Ungewöhnliche Sichtweise : Diagnose Rot-Grün-Schwäche

Kirschen sind rot, Blätter sind grün - scheinbar eine objektive Tatsache. In Wirklichkeit sind Farben immer eine Frage subjektiven Wahrnehmung. Foto: Rosel Eckstein/pixelio.de
Kirschen sind rot, Blätter sind grün - scheinbar eine objektive Tatsache. In Wirklichkeit sind Farben immer eine Frage subjektiven Wahrnehmung. Foto: Rosel Eckstein/pixelio.de

Im Idealfall wird eine Rot-Grün-Schwäche bereits im Kindergartenalter diagnostiziert - andernfalls stehen Betroffene in der Schule vor großen Problemen.

Avatar_shz von
04. Mai 2012, 12:34 Uhr

Mannheim | Eine Kirsche ist rot, eine Zitrone gelb, das Gras ist grün. Das scheint eine objektive Tatsache zu sein. "Tatsächlich sind Farben immer nur Wahrnehmungen des jeweiligen Betrachters, seines Auges, seines Sehzentrums", sagt Professor Hermann Krastel vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. Trotz dieser individuellen Sichtweise deckt sich im Normalfall das Empfinden der Betrachter darüber, ob etwas "rot" oder "grün" ist. Nicht so bei Rot-Grün-Blinden oder Rot-Grün-Sehschwachen, also Menschen, die Rot und Grün nicht oder nur schlecht von Gelb unterscheiden können. Sie nehmen diese Farben anders wahr und können zum Beispiel Hinweisschilder nicht allein aufgrund der Farbgebung unterscheiden.
"Die Ursache für diese Sehstörung ist genetisch bedingt, sie ist bisher nicht therapierbar und bleibt zeitlebens bestehen", erklärt der Experte für Sinnenphysiologie. Das Leben mit einer Rot-Grün-Blindheit ist nicht unproblematisch, bedenkt man, wie viele Bedeutungen Farben im menschlichen Alltag haben. "So sind zum Beispiel Schulbücher und Lehrmaterialien stark auf Farben ausgelegt, was große Probleme mit sich bringen kann", sagt Krastel. Nicht immer gelinge es den Designern dieser Lehrmaterialien, die Verwechslungsfarben der Schüler mit Rot-Grünsinnstörung in der Gestaltung der Schulbücher und -hefte zu vermeiden. "Das führt dann zu Fehlern in Hausaufgaben oder Schwierigkeiten bei Prüfungen."
Es sei deshalb sehr wichtig, dass die Diagnose rechtzeitig gestellt werde, "im Idealfall bereits im Kindergartenalter", sagt der Experte. Unerkannt würden sonst große Nachteile im Schulalltag und bei der Berufswahl und - ausübung entstehen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen