Schwieriger als gedacht : Digital Detox: Mit diesen Tipps schauen Sie weniger auf Ihr Smartphone

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Wer häufiger auf sein Smartphone verzichtet, hat mehr Zeit zu entspannen.

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19. Januar 2022, 13:20 Uhr

Der Monat Januar steht im Zeichen des Verzichts. Das muss sich nicht immer auf Alkohol und Süßigkeit beziehen. Auch eine digitale Entgiftung, sogenanntes Digital Detox, wird immer beliebter. Der Weg dorthin ist allerdings steinig.

Die beste Freundin postet bei Instagram ein Foto aus ihrem Urlaub in Italien, der eigene Bruder hat gerade einen lustigen Spruch bei Twitter gepostet und die Freunde vom Sportverein haben auf Facebook ein Live-Video gestartet. Man selbst scrollt sich durch sein Smartphone und fühlt sich schlecht. So langweilig erscheint das eigene Leben, während andere gefühlt ständig neue Erfahrungen sammeln. Dieses Phänomen trägt einen bestimmten Namen: FOMO - Fear Of Missing Out. Die Angst, etwas zu verpassen.

Unverzichtbarer Begleiter im Alltag

Diese Social-Media-Krankheit kann ein gewaltiger Stressfaktor in unserem Leben sein. Die vermeintlich heile Welt auf Instagram und Co. führt bei Menschen nicht selten zu Frustration oder gar Depressionen. Die Corona-Pandemie hat den Konsum sozialer Medien darüber hinaus noch einmal verstärkt. Müssen die Kontakte reduziert werden, schauen die Menschen viel häufiger auf ihr Handy, um zu prüfen, was ihre Freunde gerade machen oder was momentan in der Welt los ist.

Doch die sozialen Medien sind nicht allein dafür verantwortlich, dass die Deutschen laut Schätzungen der Krankenkasse IKK im Durchschnitt zwischen 60- und 100-mal täglich zum Handy greifen. Längst gehört das Smartphone zum unverzichtbaren Begleiter im Alltag. Egal ob als Wecker, Kalender, Navigationssystem oder als Spielekonsole, Musikplayer und Videostream. Es gibt kaum noch einen Grund, sein Handy einmal nicht zu benutzen.

Erholung für Körper, Geist und Seele

Interessant ist dabei, dass viele Menschen das Smartphone trotz der übermäßigen Nutzung häufig als anstrengenden und lästigen Begleiter empfinden. Das Gerät verursacht bei uns sowohl Stress als auch Konzentrations- und Schlafstörungen. Allerdings fällt in der Corona-Pandemie die digitale Entgiftung besonders schwer. Eine Studie des Bitkom-Forschungsinstituts besagt, dass im Jahr 2020 knapp die Hälfte der befragten Personen, die einen Digital Detox starten wollten, gescheitert sind.

Anstatt ständig auf das Smartphone zu schauen, ist Lesen eine (gesunde) Alternative.
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Anstatt ständig auf das Smartphone zu schauen, ist Lesen eine (gesunde) Alternative.

Die Motivation für eine digitale Entgiftung besteht für viele Leute darin, die Welt wieder realer wahrzunehmen und nicht durch einen Bildschirm. Darüber hinaus wollen viele nicht mehr ihren Alltag durch ein digitales Gerät bestimmen lassen. Stattdessen möchten sie wieder mehr Raum für neue Ideen und Inspiration bekommen. In der Tat haben Forscher herausgefunden, wie wichtig Erholungsphasen für Körper, Geist und Seele sind.

Die digitale Entgiftung richtig planen

Von einem Tag auf den anderen das Smartphone einfach weglegen, wird nicht viel bringen. Viele Smartphone-User begehen den Fehler, sich zu wenig Gedanken über eine digitale Erholungspause machen. Sie sollten sich klarmachen, dass der Verzicht auf das Handy in den meisten Fällen einen starken Einschnitt in den Alltag bedeutet. Daher sollten sie vorab folgende Fragen für sich klären: Wie halte ich Kontakt zu meinen Freunden? Inwieweit kann ich auf das Smartphone verzichten, ohne dass ich darunter leide? Was möchte ich mit meiner medienfreien Zeit anfangen?

In einer digitalisierten Welt drohen Aussteiger häufig zu vereinsamen. Daher ist es wichtig, über genügend soziale Kontakte zu verfügen, die sich auch über andere Wege erreichen lassen. Die Planung der medienfreien Zeit ist wichtig, weil bei zu großer Leere doch wieder die Versuchung steigt, zum Smartphone zu greifen. Zur Ablenkung eignet sich Dinge, die einem Spaß machen. Das können Spaziergänge oder Wanderungen sein, schwimmen, malen oder Kreuzworträtsel.

Digitales Intervallfasten

Wer es sich zunächst nicht zutraut, über mehrere Tage oder Wochen auf sein Smartphone zu verzichten, der kann sich auch Smartphone-freie Zeiten zurechtlegen, in denen das Gerät abgeschaltet weggelegt wird. Besonders in den Abendstunden lohnt sich diese Taktik, um vor dem Schlafengehen zur Ruhe zu kommen und nicht noch stundenlang im Bett durch das Internet zu surfen. Aber auch in den Morgenstunden sorgt das digitale Intervallfasten für einen stressfreieren Start in den Tag.

Diese Strategie muss sich jedoch nicht nur auf bestimmte Zeiten beziehen. Smartphone-User können sich beispielsweise die Regel auferlegen, ihr Gerät nicht mit in das Schlafzimmer zu nehmen. Auch beim Einkaufen ist das Handy nicht lebensnotwendig, hier reicht auch ein einfacher Einkaufszettel. Der Verzicht auf das Smartphone kann darüber hinaus zum Ritual werden, etwa beim Essen oder bei Verabredungen mit Freunden.

Einfach mal stummschalten

Ein Sprichwort besagt: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!” Eine Strategie für eine digitale Entgiftung ist das Stummschalten des Handys. Laut einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität in München erwarten 57 Prozent der Handynutzer eine sofortige Antwort auf ihre abgeschickte Nachricht. Das sorgt für eine Drucksituation und führt zu Stress. Am besten ist es, die eigene digitale Entgiftung mit seinem Freundeskreis vorab zu kommunizieren, damit keine Missverständnisse aufkommen.

JOMO statt FOMO: Häufig verpasst man gar nicht so viel, wenn man einmal nicht auf sein Handy guckt.
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JOMO statt FOMO: Häufig verpasst man gar nicht so viel, wenn man einmal nicht auf sein Handy guckt.

Das Stummschalten kann auch für Push-Benachrichtigungen gelten. Gerade in der Corona-Pandemie stressen die ständigen Mitteilungen mit neuen Nachrichten. Denn auch die Kurzmeldungen verlangen hör- und sichtbar nach Aufmerksamkeit und versetzen die Menschen in ständige Alarmbereitschaft.

Alternativen zum Smartphone

Für viele Menschen ist das Handy im Alltag unverzichtbar. Doch wer genauer überlegt, wird erkennen, dass es viele Alternativen zum vermeintlich praktischen Smartphone gibt: einen analogen Wecker, einen Einkaufszettel aus Papier oder ein klassisches Wörterbuch.

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