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Ernährung & Gesundheit

18. August 2017 | 20:28 Uhr

Jugendsünden : Das Tatoo muss weg

vom

Die Entfernung mittels Laser ist langwierig und kann teuer werden. Wie sich das realisieren lässt, erklärt der Kieler Dermatologe Dr. Johannes Müller-Steinmann.

Tätowierungen sind eine Modeerscheinung der letzten Jahre. Was früher nur Seeleute und Gefängnisinsassen schmückte, sieht man heute an fast jedem Leistungssportler und vielen jungen Menschen im Straßenbild. Da sich die Trends häufig ändern, wollen mittlerweile viele ihre Körperbilder möglichst rückstandsfrei wieder los werden. Wie sich das mit der modernen Lasertechnik realisieren lässt, erklärt Dr. Johannes Müller-Steinmann (Foto), Dermatologe und ärztlicher Direktor des Hautarztzentrums Kiel.

"Das Entfernen von Tätowierungen nimmt in unserem Hautarztzentrum stetig zu. Viele Patienten wollen sich von ihren Jugendsünden, wie etwa dem bekannten "Geweih am Kreuzbein" (siehe Foto) befreien," stellt Müller-Steinmann fest. Das Entfernen ist besonders bei sehr leuchtenden oder intensiven Farben schwierig.

Laser als Gegenmittel

In den Tattoo-Studios werden Farben aus unterschiedlichsten Quellen, zum Teil auch Autolacke, benutzt. Es gibt weder in Deutschland noch in Europa irgendwelche gesetzlichen Vorgaben und keinerlei Kontrollinstanz. "So müssen Hautärzte zunächst an einer Stelle testen, ob eine Entfernung überhaupt möglich ist. Manche Farben enthalten Eisen- oder Titanoxid. Werden sie mit Laserlicht behandelt, können sie sogar nachdunkeln," weiß Müller-Steinmann.

Die verwendeten Laser arbeiten mit sehr energiereichem Licht. Dieses durchdringt die Haut und wird von den Pigmenten der Tattoo-Farbe absorbiert. Dort wandelt es sich in Nanosekundenbruchteilen in Wärme um und baut so die Farbe ab. Die weißen Blutkörperchen transportieren die Rückstände dann ab. Für jede Farbe wird ein besonderes Laserlicht benötigt, da für sie nur eine Wellenlänge wirksam ist. Der Laser verursacht wenig Schmerzen. Bei empfindlichen Personen können Betäubungssalben oder eine örtliche Betäubung zum Einsatz kommen.

Etwa zehn Sitzungen pro Tatoo

"Je nachdem, welche Farben die Tätowierer benutzt haben und wie groß die Tattoos sind, benötigen wir mehrere Sitzungen, um das gesamte Kunstwerk vom Körper zu entfernen. Dabei lassen sich Tattoos mit schwarzer oder blauer Farbe besser lasern, als bunte. Auch mit Ruß oder Schreibtinte selbst gemachte Tätowierungen lassen sich relativ leicht entfernen," sagt Müller-Steinmann. Eine Sitzung dauert je nach Tattoogröße bis zu einer Stunde und kostet ab 60 Euro. Da für ein normales Tattoo etwa zehn Sitzungen benötigt werden, kann es besonders bei großen Körperbildern teuer werden.

Die Sitzungen sollten bevorzugt im Winter stattfinden, wenn die Haut nicht gebräunt ist. So können keine natürlichen Pigmente zerstört werden. Ansonsten ist es möglich, dass der einst blaue Delfin als weißes Negativbild des Tattoos erscheint. In der Regel kommt das Pigment aber nach einigen Monaten oder auch Jahren zurück. Zwischen den einzelnen Behandlungen sind Pausen von wenigstens 30 Tagen ratsam, damit der Körper die zerstörten Pigmente abbauen kann.

"Manche Farben können nicht mit dem Laser entfernt werden. Dann gibt es noch die Möglichkeit, die Hautoberfläche abzutragen. Dadurch entstehen allerdings Narben, die man wieder mit einem Laser glätten kann," zeigt Müller-Steinmann eine Alternative auf.

An einen Mann mit einer Tätowierung am Oberarm kann sich der Hautexperte besonders gut erinnern. "Auf seiner Haut befanden sich fünf durchgestrichene Frauennamen und er bat darum, sie nun alle zu entfernen."

Ein Tattoo ist einfach gestochen, aber schwer wieder zu entfernen. Hier ein paar Hinweise, was man vorher beachten sollte:

1. Tattoos verändern sich durch die Hautalterung. Manche Hautstellen, etwa Oberarme oder Bauch, werden schlaffer als andere.

2. Farbige Tattoos lassen sich erheblich schwerer wieder entfernen, als schwarze oder blaue.

3. In einigen Berufen, wie Banken, Versicherungen, Polizei oder im Verkauf, kann ein sichtbares Tattoo die Aussichten erschweren oder sogar unmöglich machen.

4. Vorsicht bei der Wahl des Tattoo-Studios. Empfehlungen von Freunden oder Bekannten beachten und sich vorher über die hygienischen Verhältnisse informieren. Auf Volksfesten oder ähnlichen Veranstaltungen sollte man sich auf gar keinen Fall zu einer Tätowierung überreden lassen.

5. Der Name der großen Liebe oder Symbole von Gruppen oder Vereinigungen können ganz schnell den Stellenwert im Leben verlieren.

6. Direkt nach dem Stechen braucht die Haut sorgfältige Pflege. Bei Komplikationen oder Allergieanzeichen sofort einen Hautarzt aufsuchen.

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erstellt am 02.Mär.2013 | 07:50 Uhr

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