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Prävention : Deutsche trinken zu viel Alkohol

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Unter dem Motto "Weniger ist mehr" läuft aktuell im Land eine Aktionswoche gegen Alkoholsucht. Rund 60 Veranstaltungen in Schleswig-Holstein sind geplant.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 05:13 Uhr

Kiel | Hier ein Gläschen, dort ein Schlückchen: Beim Feuerwehrfest, beim Fußball schauen, bei der Grillparty oder eben ganz ohne Anlass. In Deutschland wird zu viel Alkohol getrunken, beklagt die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS). Über 90 Prozent der Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 64 Jahren konsumieren regelmäßig Alkohol. Rund 8,5 Millionen Menschen - fast jeder fünfte Mann und jede siebte Frau - auf riskante Weise. Davon sind 1,3 Millionen Menschen abhängig und somit behandlungsbedürftig erkrankt. Nicht nur die eigene Gesundheit wird aufs Spiel gesetzt - auch Familie, Freunde und Fremde werden in Mitleidenschaft gezogen. Und: Mindestens ein Drittel der Verkehrsunfälle mit Toten stünden im Zusammenhang mit Alkohol. Und bei jeder dritten schweren Straftaten wie Raub, Mord oder Vergewaltigung seien die Täter unter Alkoholeinfluss.
"Weniger wäre besser", meint die DHS deshalb zum Auftakt der bundesweiten Aktionswoche, die am Sonnabend begann und noch bis zum 2. Juni dauert. Allein in Schleswig- Holstein wird es in den nächsten Tagen rund 60 Veranstaltungen rund um das Thema Alkohol geben.

Im Norden besonders viele Zecher


Und das ist auch nötig. Die Nordlichter haben nämlich deutlich häufiger ein Alkoholproblem als Bewohner anderer Flächenländer. Nur in Mecklenburg-Vorpommern und in den Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin wird noch mehr getrunken. Insgesamt lag der Anteil entsprechender Diagnosen in Schleswig-Holstein 2011 um 12,6 Prozent höher als im Bundesschnitt. Zwischen Nord- und Ostsee gibt es - so die Schätzung von Experten - über 13.400 Alkohol-Patienten, mindestens jeder fünfte Arbeitnehmer habe einen riskanten oder gefährlichen Alkoholkonsum. Männer sind doppelt so oft betroffen wie Frauen. "Während sich das bei Jüngeren in akuten Rauschzuständen oder Vergiftungen ausdrückt, überwiegt bei Älteren das Abhängigkeitsproblem", sagte kürzlich die Landeschefin der Barmer/GEK Krankenkasse Ulrike Wortmann in Kiel.
Für Arbeitgeber sind Alkoholkranke eine Belastung. Sie melden sich doppelt so häufig krank. "Ein Erwerbstätiger mit Alkoholproblem war pro Jahr 40,3 Tage länger krankgeschrieben als ein Erwerbstätiger ohne Alkoholproblem", so die Kassenchefin. Ein weiteres Problem: Bei jedem fünften Arbeitsunfall spielt Alkohol ein Rolle.

Abhängige brauchen Hilfe von außen


Betroffene schaffen es in der Regel nicht, sich allein, aus dieser Abhängigkeit zu befreien. Aufmerksame Freunde oder Verwandte sollten es daher ansprechen, wenn ihnen auffällt, dass jemand viel trinkt. Wichtig dabei sei, keine Vorwürfe zu erheben, rät Raphael Gaßmann von der DHS. "Machen Sie es unaggressiv, in einem ruhigen Moment, möglichst ohne Zeugen". Und natürlich sollte der Mensch, um den man sich sorgt, in der Situation möglichst nüchtern sein. "Mit Betrunkenen kann man nicht diskutieren." Denn Alkohol enthemmt schon in kleinen Mengen und steigert die Gewaltbereitschaft. "Hören Sie sich an, was derjenige sagt, aber beharren Sie darauf, dass der hohe Konsum auffällt, lassen Sie ihn nicht wegdiskutieren", empfiehlt Gaßmann.
Eine Methode, einer Sucht auf die Spur zu kommen, sei die Bitte, doch mal zu versuchen, ein Wochenende lang nicht betrunken zu sein. Die typische Reaktion eines Alkoholikers sei dann oft: "Ich könnte jederzeit aufhören zu trinken, aber ich will nicht." Den Süchtigen zum Nachdenken anregen könnte dann womöglich ein Satz wie: "Noch nicht mal mir zuliebe willst Du verzichten?!" Gaßmann rät aber von dem Versuch ab, die Sucht ohne Hilfe von außen in den Griff bekommen zu wollen. "Eine Abhängigkeit kann man nicht allein unter Verwandten bewältigen, das endet in einer sozialen Katastrophe."

Riskant: Ein Glas Wein an fünf Abenden


In Deutschland gebe es mehr als 1.000 Suchtberatungsstellen für Betroffene und ihre Angehörigen sowie mehrere 100 Suchtkliniken. Da Alkoholismus als chronische Krankheit gilt, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Entzugsbehandlung. Als riskant werten Fachleute für Frauen bereits den Konsum von 12 Gramm Alkohol pro Tag an fünf Tagen der Woche. Das entspricht einem kleinen Glas Bier oder Wein. Für Männer ist ein großes Glas (24 Gramm Alkohol) täglich an fünf Tagen schon bedenklich. Diese Werte gelten nur für gesunde Erwachsene.

Veranstaltungen im Norden unter www.lssh.de

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