu werten, sondern als Haustürgeschäft, bei dem der Kunde mit dem Widerrufsrecht geschützt sei.
Er kenne in seinem Umkreis viele Kollegen, die Verkaufsveranstaltungen in ihren Apotheken durchführen, sagt Thomas Friedrich, Geschäftsführer des Apothekerverbands Schleswig-Holstein. "Ich habe noch nie Beschwerden bekommen." Friedrich sieht kein Problem darin, in Apotheken Produkte zu bewerben. Es sei eine Frage der Methode: "Die Apotheke muss die Beratung immer begleiten und klären, ob das Produkt für den Kunden überhaupt geeignet ist. Wenn die Apotheke nur die Räume stellt und sich nicht kümmert, ist das nicht zulässig."
Auf schriftliche Anfrage bestreitet das Unternehmen den Vergleich seiner Verkaufspraktiken mit Kaffeefahrten. Stattdessen wird die hohe Qualität und Wirksamkeit der Liege hervorgehoben und betont, man beachte alle gesetzlichen Vorschriften. Verkaufsgespräche in Apotheken seien "unbedenklich". Die Verbraucherzentrale hingegen warnt ausdrücklich davor, solche Produkte ohne eine ärztliche Beratung zu erwerben.
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