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Ernährung & Gesundheit

17. August 2017 | 07:46 Uhr

"Die Bombe im Bauch"

vom

Es ist die häufigste Todesursache in westlichen Industrienationen - und Betroffene merken oft erst spät, dass sich die Arteriosklerose in ihrer Bauchschlagader ausgebreitet hat.

Die häufigste Todesursache in den westlichen Industrienationen ist die Arteriosklerose. Die sich häufig über Jahrzehnte langsam entwickelnde Erkrankung der Schlagadern kann zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Gefäßverschlüssen der Beinschlagadern führen. Das Gefährliche daran: Betroffene spüren lange Zeit oft nichts von der Erkrankung.
"Die Risikofaktoren hierfür sind vielen bekannt: Rauchen, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, erhöhte Blutfettwerte und angeborene Faktoren", erklärt Dr. Knut Walluscheck, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie des Flensburger Diakonissenkrankenhauses. Allerdings drohe eine weitere, meist trügerisch beschwerdefreie Folge der Arteriosklerose: die Bombe im Bauch. Der Verlust der elastischen Eigenschaften der Gefäßwand durch Ablagerungen und Wandveränderungen kann zu einer zunehmenden Erweiterung der Hauptschlagader (Aorta) führen, dem Aneurysma. "Wird die Wand zu sehr gedehnt, kommt es zum Platzen der Schlagader. Eine lebensbedrohliche Situation, die durch Vorsorge-Untersuchung und rechtzeitige Therapie verhindert werden kann", sagt Chefarzt Dr. Walluscheck, der auch das Flensburger Gefäßzentrum leitet.
Eine einfache Ultraschalluntersuchung bringt Klarheit
Zur Vorsorge reiche eine einfache Ultraschall-Untersuchung. Ist die Aorta erweitert, sollte eine Untersuchung im Gefäßzentrum erfolgen. Das Risiko, dass die Schlagader platzt, steigt ab einem Durchmesser von fünf Zentimetern deutlich. "Wir empfehlen eine Operation ab fünf Zentimetern oder bei einer sehr schnellen Zunahme des Durchmessers." Weitere Risiken bestehen in der Bildung von Blutge-rinnseln in der Aussackung, die zu plötzlichen Gefäßverschlüssen und Durchblu-tungsstörungen der Beine führen können.
Als Behandlungsmöglichkeit kommt die so genannte Endoprothesen-Operation zum Einsatz, die nur über kleine Schnitte in der Leiste auskommt und in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat. Diese Behandlungsmethode verbindet Katheter- und operative Techniken und wird im Gefäßzentrum Flensburg mittlerweile überwiegend angewendet. Dabei wird ein so genannter Stent (Gefäßprothese) über die Leiste in die Bauchschlagader vorgeschoben und unter Röntgenkontrolle eingelegt.
Das größte Gefäßzentrum im Norden Schleswig-Holsteins
"Im vergangenen Jahr konnten wir über 90 Prozent der Patienten mit Aussackungen der Bauchschlagader erfolgreich endovaskulär, also ohne Bauchschnitt, versorgen", unterstreicht Walluscheck. Das sei eine Spitzenposition im nationalen Klinikvergleich. Nur selten sei für einen derartigen Eingriff eine Vollnarkose nötig. "Die Kathetermethode ist für den Patienten weniger belastend, sie haben einen kürzeren Krankenhausaufenthalt und keine große Bauchwunde", erzählt Walluscheck.
"Als eines der wenigen Zentren im Norden werden in Flensburg auch besonders ausgedehnte Formen der Aussackung mit Prothesen versorgt, die Seitenarme haben", ergänzt der Chefarzt der Diako-Radiologie, Prof. Dr. Stefan Müller-Hülsbeck. "Wir können so auch Regionen der Hauptschlagader behandeln, aus denen Äste zu lebenswichtigen Organen abgehen und die mit der Standard-Technik bisher nicht zu versorgen waren." Die beiden Chefärzte arbeiten seit 18 Jahren eng zusammen. "Gerade auf dem Gebiet der Aneurysma-Therapie hat uns eine große Anzahl gemeinsam durchgeführter Operationen ermöglicht, unsere Erfahrungen für die ständige Optimierung der Behandlung zu nutzen", sagt Dr. Walluscheck.
Das Gefäßzentrum Flensburg versorgt als größtes Zentrum im Norden von Schles-wig-Holstein Patienten mit allen Formen von Gefäßerkrankungen. "Spezialisierte Fachärzte für Gefäßchirurgie, Radiologie und Angiologie sowie aus weiteren Fachdisziplinen sind hier rund um die Uhr ausschließlich für die ambulante und stationäre Behandlung von Gefäßpatienten zuständig", sagt Walluscheck. Zur Behandlung von Schlagadern und Venen biete das Gefäßzentrum das gesamte Spektrum der chirurgischen Therapie und Katheter-Therapie.
Ende 2010 wurde der für das Gefäßzentrum konzipierte sogenannte Hybrid-Operationssaal in Betrieb genommen, der erste in Schleswig-Holstein. Walluscheck: "Dieser hochmoderne OP ermöglicht uns, offene operative Techniken mit Katheter-Techniken zu kombinieren, also unter sterilen OP-Bedingungen und unter Einsatz einer der modernsten deckenmontierten Angiografie-Röntgenanlagen zur Darstellung von Gefäßen."

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erstellt am 20.Mär.2012 | 09:28 Uhr

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