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Organtransplantation : Die häufigsten Fragen

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Nur ein Drittel der benötigten Organe steht tatsächlich jährlich zur Verfügung. Antworten auf die wichtigsten Fragen helfen, Unsicherheiten abzubauen.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2013 | 10:28 Uhr

In Deutschland warten 12.000 Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Beim Thema Organspende äußern viele Menschen Unsicherheiten. Mit der Bereitschaft zur Organspende wird gleichzeitig auch das Thema Sterben und Tod angesprochen. Ein sensibler Bereich, der es umso wichtiger macht, umfassend aufzuklären. Die Deutsche Stiftung für Organtransplantation gibt Auskunft zu den häufigsten Fragen.
Gibt es eine Altersgrenze für die Organspende?
Generell gibt es für die Organspende keine feststehende Altersgrenze.
Entscheidender als das Alter der spendenden Person ist der Zustand der Organe. Ob ein Organ transplantiert werden kann, entscheidet der transplantierende Arzt anhand medizinischer Tests. Ab dem 16. Lebensjahr kann die Bereitschaft zur Organspende im Organspendeausweis festgehalten werden. Mit Erreichen des 14. Lebensjahres haben Jugendliche die Möglichkeit, eine Organspende ohne Mitspracherecht der Eltern abzulehnen.
Stellt der Organsspendeausweis die Rechtsgrundlage für die Organsspende dar und welche Bedeutung hat die Zustimmung durch Angehörige?
Mit der Dokumentation des Einverständnisses im Organspendeausweis ist eine Organentnahme nach dem Tode rechtlich zulässig. Die Angehörigen werden über den Wunsch zur Organspende informiert, der Wille des Verstorbenen hat jedoch Vorrang. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation empfiehlt, die eigene Entscheidung Angehörigen und nahen Verwandten mitzuteilen, damit diese im Ernstfall informiert sind.
Welche Voraussetzungen müssen für eine Organsspende nach dem Tode erfüllt sein?
Zwei grundlegende Voraussetzungen entscheiden über die Möglichkeit einer Organentnahme. Anhand der Richtlinien der Bundesärztekammer muss der Tod des Spenders festgestellt und die Einwilligung des Spenders schriftlich im Organsspendeausweis dokumentiert sein. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass eine vom Verstorbenen bestimmte Person einer Entnahme zustimmt. Grundlage ist die mutmaßliche Einstellung des Verstorbenen zur Organspende.
Ich habe bereits einen Organsspendeausweis. Wird alles medizinisch Notwendige für mich getan, wenn ich lebensbedrohlich erkranke oder einen Unfall erleide?
Die Befürchtung, einer Organsspende würde zu frühzeitig eingeleitet, lässt viele Menschen bei der Entscheidung für einen Organsspendeausweis zögern. Ziel aller medizinischen Maßnahmen ist es, das Leben des Patienten zu erhalten. Eine Organspende kommt erst dann in Betracht, wenn der Patient aufgrund der Krankheit oder Unfallfolgen nicht mehr gerettet werden kann. Grundlegend bei der Entscheidung über eine mögliche Organentnahme ist, dass zwei nicht am Organspendeprozess beteiligte Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod bestätigen. Die Frage einer möglichen Organsspende wird erst dann in Betracht gezogen, wenn der Tod durch ein vollständiges Hirnversagen festgestellt worden ist. Intensivmedizinische Maßnahmen können in diessem Fall die Hirnfunktionen nicht zurückbringen. Durch die künstliche Beatmung kann jedoch Kreislauf und Atmung künstlich aufrechterhalten und somit der Herz- und Kreislaufstillstand hinausgezögert werden. Dadurch eröffnet sich die Chance einer möglichen Transplantation.
Wie ist die Organspende im Falle einer Patientenverfügung geregelt?
Im Falle einer Patientenverfügung bleibt die Möglichkeit zur Organspende erhalten. Um Unsicherheiten und Konflikte zu vermeiden, ist es wichtig, gerade zu diesen Punkten eindeutige Angaben zu machen und die Angehörigen darüber zu informieren. Das Bundesministerium für Justiz erleichtert mit Textvorschlägen die Formulierung einer entsprechenden Verfügung. Unter www.bmj.de kann eine Broschüre zum Thema angefordert werden.

Auch im Urlaub vorgesorgt: Organsspende im Ausland
Im Ausland gelten unterschiedliche Gesetzeslagen zur Organspende. Es gilt also einige Punkte zu beachten:
Personen, die sicher gehen wollen, dass ihnen keine Organe entnommen werden, sollten einen Organspendeausweis bei sich führen. Dort sollte die Antwort "Nein, ich widerspreche einer Entnahme von Organen oder Gewebe" angekreuzt sein.
In Spanien und Italien sieht die Gesetzeslage eine automatische Organsspende vor, wenn kein ausdrücklicher Widerspruch vorliegt. Auch Frankreich legt sich mit der Informationsregelung auf eine ähnliche rechtliche Grundlage fest. Hier müssen die Angehörigen zwar informiert werden, eine Zustimmung ist jedoch nicht notwendig. In Dänemark, Griechenland und Großbritannien darf die Organtransplantation nur – ähnlich wie in Deutschland – nach eigener Zustimmung oder die der Angehörigen erfolgen, wenn kein Organspendeausweis vorhanden ist. In Österreich besteht die Möglichkeit, in einem Organspenderegister festzulegen, ob man als Organspender in Betracht kommen möchte oder nicht.
In vielen Ländern gilt das jeweilige Transplantationsgesetz, unabhängig von der eigenen Nationalität. Mit dem eigenen Organspendeausweis und dem Beiblatt in der jeweiligen Landessprache kann die persönliche Entscheidung über eine Organsspende auch im Ausland, unabhängig von den dort geltenden Regeln Beachtung finden.
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation rät zu einem Beiblatt in der jeweiligen Sprache, um Kommunikationshürden zu vermeiden.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hält das Beiblatt unter www.bzga.de in der Rubrik Themenschwerpunkte in neun verschiedenen Sprachen bereit.

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