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„Die perfekte Stillbeziehung braucht ihre Zeit“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2014 | 12:10 Uhr

„Schwierige Phasen müssen durchgestanden werden, dann ist Stillen wunderschön.“ Felicitas Hornschuh muss es wissen: Sie ist Hebamme an der Flensburger Diakonissenanstalt und seit zwei Jahren zudem als Still- und Laktationsberaterin im Einsatz. Eine Stelle, die sich längst nicht jede Geburtsstation leistet. Dabei seien Information und Hilfestellung besonders wichtig, betont Hornschuh: Damit junge Mütter sich von der „natürlichsten Sache der Welt“ nicht schnell überfordert fühlen – oder gar nicht erst damit anfangen.

Wie häufig das jedoch der Fall ist, belegen Zahlen, die der Hebammenverband anlässlich der aktuellen Weltstillwoche veröffentlicht hat: Zwar würden direkt nach der Geburt noch 80 bis 90 Prozent aller Kinder gestillt – ausschließlich bekommen in den ersten vier Monaten aber nur 34 Prozent die Brust. Und nur weniger als ein Fünftel aller Frauen stillen ihr Baby sechs Monate lang voll. Damit sei die WHO-Empfehlung für die Stilldauer für einen Großteil der Kinder in Deutschland nicht erfüllt – und die Zahlen zeigten sogar einen leicht rückläufigen Trend.

„Wenn möglich, sollte das Kind in den ersten vier bis sechs Monaten ohne Zufütterung gestillt werden“, empfiehlt Felicitas Hornschuh. „Das stärkt die Beziehung zwischen Mutter und Baby und ist die beste Gesundheitsförderung für den Säugling.“ Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts haben gestillte Kinder ein geringeres Risiko für Mittelohrentzündungen, Infektionskrankheiten und Allergien; die Mütter sollen seltener an Brust- und Eierstockkrebs erkranken.

Dass sich trotzdem viele Frauen schon früh für das Fläschchen entscheiden, liegt der Hebamme zufolge oft an mangelnden Vorbildern – in den 1970er Jahren war Stillen „out“ – und falschen Erwartungen. „Die Frauen sind erstaunt, wenn es nicht so problemlos klappt, wie sie es sich vorgestellt haben. Darum ist Information wichtig.“ Oft legten Mütter ihr Kind falsch oder zu selten an, wodurch die Milchproduktion nicht ausreichend in Gang komme. Oder sie fühlten sich, gestresst von der Geburt und der neuen Situation, überfordert, weil der Säugling in kurzen Abständen immer wieder trinken will – was „völlig normal“ sei, so Hornschuh. „Die Frauen brauchen Motivation und Unterstützung. Wenn sich stattdessen negativ eingestellte Familienmitglieder noch kritisch äußern, ist die Anfangsmotivation schnell verflogen, die Frauen geben auf.“ Sie rät zur Geduld – mit sich und dem Baby. Stillen bedeute Lernen. Bis sich eine perfekte Stillbeziehung eingespielt habe, dauere es drei bis vier Wochen.

Neben der Muttermilch Fläschchennahrung zuzufüttern, ist nach Hebammen-Meinung zwar „der erste Schritt zum Abstillen“ – aber immer noch besser, als gar nicht zu stillen. „Jede Frau muss selbst wissen, was möglich ist.“ Ernährungsregeln, nach denen etwa scharfe Speisen oder Kohl tabu seien, gelten heute als überholt. „Was man selbst gut verträgt, ist in normalen Maßen auch in der Stillzeit erlaubt.“

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