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Ernährung & Gesundheit

23. Oktober 2017 | 06:54 Uhr

Dem Schmerz mit Bewegung trotzen

vom

Immer mehr Menschen leiden unter Rückenschmerzen / Krankengymnastik bietet oft bessere Heilungschancen als eine Operation

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | Entspannt liegt Frauke Bock auf der Liege im Therapieraum der Imland-Klinik. Physiotherapeutin Astrid Eickhoff steht neben ihr, drückt leicht auf die rechte Schulter. Dort hatte die 59-Jährige noch vor einigen Wochen starke Schmerzen. Die Diagnose lautete damals: Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule. Jetzt geht es ihr besser, und sie hat die Therapie fast überstanden. Ohne Operation.

Alles fing im Januar mit Schmerzen im Arm an. Die Surendorferin konnte nicht mehr Trompete spielen, fehlte zehn Wochen im Orchester. Jede Bewegung wurde zur Qual. In ihrem Beruf war die Erzieherin nicht eingeschränkt. Lediglich eine Woche lang war sie krank geschrieben. Länger wollte sie nicht zu Hause bleiben. "Da wäre ich verrückt geworden", erzählt sie. Als die Beschwerden stärker wurden, suchte die 59-Jährige einen Orthopäden auf. Der verschrieb ihr drei Wochen lang Cortison. Doch das half nicht. Auch das Tapen - das Aufbringen elastischer Klebebänder auf die Haut - blieb ohne Erfolg. Orthopäde und ein Radiologe sahen eine Operation als letzte Lösung, aber das lehnte Bock entschieden ab. "Ich hatte ja nur Schmerzen im Oberarm und wollte es zuerst mit der konservativen Therapie versuchen. Wenn es nach drei Monaten nicht besser geworden wäre, hätte ich mich wohl operieren lassen."

Bock wird in der Imland-Klinik in Eckernförde ambulant behandelt. Dr. Steffen Oehme, Arzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, stellte fest, dass ein starker Druck auf den Nerv an der Halswirbelsäule den Schmerz erzeugte. Außerdem hatte die Patientin neurologische Ausfälle. Schuld an der Verletzung war unter anderem die schlechte Haltung der Surendorferin. Seltsam, findet sie: "Ich bin sehr sportlich und bewege mich viel. Dass ich einmal Rückenprobleme haben würde, hätte ich nicht für möglich gehalten." Nach den Untersuchungen wurde sie an die Physiotherapeutinnen Astrid Eickhoff und Ute Hansen verwiesen, mit denen sie im Krankenhaus eine Therapie begann.

Um einen Bandscheibenvorfall zu behandeln, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Neben der Krankengymnastik kann der Rücken auch durch Tapes, Akupunktur oder eine Operation geheilt werden. Oehme ist jedoch kein Freund von chirurgischen Eingriffen und empfiehlt diese nur, wenn es keine andere Lösung mehr gibt. "Es ist besser, es zuerst mit Massagen oder Dehnübungen zu versuchen", betont er. "Dafür brauchen die Patienten aber viel Geduld."

Geduld hat Frauke Bock. Anfangs kam sie zwei bis drei Mal pro Woche ins Krankenhaus und machte dort Übungen mit den beiden Physiotherapeutinnen. Massagen und Traktionen einerseits sowie Muskeltraining, Koordination und Gelenkstabilisierungen andererseits standen auf dem Programm. Auf die richtigen Bewegungen komme es dabei an, erklärt Eickhoff. Brustschwimmen eigne sich zum Beispiel nicht so gut, dadurch würde der Nacken zu sehr verspannt. In der Therapie sitzt sie manchmal auf einem Ball und "trainiert" mit einem SMS-Band. Oder zieht mit beiden Armen ein Band auseinander, um ihre Muskeln zu kräftigen.

Vorbeugen kann man den Bandscheibenvorfall laut Hansen mit regelmäßiger Bewegung. Dabei sei die Sportart egal, solange man nicht auf dem Sofa sitze. Mangelnde Bewegung und Übergewicht seien nämlich die Hauptgründe der Schmerzen. Aber auch Stress kann sie verursachen. In Schleswig-Holstein fehlen täglich im Schnitt 4600 Berufstätige aufgrund von Rückenleiden. 60 bis 80 Prozent der 30- bis 60-Jährigen leiden an der Volkskrankheit. Oft seien die Schmerzen chronisch oder psychisch bedingt. Das bestätigt Oehme. Wer eine aufrechte, positive Haltung hätte, würde seinem Körper helfen. Auch eine optimistische Einstellung könne einiges bewirken.

Frauke Bock hat gute Fortschritte gemacht. "Sie hat gut mitgearbeitet und sich immer an unsere Anweisungen gehalten", loben Eickhoff und Hansen. Und die Übungen zu Hause weitergeführt, wie sie erzählt. Fleiß und Ausdauer haben sich ausgezahlt: Jetzt muss die 59-Jährige nur noch ein Mal pro Woche zur Behandlung. Und wenn alles weiterhin gut läuft, schließt sie die Therapie schon bald ab.

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