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Ernährung & Gesundheit

21. Oktober 2017 | 18:47 Uhr

Sepsis : Die unterschätzte Gefahr

vom

Blutvergiftungen zählen in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Die bakterielle Infektion sollte schnell erkannt und behandelt werden.

shz.de von
erstellt am 22.Mär.2013 | 04:16 Uhr

Pro Jahr erkranken rund 150.000 Menschen in Deutschland an einer Sepsis. Etwa 60.000 von ihnen sterben daran. Damit ist Sepsis hierzulande die dritthäufigste Todesursache. Hedwig H. (82) aus Kiel überstand diese schwere Erkrankung, doch leidet sie bis heute unter den Spätfolgen.

Als Hedwig H. am 16. Dezember 2004 heftige Bauchschmerzen bekommt, wird sie in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte diagnostizieren eine akute Darmerkrankung, die sofort operiert werden muss. Hedwig H. erhält einen künstlichen Darmausgang. Wenig später entwickelt sich bei ihr eine Sepsis. Der neue Darmausgang hat sich entzündet. Die Patientin schwebt in akuter Lebensgefahr und wird für die weitere intensivmedizinische Versorgung in ein künstliches Koma versetzt.

Zeit spielt eine wichtige Rolle

Internist und Intensivmediziner Stefan Hansen aus Flensburg informiert darüber, was eine Sepsis ist: "Sie ist eine gefährliche, außer Kontrolle geratene bakterielle Infektion, die sich in Windeseile im ganzen Körper ausbreitet. Der Körper mobilisiert bei einer Infektion alle Abwehrkräfte. Eine Sepsis entsteht, wenn die Abwehrreaktion zu heftig wird. Hierdurch kann es schnell zu einem Versagen lebenswichtiger Organe, wie Lunge, Herz oder Niere kommen."

Eindeutige Alarmsymptome, die auf eine Sepsis hindeuten, gibt es leider nicht. Patienten berichten häufig, dass etwas ganz anders ist als sonst. "Grundsätzlich gilt: Je schneller eine Sepsis erkannt wird, desto besser sind die Chancen, sie zu bekämpfen", so Hansen. Besonders häufig trete eine Sepsis bei Entzündungen in der Lunge, der Blase, den Nieren oder bei Entzündungen im Bauchraum auf. "Ältere Menschen ab 60 Jahren und chronisch Kranke sind davon am stärksten betroffen", weiß der praktizierende Hausarzt aus seiner langjährigen Klinikerfahrung in der Flensburger Diako.

Auf der Suche nach dem Verursacher

Hedwig H. musste aufgrund ihrer Sepsis 14 Tage auf der Intensivstation liegen. Von dieser kritischen Zeit zwischen Leben und Tod sind der Rentnerin nur ihre schlimmen Alpträume in Erinnerung geblieben. "Obwohl ich ohne Bewusstsein war, spürte ich die ganze Zeit eine Bedrohung. Ich war innerlich nur von zwei Gedanken beseelt, du musst atmen, du willst leben!" Die Behandlung einer Sepsis ist eine große medizinische Herausforderung. Sie erfolgt in der Notaufnahme und Intensivstation.

Wichtig ist, sowohl den Ursprung der Entzündung als auch den verursachenden Keim zu finden. Dies geschieht durch eine körperliche Untersuchung, Ultraschall, Röntgen und Blutuntersuchungen. Untersuchung und Behandlung müssen unter Zeitdruck so schnell wie möglich erfolgen. Die Gabe von Antibiotika und eine Infusionstherapie stehen dabei im Vordergrund. Oft sind kreislaufunterstützende Medikamente erforderlich, manchmal parallel eine Beatmung oder Dialyse.

Die Sepsis hat ihre Spuren hinterlassen

Hedwig H. boxt sich während ihrer Therapie mit aller Kraft ins Leben zurück. Silvester 2004 wird sie von der Intensivstation auf eine normale Station verlegt. Erst nach knapp drei Monaten kann sie die Klinik verlassen. "Die Ärzte waren wunderbar. Sie haben mir ein zweites Leben geschenkt", resümiert die Mutter zweier Söhne. Unter Spätfolgen ihrer Erkrankung leidet sie bis heute. "Ich habe keine Kraft in den Beinen und schlafe oft schlecht. Ohne Rollator geht draußen nichts. In der Wohnung benutze ich Gehhilfen". Ihren Lebensmut hat die Seniorin dennoch nicht verloren: "Ich liebe das Leben. Wenn ich sitze, fühle ich mich wie 18, nur wenn ich gehe, wirds schwer."

Warum bei Infektionen das Immunsystem einiger Menschen aus den Fugen gerät, während andere selbst schwere Infekte gut überwinden, ist bisher nicht vollständig erforscht. Stefan Hansen möchte deshalb nützliche Tipps zur Sepsisprävention geben: "Verletzungen sollten immer gründlich gesäubert werden. Beachten Sie ebenso die Regeln der Hygiene und waschen Sie mehrmals täglich Ihre Hände. Lassen Sie sich regelmäßig impfen. Ab dem 60. Lebensjahr sollten Sie einen erweiterten Impfschutz gegen Grippe und Pneumokokken aufbauen. Stärken Sie Ihre Abwehrkräfte durch ausreichende Bewegung, gesunde Kost und nur wenig Alkohol".

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