Nordwandhalle : Der Norden im Kletterwahn

In der Boulder- und Kletterhalle  hat jede Route hat eine Farbe und einen Schwierigkeitsgrad.  Foto: Nordwandhalle
In der Boulder- und Kletterhalle hat jede Route hat eine Farbe und einen Schwierigkeitsgrad. Foto: Nordwandhalle

Immer mehr Menschen wollen an die Wand: In Hamburg-Wilhelmsburg gibt es die größte Boulder- und Kletterhalle Norddeutschlands - für Trendsportler, Einsteiger und Kinder.

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05. April 2013, 09:34 Uhr

Hamburg | Klettern ist gut für den ganzen Körper, erklärt Jost Hüttenhain. Es trainiert die Bauch- und Rückenmuskulatur und den Po. Der 39-Jährige weiß, wovon er spricht. Der Bayer klettert, seit er 16 ist. Vor einem Jahr erfüllte er sich einen Traum: eine eigene Kletterhalle, die Nordwandhalle. Seither kommen Einsteiger ohne jegliche Vorkenntnisse genauso wie Trendsportler aus Hamburg, Bremen und Umgebung zum Klettern nach Wilhelmsburg. Denn: Klettern ist Kult. Laut dem Deutschen Alpenverein gibt es in Deutschland mittlerweile über 370 Kletterhallen, davon fast die Hälfte in Bayern und Baden-Württemberg. Tendenz steigend.

Zu Besuch in der Nordwandhalle - der größten Boulder- und Kletterhalle Norddeutschlands. Jede Route hat eine Farbe und einen Schwierigkeitsgrad. Die Wände der Nordwandhalle sind voll von Routen. Wer sich für Rot entscheidet, darf oben auch nur die roten Griffe nutzen. So sind die Regeln. Auch auf sechs Metern Höhe. "Fürs Klettern braucht man keine große Kraft, schließlich klettern wir eine Leiter auch nicht mit Klimmzügen hoch", sagt Hüttenhain. Aus seinem Mund klingt alles so einfach. Griff anpeilen und umgreifen. Wie automatisch löst sich die Hand von dem roten Haken. Nur noch den Körperschwerpunkt verlagern und Schwung. Festhalten.

Die 400 Quadratmeter große Kletterfläche im Schulungsraum ist voll von Kindern. Unbedacht klettert ein Mädchen die zehn Meter hohe Wand hoch. Ihre Route ist gelb. "Jede Route muss für Jedermann gleich schwer kletterbar sein", sagt Chef Jost Hüttenhain. Heißt: Eine große Frau muss die Route genau so gut klettern können, wie ein 100 Kilogramm schwerer Mann oder ein Kind.

25.000 Klettergriffe und ein Restaurant

Der 16,5 Meter hohe Turm ist das Herzstück der Nordwandhalle. Schon beim Betreten der Halle reckt sich dem motivierten Kletterer der bis zu acht Meter auslandende Überhang entgegen. Vom hauseigenen Restaurant aus lassen sich die Fehlgriffe der anderen Kletterer wunderbar beobachten und analysieren. Von Weitem sieht es so harmlos aus. Die sogenannten Klettergriffe gibt es in allen Formen, Größen und Farben. Rund 25.000 Griffe hängen an den Wänden der Nordwandhalle. Eigentlich. Derzeit werden 80 Routen neu geschraubt. Körbeweise lagern die gereinigten Kunstharz-Gebilde auf dem Boden.

Tom Brenzinger schnappt sich eine Kiste mit weißen Griffen und seinen Schlagschrauber und klettert in den Korb einer mächtigen portablen Hebebühne. Dann geht es per Knopfdruck nach oben. Tom Brenzinger ist Routenbauer. Zusammen mit Thomas Gärtner ist er in der Hansestadt, um hier vier Tage und Nächte neue Routen zu schrauben. Neue Strecken sind wichtig, um Stammgäste halten zu können. Rund ein Drittel der Routen sollen nun neu besetzt werden. Es ist die größte Umschraubaktion in der Nordwandhalle seit der Eröffnung vor einem Jahr.

Trendsport wächst nach oben

Seit acht Jahren schraubt Tom Brenzinger. Immer mehr Hallen haben Interesse an dem Routenbauer. "Innerhalb der letzten zwei Jahre ist der Sport sehr groß geworden", sagt er. Viele neue Hallen sind entstanden.

Der Betrieb läuft während des Schraubens der Monteure weiter. Eine Gruppe Jugendlicher probiert sich parallel im Boulderbereich aus. Bouldern ist das Klettern ohne Sicherheitsgurt in Absprunghöhe. Seit den 90er Jahren erfährt der Sport ebenfalls eine immer größere Beliebtheit. Mit einer Deckenhöhe von "nur" 4,5 Metern und weichen Matten ist der Sport zwar mindestens genau so gefährlich, wie das Klettern an der Wand, doch der Einstieg ist einfacher. Die Nordwandhalle verbindet Sportarten. In Hamburg und Umgebung einzigartig.

Nordwandhalle, Am Inselpark 20, 21109 Hamburg, Tel. (040) 33442688; täglich von 10 bis 23 Uhr; Schnupperklettern kostet 25 Euro, Tageskarten für Erwachsene ab 9,50 Euro, Kinder bis 13 Jahren frei.

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