Elternhaus entscheidend : Die Jugend lebt etwas gesünder

Deutsche Kinder und Jugendliche trinken weniger Alkohol als noch vor zehn Jahren. /Symbolbild
Deutsche Kinder und Jugendliche trinken weniger Alkohol als noch vor zehn Jahren. /Symbolbild

Weniger Zigaretten, weniger Alk: Auf den ersten Blick leben Deutschlands Teenager gesünder als vor zehn Jahren. Doch wo Eltern schlechte Vorbilder sind oder der Wohnort ein sozialer Brennpunkt, kann sich das schnell ändern.

shz.de von
28. Juni 2018, 15:19 Uhr

Kinder und Jugendliche in Deutschland trinken wenigerAlkohol und rauchen auch erheblich weniger als noch vor zehn Jahren.Das geht aus einer neuen Auswertung der Langzeitstudie KiGGS hervor,die das Robert Koch-Institut veröffentlicht hat.

Deutlichwird dabei aber auch, dass der Status der Eltern mit Blick aufErnährung und Gesundheit weiterhin die Weichen für das Leben stellt.3- bis 17-Jährige aus sozial schwachen Familien essen nicht nurungesünder, sondern treiben auch seltener Sport. Im Ergebnis leidendiese Kinder und Jugendlichen häufiger unter Übergewicht als solcheaus Elternhäusern mit höherem Sozialstatus.

Die Langzeitstudie , in die Gesundheitsdaten von mehr als 12.000Jungen und Mädchen einfließen, liefert neue Ergebnisse zumAlkoholkonsum - mit positiver Tendenz. Gut die Hälfte der befragten11- bis 17-Jährigen (51 Prozent) hatte schon mal Alkohol getrunken.Vor zehn Jahren waren es 63,9 Prozent. Von regelmäßigem Rauschtrinkenberichten 7 Prozent. Bei der KiGGS-Erhebung vor zehn Jahren waren dasmit 12 Prozent knapp doppelt so viele. Eine Entwarnung ist das nicht.Nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts für 2016 kamenbundesweit rund 22.300 junge Patienten von 10 bis 20 Jahren mitAlkoholvergiftungen in eine Klinik. Das war kein Rückgang, sondernerstmals seit 2012 wieder eine leichte Steigerung - um knapp zweiProzent im Vergleich zum Vorjahr.  

Mit dem positiven Trend beim Rauchen bestätigt der neue Reportfrühere Studien: 7,2 Prozent der 11- bis 17-Jährigen greifen nach derKiGGs-Befragung zumindest gelegentlich zu Zigaretten, rund die Hälftedavon täglich. Zehn Jahre zuvor waren es allerdings noch 21,4Prozent, die zumindest gelegentlich rauchten. Auch die Zahl derregelmäßigen Raucher hat stark abgenommen. Dass Jugendliche dasQualmen zunehmend als uncool empfinden, hat für Forscher auch mit derNichtraucher-Gesetzgebung zu tun, die vor zehn Jahren zum Beispielstrenge Auflagen für Gaststätten schuf. Seitdem gibt es immer wenigerOrte, an denen Rauchen normal ist - bis hin zu Film-Drehbüchern.

Das Vorbild der Eltern fällt aber stark ins Gewicht: RauchenElternteile, haben laut KiGGS-Umfrage Jugendliche ein doppelt sohohes Risiko, ebenfalls zur Zigarette zu greifen. Eine noch vielhöheren Einfluss haben Freunde. Wie viele Jugendliche E-Zigarettendampfen, wurde nicht untersucht. Die Bundeszentrale fürgesundheitliche Aufklärung sieht auch den Modetrend der Shisha-Barskritisch: Auch dort wird über die Pfeifen kräftig Nikotin eingeatmet.Da der Rauch durch das Wasser kühl ist, kann er sogar noch tiefer indie Atemwege eindringen.

Und die Bewegung? Als gesund gelten mindestens 90 Minuten Sport proWoche. Auf dieses Pensum bringen es aber nur 53,9 Prozent der 3- bis17-Jährigen Mädchen und 62,8 Prozent der gleichaltrigen Jungen. Auf60 Minuten mäßige Bewegung am Tag, wie sie dieWeltgesundheitsorganisation als Minimum empfiehlt, kommt im Zeitaltervon Handy und Playstation sogar nur noch ein Viertel der Kinder undJugendlichen. Und wieder zählt das Elternhaus: Heranwachsende, derenMütter oder Väter mindestens eine Stunde wöchentlich Sport treiben,haben eine doppelte so hohe Chance, selbst auf Bewegung zu achten alsKinder von Eltern, die weniger als eine Stunde pro Woche aktiv sind.

Einfluss hat darüber hinaus auch der Wohnort, heißt es in derKiGGS-Studie. Liegen Sportplatz, Schwimmbad oder Grünflächen in derNähe, steigt in Familien oft die Lust an Bewegung. Ist die Gegend mitFastfood-Lokalen zugepflastert, wächst die Wahrscheinlichkeitungesunder Ernährung. Oft kommt Eltern hier wieder eineSchlüsselrolle zu - wie sie einkaufen, ob sie selbst kochen und obdas gemeinsame Essen ein Ritual ist.

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